Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Tiaji Sio Headshot

Im Kampf für eine gendergerechte Welt: Als Jugendbeobachterin für eine Woche bei den Vereinten Nationen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

2017-04-05-1491404795-8870470-UNFrauenrechtskommission.jpg
Die 61. UN Frauenrechtskommission in New York

„In einer von Männern dominierten Welt muss die Stärkung von Frauen oberste Priorität haben. Frauen haben bereits alles, was für einen Erfolg notwendig ist. Stärkung bedeutet dabei strukturelle Grenzen zu durchbrechen. Männer dominieren noch immer, selbst in Ländern, die sich selbst als fortschrittlich bezeichnen. Männlicher Chauvinismus hindert Frauen - und das tut allen weh." Die 61. UN Frauenrechtskommission (FRK) in New York wurde mit großen Worten von UN- Generalsekretär António Guterres eröffnet.

Die wirtschaftliche Stärkung von Frauen in einer sich verändernden Arbeitswelt war das Thema der diesjährigen Frauenrechtskommission.

Während der letzten zwei Jahre unterstützte ich als Jugendbotschafterin die Aktionen der entwicklungspolitischen Kampagnenorganisation ONE und saß nun als eine der beiden Jugendbeobachterinnen, die dieses Jahr von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) entsendet wurden, erstmals mit am Verhandlungstisch der UNO.

Als Teil der deutschen Regierungsdelegation ging es uns darum, dass die Stimmen junger Menschen Eingang in das Abschlussdokument der Frauenrechtskommission finden. Bevor ich überhaupt daran teilnehmen konnte, war ich als eine von knapp 1.000 anderen engagierten Aktivisten und Aktivistinnen Teil des vorgeschalteten Jugendforums zur Frauenrechtskommission.

Am ersten Tag des FRK-Jugendforums drehte sich alles um Bildung und Ausbildung - der Grundstein einer wirtschaftlichen Gleichstellung. Am zweiten Tag ging es vor allem darum, wie man Jungen und Männer im Aktivismus für Gendergerechtigkeit einbindet, und wie wir effektiv auch generationenübergreifend zusammenarbeiten können.

„Ihr müsst eine Menschenrechtsgeneration werden. Und weil Menschenrechte auch Frauenrechte sind, müsst ihr eine Frauenrechtsgeneration werden", bläute uns Lakshmi Puri, stellvertretende Generalsekretärin von UN Women ein.

Im Rahmen der Frauenrechtskommission nahm ich nicht nur an der offiziellen Sitzung teil, sondern besuchte regelmäßig die von NGOs organisierten Side Events, meist in Form von Paneldiskussionen.

Besonders spannend war für mich aber der Austausch mit anderen jungen Menschen bei informellen Treffen, wie beispielweise den Treffen des „Young Women's Caucus", einem Zusammenschluss junger Feministen und Feministinnen, die ihre Ansichten in einem gemeinsam vorbereiteten Statement vor den Vereinten Nationen vortrugen.

Ein anderes Highlight war meine Teilnahme an einer von UN Women organisierten und aus 12 Mitgliedern bestehenden Fokusgruppendiskussion zum Thema Jugend, Frieden und Sicherheit. Wir diskutierten über aktuelle Herausforderungen der internationalen Friedens-und Sicherheitspolitik und erarbeiteten mögliche Lösungsvorschläge.

Mit der Resolution 2250 [1] im Hinterkopf ging es dabei auch um die mangelnde Repräsentation von Frauen und Mädchen in Friedensprozessen und den allgemeinen Widerstand gegenüber der Akzeptanz von Genderfragen in der Friedens- und Sicherheitspolitik.

Das Abschlussdokument, das ich als Jugendbeobachterin aktiv mitgestaltet habe, wurde nach zweiwöchigen Verhandlungen verabschiedet.

Es fordert unter anderem die Teilhabe von Frauen und Mädchen an einer nachhaltigen Entwicklung und stellt fest, dass Gendergerechtigkeit und die Stärkung von Frauen und Mädchen Grundlage für friedliche, gerechte und inklusive Gesellschaften, Produktivität, wirtschaftliches Wachstum, Wohlstand für alle sowie das Ende von Armut ist.

Die Frauenrechtkommission unterstreicht, dass die Wahrung und Förderung von Menschenrechten und grundlegenden Freiheiten für alle Frauen und Mädchen entscheidend für die wirtschaftliche Stärkung von Frauen sind und in alle Programme einfließen sollten, die die Bekämpfung von Armut zum Ziel haben.

Außerdem stellt sie fest, wie wichtig es ist, dass jeder Mensch an der wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Entwicklung teilhaben kann.

Die immer wichtiger werdende Rolle der Zivilgesellschaft bei der Implementierung von UN- Abkommen stellt in Frage, inwieweit staatliche Akteure sich im Bereich Gendergerechtigkeit einbringen müssen und welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um eine institutionalisierte Durchsetzung von internationalen Abkommen zu erreichen.

Gleichzeitig ist die Stärkung von Grassroots-Bewegungen und zivilgesellschaftlichen Engagement wichtig, um auch langfristig ein Umdenken hin zu liberalen und inklusiven Werten in der Gesellschaft zu ermöglichen.

Nach dem Weltfrauentag und dem Equal Pay Day war die Frauenrechtskommission in New York ein weiteres Highlight, um auf die nach wie vor vorherrschende Ungleichheit der Geschlechter aufmerksam zu machen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Pilotprojekt der DGVN „Youth4CSW" ein voller Erfolg war und in den nächsten Jahren noch weiter ausgebaut werden sollte. Die Teilnahme an der Frauenrechtskommission war für mich in jeglicher Hinsicht eine einzigartige Erfahrung.

Sie hat mich in meinem Entschluss bekräftigt, mich aktiv für Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter einzusetzen und mir gezeigt, wie wichtig es ist, die verschiedenen kulturellen, religiösen, regionalen und sozialen Perspektiven mit einzubeziehen. Es geht dabei um Inklusion, es geht darum, Stärke zu teilen.

Ich habe eine Vielzahl großartiger Menschen getroffen, die trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten und Hintergründe gemeinsam für das gleiche Ziel kämpfen. Gleichzeitig wurde mir in New York bewusster denn je: Solange 130 Millionen Mädchen noch immer keinen Zugang zu Bildung haben, ist der Kampf nicht vorbei.

Wenn auch du dich für die Stärkung von Mädchen weltweit einsetzen möchtest, unterstütze die aktuelle Kampagne #GirlsCount der entwicklungspolitischen Organisation ONE.

[1] Die Resolution 2250 fordert die UN-Mitgliedstaaten dazu auf, junge Menschen in Friedensverhandlungen und in den Kampf gegen Extremismus einzubeziehen.

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.