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Ich wurde von meinem Schulleiter diskriminiert - jetzt wehre ich mich dagegen und ihr könnt helfen

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TEENAGER DEPRESSION
zodebala via Getty Images
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Ein LGBTIQ* äußert sehnlichst den Wunsch, mit seinen besten Freunden in ein Zimmer zu kommen, doch der Schuldirektor lehnt dies ab. Aus dem Grund: ein Junge und zwei Mädchen kommen nicht in ein Zimmer- eine Grauzone, die es zu bearbeiten gilt!

Ich, als homosexueller Junge, hatte seit Anfang an den Wunsch geäußert, mit meinen beiden besten Freundinnen ein Zimmer auf der Klassenfahrt zu teilen. Wir alle, auch unsere Eltern, waren damit vollkommen einverstanden.

Plötzlich sitze ich im Zimmer des Direktors, und er argumentiert rücksichtslos mit "Deine Homosexualität ist kein triftiger Grund dafür, dass du mit Mädchen in ein Zimmer darfst. Ein triftiger Grund wäre beispielsweise, wenn du von den Jungs gemobbt werden würdest".

Mehr zum Thema: Trotz Ehe für alle: Nicht jeder kann sich am Arbeitsplatz gefahrlos outen

Ich konnte das einfach nicht verstehen. Ich fühlte mich unverstanden. Homosexualität fühlte sich zu dem Zeitpunkt falsch an. Warum darf jeder mit seinen Freunden in ein Zimmer, außer ich? Ich muss mit den Jungs in ein Zimmer, mit denen ich nicht zurechtkomme. Ich darf zuschauen, wie jeder mit seinen Freunden in ein Zimmer kommt.

Mir wurde von den Lehrern und Lehrerinnen angeraten, keinen großen Aufstand zu machen. Es wäre ja nicht schlimm, ich wäre ja nur nachts da. "Und wenn dir langweilig ist, kannst du ja ein Buch lesen", wurde mir angeraten.

Antidiskriminierungsstelle kann nicht helfen

Jeder kann sich abends mit seinen Freunden unterhalten, während ich mich hinsetzen soll und ein Buch lesen soll, zwischen Personen mit denen ich gar keine Interessen teile? Nur weil ich lieber weibliche, als männliche Schulfreunde habe? Tut mir leid, aber meiner Meinung nach ist dies Diskriminierung. Es fühlte sich einfach nicht richtig an, überwiegend Freunde des anderen Geschlechts zu haben.

Ich dachte, die Antidiskriminierungsstelle des Bundes könnte mir helfen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sagte mir, dass es dafür keine gesetzliche Regelung gibt und dass man dagegen nichts unternehmen kann. Ich muss es einfach hinnehmen, wie es ist.

Die nette Mitarbeiterin engagierte sich und hat beim Schuldirektor angerufen. Eigentlich wäre selbst dies nicht mehr in ihrem Aufgabenfeld gewesen - aber sie tat es, so fühlte es sich für mich an, aus Mitleid. Doch auch sie traf auf taube Ohren. Der Schuldirektor meinte, dass dieser "Special-Wunsch" nur weitere Wünsche durch andere SchülerInnen hervorrufen würde.

Plötzlich war ich ganz auf mich alleine gestellt. Selbst eine staatliche Institution konnte mir nicht weiterhelfen.

Die Mitarbeiterin sagte noch, dass selbst bei einer gerichtlichen Entscheidung zugunsten des Schulleiters entschieden werden würde.

Veraltete Gesetzesgrundlage

Wir haben also eine komplett veraltete Gesetzesgrundlage. Sie gibt uns Heterosexualität vor. Diese Sicherheitsvorkehrungen werden schließlich nur getroffen, um Geschlechtsverkehr mit dem anderen Geschlecht zu unterbinden. Doch ich bin nun mal nicht heterosexuell, habe es gefühlt tausende Male gesagt. Trotzdem werde ich rücksichtslos abgewiesen.

Ich möchte einen Kompromiss eingehen. Aber mein Wunsch wird einfach überhört. Ich fühle mich nicht ernst genommen und ich habe das Gefühl, man möchte sich nicht in meine Lage versetzen.

Zusammenfassend haben also all unsere Eltern eine Einverständniserklärung abgegeben. Mit der Agentur, die die Zimmer einteilt, war bereits alles abgesprochen. Doch dann meinte der Schulleiter, dazwischen gehen zu müssen - eine überzeugende Begründung konnte er nicht liefern.

Auf gesetzlichen Grundlagen basiert dieses Verhalten meiner Meinung nach nicht. Ihr seid genau so verwirrt wie ich? Dann unterschreibt jetzt, damit solche unsinnigen Einteilungen nicht mehr vorgenommen werden können!

  • Wie soll sich ein LGBTIQ* verhalten, wenn er sich gar nicht bei den Lehrern outen möchte?
  • Was soll ein Mädchen/Junge tun, die/der vom gleichen Geschlecht dafür gemobbt wird, da sie/er zu ihrer/seiner Orientierung bzw. zu ihrer/seiner Präferenz steht? (in der heutigen Zeit ist dies noch sehr oft der Fall)
  • Warum sollte es überhaupt möglich sein, eine solche Regelung zu finden? Jährlich kämpfen Millionen von LGBTIQ*s auf Christopher Street Day um mehr Akzeptanz und darum, beachtet/gehört zu werden. Warum wird also bei jedem Schüler/bei jeder Schülerin pauschal angenommen, er/sie sei heterosexuell?

Mehr zum Thema: Ich wurde verprügelt, weil ich auf dem CSD als Drag-Queen verkleidet war. Das habe ich gelernt

  • Was tun, mit Menschen, die sich mit ihrem Geschlecht nicht identifizieren können -> sollen die in einem Einzelzimmer vereinsamen?
  • Diese Fragen sollen aufzeigen, dass eine solche Regelung mit heutiger Zeit inkompatibel sind.
  • Zeig mit deiner Unterschrift, dass...

1. wir eine gesetzliche Grundlage brauchen, die diese Einteilungen abschafft. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass jeder Mensch heterosexuell ist. Jeder Mensch ist einzigartig, und jeder hat seine eigenen Präferenzen. Eine allgemeine Regelung ist nicht in Ordnung und veraltet.

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Es muss auf die persönlichen Begebenheiten der SchülerInnen eingegangen werden und gegen eine kompromisslose Abweisung sollte man sich wehren dürfen. Es ist unverständlich, dass mir als Schüler, oder dir als SchülerIn, oder Ihnen als Elternteil eines Kindes nicht die Freiheit gelassen wird, eine solche Entscheidung zu treffen (trotz Einwilligung der Elternteile)

2. wir eine Stellungnahme von Birgit Hesse (SPD-Politikerin und Schulministerin von Mecklenburg-Vorpommern) erhalten wollen. Als ich ihr das Problem schilderte, brach der E-Mail-Kontakt ab. Es kam mir so vor, als würde sie meine Anfrage ignorieren.

Wir wollen aber Antworten, warum eine solche übertriebene Form der Heteronormativität im Schulwesen möglich ist und was unternommen werden kann, damit solche Konflikte nicht mehr auftreten.

Die Petition könnt ihr HIER unterzeichnen

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