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Intelligent investieren: Vorsicht vor risikobereinigter Rendite

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INVESTMENT
Geber86 via Getty Images
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Sind Sie ein langfristig orientierter Investor? Wenn ja, dann sollten bei Ihnen die Alarmglocken klingeln, wenn Ihnen Aktien empfohlen werden, die ein ÔÇ×attraktives Rendite-Risiko"-Profil haben. Was man Ihnen damit sagen will: Sie sollten nicht allein auf die Rendite schauen. Ebenso wichtig sei es, dass das Risiko, das Sie eingehen, nicht zu hoch beziehungsweise ÔÇ×angemessen" ausf├Ąllt. Das klingt auf den ersten Blick vern├╝nftig.

Doch auf den zweiten Blick entpuppt sich diese Empfehlung als ├Ąu├čerst problematisch. Der Grund: Die moderne Finanzmarkttheorie und die auf ihr aufbauende Finanzindustrie versteht unter Risiko das Schwanken der Aktienkurse: Wenn das Auf und Ab der Kurse von Aktie A geringer ist als das von Aktie B, dann wird Aktie A als risiko├Ąrmer eingestuft als Aktie B. Warum aber sollte man Kursschwankungen mit Risiko gleichsetzen?

Die moderne Finanzmarkttheorie behauptet, dass die Kurse an der B├Ârse stets den ÔÇ×wahren Wert" der Aktien widerspiegeln. Doch diese Idee ist - aufgrund rein logischer ├ťberlegungen - nicht haltbar. Ich will es an dieser Stelle nicht unn├Âtig kompliziert machen und hebe daher nur nachdr├╝cklich hervor: Kursschwankungen an der B├Ârsen sind nicht gleichzusetzen mit dem Risiko, das der langfristige Investor eingeht.

Wenn Sie Geld f├╝r f├╝nf, zehn oder mehr Jahre anlegen, besteht Ihr Risiko nicht darin, dass der Kurs Ihrer Aktie in den kommenden Monaten und Quartalen mal steigt und mal f├Ąllt. Das Risiko kommt vielmehr darin zum Ausdruck, dass Sie einen dauerhaften Kapitalverlust erleiden k├Ânnten; dass also die Gewinn- und Renditeentwicklung des Unternehmens, dessen Aktien sie gekauft haben, hinter den Erwartungen zur├╝ckbleibt.

Genauer: Ihr ÔÇ×wahres" Risiko ist, dass der Wert der Aktie - also die Summe aller abdiskontierten Zahlungen, die ein Unternehmen k├╝nftig erzielt - geringer ausf├Ąllt, als Sie es im Investitionszeitpunkt erwartet haben. Die Konsequenz daraus lautet: Investieren Sie nur in die Aktien, deren k├╝nftige Gewinn- und Renditepotenziale Sie auch hinreichend genau absch├Ątzen k├Ânnen. Mit diesem Grundprinzip verringern sie Ihr Investitionsrisiko!

Der ÔÇ×Streit" um das wahre Risiko ist keine verbale Spitzfindigkeit, ist keine akademische Finger├╝bung. Er hat vielmehr unmittelbare Praxisrelevanz: Wer langfristig anlegt, der sollte sich klarmachen, dass Anlageentscheidungen, die sich an den Kursschwankungen der Aktien - dem popul├Ąren Risikoma├č der Finanzindustrie - orientieren, h├Âchst verlustreich werden k├Ânnen. Ein einfaches Beispiel soll das verdeutlichen.

Schauen wir auf die nachstehende Graphik. Aktie A hat eine moderate positive Rendite, und die Kurse der Aktie weisen ebenso moderate Schwankungen auf. Im Vergleich dazu hat Aktie B eine deutlich h├Âhere Rendite. Der Kurs der Aktie B schwankt allerdings auch deutlich st├Ąrker als der von Aktie A. Frage: In welche Aktie w├╝rden Sie als Langfristinvestor lieber investieren? Vermutlich doch wohl in Aktie B! (Das zumindest ist meine Wahl.)

Die Finanzindustrie konfrontiert Sie jedoch mit dem Risikoma├č ÔÇ×Volatilit├Ąt", eine statistische Gr├Â├če, die auch als Standardabweichung bekannt ist. Nehmen wir an, Aktie A erzielt eine Rendite von f├╝nf Prozent pro Jahr. Die Standardabweichung der Rendite betr├Ągt ebenfalls f├╝nf Prozent. Das bedeutet, dass man damit rechnen muss, dass die Kurse von Aktie A (mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit) zwischen zehn Prozent und null Prozent schwanken.

Die Anh├Ąnger der modernen Finanzmarkttheorie werden Ihnen nun empfehlen, in solche Aktien zu investieren, deren Verh├Ąltnis zwischen Rendite und Risiko m├Âglichst g├╝nstig ausf├Ąllt. Dazu habe man die Rendite der Aktie A durch ihre Standardabweichung zu dividieren, und man erh├Ąlt das ÔÇ×Sharpe-Ma├č". Es betr├Ągt eins (f├╝nf dividiert durch f├╝nf). Nehmen wir an, Rendite und Standardabweichung von Aktie B betragen jeweils 15 Prozent.

Das Sharpe-Ma├č der Aktie B betr├Ągt dann ebenfalls eins. Auf Basis des Sharpe-Ma├čes sind beide Aktien gleich attraktiv. Stiege jedoch die Standardabweichung von Aktie B auf 20 Prozent, fiele ihr Sharpe-Ma├č auf 0,75 (15 geteilt durch 20). In diesem Fall lautet die Empfehlung, in Aktie A zu investieren, nicht aber in Aktie B - schlie├člich ist bei ihr das Verh├Ąltnis zwischen Rendite und Risiko vorteilhafter als bei Aktie B.

F├╝r den Langfristanleger ist das jedoch eine schlechte Empfehlung. Derjenige, der 10.000 Euro in Aktie A investiert, hat nach 15 Jahren 20.789,28 Euro, nach 30 Jahren 43.219,43 Euro. Hingegen hat derjenige, der in Aktie B investiert, nach 15 Jahren 81.370,62 Euro, nach 30 Jahren 662.117,72 Euro. Die Zahlen zeigen unmissverst├Ąndlich, wie teuer es werden kann, wenn man als Investor ein falsches Risikoverst├Ąndnis hat!

Das Auf und Ab an der B├Ârse ist kein Risiko, sondern vielmehr eine Chance f├╝r den Langfristinvestor: Er kann es f├╝r sich nutzen, um eine Aktie dann zu kaufen, wenn ihr B├Ârsenkurs unter ihrem wahren Wert der Aktie liegt. Solche Situationen treten immer mal wieder auf. Wer den wahren Wert der Aktie kennt und Geduld hat, auf die richtigen Gelegenheiten zu warten, hat gute Chancen, langfristig hohe Renditen zu erzielen.

Dieser Beitrag wurde am 26. April 2017 auf WirtschaftsWoche Online ver├Âffentlicht.

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