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Neuland Afrika - Erfolgsgeschichten aus Uganda

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„Kommst Du mit nach Afrika? Mit ONE? Lass uns hinschauen, was es für Erfolge in Afrika gibt - oder auch nicht." So ungefähr klang es, als mein Freund Rea Garvey mich vor ein paar Monaten anrief. Ich war unentschlossen, ich war noch nie in Afrika, wollte aber schon immer mal hin. Die Gelegenheit ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Ich dachte mir, dass es eine gute Idee sei, meine erste Reise nach Afrika mit Rea und ONE zu unternehmen. Also sagte ich zu. Auf nach Uganda!

Es ging nicht ganz leicht los, denn bereits die Gelbfieberimpfung einige Wochen vor der Abreise hat mich ganz schön umgehauen. Und dann ging es weiter: Rea hat euch ja schon berichtet, dass unsere Anreise nicht ganz planmäßig verlief. Erst machte unser Flugzeug in Khartum schlapp, weswegen wir erstmal nur bis nach Addis Abeba kamen. Aber als wir am nächsten Tag in Kampala ankamen, wurden wir von unserer tollen ugandischen Reisebetreuerin Juliana abgeholt und alles lief wie am Schnürchen: Kurz die Sachen abladen im Hotel, und dann ab ins „Youth Empowerment Center":

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Wir trafen auf aufgeklärte, junge Menschen, die ihre Zukunft und die ihres Landes selbst in die Hand nehmen wollen: Sie haben erkannt, dass junge Menschen Aufklärung und Hilfe von anderen jungen Menschen brauchen und bieten dies deshalb an. Fast alle hatten schon mit der HIV/Aids Kontakt. Entweder, weil sie selber infiziert sind oder Freunde oder Familienangehörige daran erkrankt oder sogar gestorben sind. Aber keiner von ihnen hat den Lebensmut verloren, stattdessen setzen sie sich für eine bessere Zukunft ein.

Für mich sind immer die Geschichten am beeindruckendsten, mit denen ich mich identifizieren kann, wo ich anpacken kann und wo es um Sachen geht, von denen ich was verstehe. Bei mir, klar, geht das über Kochen und Lebensmittel. Kochen verbindet: Ob in Hamburg oder in Kampala, das ist überall derselbe Schnack. Sobald ich am Herd stehe, ein Schälmesser in der Hand habe oder Produkte auf ihre Qualität überprüfe ist jede Berührungsangst verflogen. Dann steht nur das Projekt oder die Arbeit im Vordergrund.

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Dieses besondere Gefühl hatte ich vor allem am Mittwoch, als wir das Unternehmen Flona Commodities von Stephen Isiko-Nabongo und später eine Schule - mit Schulküche - in Kampala besucht haben. Stephen stieg schon in Kampala zu uns in den Bus. So konnten wir die 2-stündige Fahrt zu seinem Unternehmen nutzen, um mehr von Flona Commodities zu erfahren. Stephen erzählt uns von seiner einfachen, aber sehr guten Idee: Er hat gesehen, dass viel von den angebauten Früchten im Kayunga Distrikt nicht verwendet wurden, auf den Boden fielen und verrotteten. Stephen fand es schlimm, dass Unmengen guter Lebensmittel nicht genutzt wurden. Außerdem aßen Kinder häufig das oft schon verdorbene Obst und wurden regelmäßig krank.

Stephen überlegte sich, dass es außerhalb Afrikas sicher einen Markt für die tropischen Früchte gäbe. Das war 1995. Aber zu dem Zeitpunkt hätte es keine gute Flugverbindung von Uganda nach Europa und das Obst wurde schon während des Transports schlecht. Was tun? Wenn das Frischhalten das Problem ist, dann muss er das Obst eben getrocknet verschicken. Hält sich länger. Stephen tat alles, um diese Geschäftsidee anzuschieben, und gründete 2001 mit seiner Frau Flona Commodities - mit Erfolg. Auch Dank deutscher Unterstützung durch die Weltbank kann er heute bis zu 800kg Trockenobst im Monat unter einwandfreien Bedingungen herstellen. Hauptsächlich exportiert er nach Europa und Japan.

Das Beste aber ist: Sein Unternehmen macht einen echten Unterschied für seine Region.

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Durch Flona können sich über 300 Bauern aus der Gegend ihr Einkommen sichern. Das sehen wir deutlich, als wir zu Kristina auf die Ananas-Farm kommen. Die Bäuerin lebte bis vor einigen Jahren in extremer Armut. Jetzt kann sie ihre sieben Kinder problemlos ernähren und zur Schule schicken. In der Region werden genug Früchte angebaut, um Stephens Business weiter auszubauen, aber mittlerweile muss er Angebote von Bauern ablehnen, die ihm Obst anbieten. Noch fehlt ihm das Geld für eine weitere Expansion seines Betriebs, aber er hofft auf weitere Unterstützung für sein Unternehmen.

Der Besuch bei Stephen und Kristina war wahnsinnig spannend und beeindruckend. Ich habe gesehen, dass es manchmal nur einen kleinen Anschub zum Start toller Projekte braucht, die hunderte Menschen aus der extremen Armut befreien können. Stephen und Kristina haben mir gezeigt, dass intelligente Entwicklungszusammenarbeit funktionieren kann und es echten Gründergeist und Fortschritte in Uganda gibt!

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