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Was Sie über Inflation unbedingt wissen sollten

21/01/2017 11:21 CET | Aktualisiert 21/01/2017 13:02 CET
Siegfried Layda via Getty Images

Stellen Sie sich vor, Ihnen wird ihre Handtasche aus der Hand gerissen, und der Übeltäter macht sich damit aus dem Staub. Ein klarer Fall von Raub. Die meisten Menschen erkennen sofort, was ein Raub ist, wenn sie ihn sehen oder von ihm hören. Bei einer Sache versagt bei vielen jedoch genau diese Fähigkeit. Und das ist beim Geld.

Geld ist das allgemeine Tauschmittel, und es hat nur eine Funktion: die Tauschfunktion. Steigt die Geldmenge in der Volkswirtschaft, so tauschen die Menschen es früher oder später gegen andere Güter, die sie höher wertschätzen, ein. Das Geld wird ausgegeben, um zum Beispiel Smartphones, Schuhe und Urlaubsreisen nachzufragen, und die Preise dieser Güter steigen.

Warum steigt die Geldmenge überhaupt? Das liegt daran, dass die Zentralbanken, in enger Kooperation mit den Geschäftsbanken, die Geldmenge unablässig ausweiten. Beispielsweise ist seit Beginn der Währungsunion Anfang 1999 bis heute die Euro-Geldmenge um 152 Prozent angeschwollen - während die realen Einkommen nur knapp 25 Prozent zugenommen haben.

Falls Ihr Kontostand seit Euro-Einführung sich nicht fulminant vermehrt hat, dann wissen Sie, dass Sie nicht zu den Gewinnern der Euro-Geldmengenvermehrung zählen. Irgendjemand anders hat sich über den Geldsegen freuen können. Damit ist eine unangenehme Wahrheit ausgesprochen: Eine Geldmengenausweitung schafft immer Gewinner und Verlierer.

Steigt die Geldmenge, so sind es stets einige wenige, niemals aber alle, die das neue Geld als erste in die Hände bekommen. Sie können damit Güter zu noch unveränderten Preisen kaufen. Wenn das neue Geld von Hand zu Hand wandert, steigen die Preise. Die letzten, die das neue Geld erhalten, sind die Verlierer. Sie können die Güter nur noch zu erhöhten Preisen kaufen.

Ein Anwachsen der Geldmenge sorgt also immer für eine Umverteilung von Einkommen und Vermögen. Es ist niemals „neutral". Diejenigen, die ihr Geld lange halten - die Sparer -, werden durch die unablässige Geldmengenvermehrung der Zentralbanken im wahrsten Sinne des Wortes beraubt, werden Opfer eines systematisch angelegten Raubzuges.

Wie in Aktien investieren?

Das Phänomen, dass die Konsumgüter im Zeitablauf immer teurer werden - Äpfel, Bücher und Flugreisen und anderes mehr -, bezeichnet man landläufig als Inflation. Doch damit wird nur ein Teilaspekt der Inflation eingefangen. Die Inflation kommt nämlich noch in einem anderen Gewand daher: der Vermögenspreisinflation.

Steigen die Preise für Grundstücke, Häuser und Aktien, so zerstören das die Kaufkraft des Geldes genauso wie steigende Konsumgüterpreise. Geht der Preis für Grundstücke in die Höhe, bekommt man weniger Grundstück für sein Geld. Doch die Inflation der Bestandsgüter taucht nicht in den offiziellen Statistiken auf.

Jetzt wo auch die Zinsen auf beziehungsweise unter der Nulllinie liegen, und die Inflation der Konsum- und Vermögensgüter beginnt wieder zu steigen, geht es der Kaufkraft der Bankeinlagen - die Deutschen halten allein 3.300 Mrd. Euro davon - an den Kragen. Eine Möglichkeit dem zu entgehen, ist anstelle von längerfristigen Termin- und Spareinlagen Gold zu halten.

Wie aber lässt sich noch eine Rendite erzielen? Viele Anlageberater empfehlen ihren Kunden Aktien. Mit ihnen lassen sich - anders als bei festverzinslichen Anlagen - Renditen erzielen, die nach Abzug der Inflation noch positiv sind. Die Überlegung ist zwar grundsätzlich richtig. Die entscheidende Frage lautet aber: Wie soll man in Aktien investieren?

Man sollte nicht meinen, das Investieren in einen breiten Aktienmarktindex - etwa im Zuge des Kaufs eines Index-ETFs - schütze vor Geldentwertung. In der Vergangenheit war zu beobachten, dass in Phasen, in den die Inflation stark anzog, die Aktien kein Inflationsschutz waren: Die Kursgewinne blieben hinter den Konsumentenpreissteigerungen zurück.

Die Alternative zum Investieren in einen breiten Aktienmarkt besteht darin, sehr wählerisch zu sein, nur in Aktien von Unternehmen zu investieren, die langfristig hohe Renditen auf das eingesetzte Kapital erzielen, die langfristig ihre Gewinne pro Aktie steigern können - und das auch in wirtschaftlich schwierigen und inflationären Phasen.

Wer so denkt, sollte mit guten "Value Investoren" zusammenarbeiten. Denn die beschäftigen sich intensiv mit der Bewertung von Unternehmen und haben daher die besten Voraussetzungen, langfristig positive reale Renditen erzielen zu können - auch in Zeiten, in denen die Zentralbanken den Geldwert noch schneller dahinschmelzen lassen als bislang.

Dieser Beitrag wurde in ähnlicher Form in Thorsten Polleits Kolumne "Intelligent investieren" auf WirtschaftsWoche Online am 18. Januar 2017 veröffentlicht.

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