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Wir sind aufgewachsen in dem Glauben, dass wir alle mal Stars werden. Werden wir aber gar nicht

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"Wir wurden durch das Fernsehen aufgezogen in dem Glauben, dass wir alle irgendwann mal Million├Ąre werden, Filmg├Âtter, Rockstars. Werden wir aber nicht!"

Diesen prophetischen Satz lie├č Chuck Palahniuk Tyler Durden schon 1996 in seinem Roman 'Fight Club' sagen. Die Verfilmung ist heute Kult und der Satz sinnbildlich f├╝r eine ganze Generation. In der Geschichte sitzt der Protagonist in einem Gro├čraumb├╝ro, hat Ikea zuhause und denkt sich "H├Ątt' ich mal ..." Dann gr├╝ndet er den Fight Club.

Wir wachsen auf in dem Glauben, alles erreichen zu k├Ânnen, geben uns aber dann doch mit dem Kleinen zufrieden: Ein halbes Jahr Australien nach dem Abi - schon f├╝hlt man sich besonders. Und das gro├če Abenteuer ist auf der Liste abgehakt.

Wir h├Ąngen tagelang vor Netflix und Amazon Prime, schauen den Protagonisten zu und identifizieren uns mit den Figuren. Sie leben die Abenteuer aus, die wir uns nicht zu denken trauen. Wir sind feige. Stubenhocker. Und das, obwohl wir doch so frei sind.

Jennifer Rostock demonstriert stellvertretend f├╝r uns

Aber wir sind nicht mal frei genug, um Menschen im realen Leben ├╝berhaupt kennenzulernen. Das machen wir lieber ├╝bers Smartphone. Unsere Fantasien stecken wir in die K├╝nstler, die wir toll finden: Schauspieler und Musiker.

Wir erwarten von ihnen nicht nur bei Netflix oder Spotify Gro├čes, sondern sie sollen stellvertretend f├╝r uns auch unsere Abenteuer erleben: Partys, Reisen, Kohle, Drogen, in abgeranzten Buden UND Villen wohnen. Das ganze Programm. Dass sowohl Schauspieler als auch Musiker oft am Rande des Existenzminimums leben, ist unwichtig. Sie k├Ânnen unsere Tr├Ąume leben.

Wir gehen nicht demonstrieren. Wir posten den Protestsong ├╝ber die AfD von Jennifer Rostock und haben trotzdem das Gef├╝hl, was Gutes getan zu haben. Jennifer Rostock demonstriert stellvertretend f├╝r uns.

Pete Doherty nimmt stellvertretend f├╝r uns Drogen. Paul Potts zeigt stellvertretend f├╝r uns, wie man vom Normalo zum Star einer Branche werden kann. Wir freuen uns auf Facebook so sehr, dass Leo endlich seinen verdammten Oscar gewonnen hat, als h├Ątten wir ihn selbst gewonnen.

Statt Dinge anzupacken, studieren wir BWL

Jan B├Âhmermann ist ein Rebell, den wir voll unterst├╝tzen, aber wir w├╝rden doch nicht ... Wir tr├Ąumen davon, wollen es aber nicht. Statt Dinge anzupacken, studieren wir BWL. Gehen auf Sicherheit. Statt erst das zu machen, worauf man Bock hat, macht man direkt das, was am logischsten ist. Statt schwarz oder wei├č stellen wir uns an den Rand und haben keine richtige Meinung.

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Unsere Eltern sind veraltet, wir haben die ultimative Freiheit. Das mag sein. Aber wir nutzen sie nicht. Wenn ich durch die Stadt gehe, sehe ich 900 Frauen, die alle gleich aussehen, weil jeder Schiss hat, aus der Reihe zu fallen. Und wahrscheinlich bin ich f├╝r viele jetzt sexistisch, weil ich das gesagt habe.

Wir sind nicht frei, sondern Weicheier, die sich ├╝ber jede Kleinigkeit beschweren. Der Gruppenzwang war nie gr├Â├čer als heutzutage. Die 'Schei├č-drauf'-Mentalit├Ąt ist verloren gegangen.

Wir machen nichts ungew├Âhnliches mehr. Wir fallen nicht aus der Reihe. Und dann werden wir 40. Wir sitzen in einem Gro├čraumb├╝ro und denken "H├Ątt' ich doch mal".

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