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INTELLIGENT INVESTIEREN: Die Jagd nach Dividende bringt nicht den erhofften Erfolg

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Reuters Staff / Reuters
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In Zeiten niedriger oder gar negativer Kapitalmarktzinsen lautet der Slogan vieler Anlageberater: „Die Dividenden sind die neuen Zinsen." Damit ist gemeint, dass man in Aktien von Unternehmen investieren soll, die eine hohe Dividende zahlen. Auf diese Weise, so die Idee, gelangt der Anleger in den Genuss der heiß ersehnten Rendite. Doch ist die Jagd nach hoher Dividenden(rendite) wirklich eine sinnvolle Strategie?

Betrachten wir dazu ein einfaches Beispiel. Eine Aktie handelt bei 100 Euro. Nun kĂŒndigt das Unternehmen eine Dividende in Höhe von 4 Euro an. Der Aktienkurs steigt daraufhin auf 104 Euro. Der Anleger kauft zu 104 Euro. Nachdem die Dividende einen Tag nach dem Dividenden-Stichtag gezahlt wird, fĂ€llt der Aktienkurs von 104 wieder auf 100 Euro. Der AktienkĂ€ufer hat - lĂ€sst man verpasste Gelegenheiten außen vor - nichts verdient.

Um die Bedeutung der Dividende zu erkennen, muss man sich zunĂ€chst folgendes verdeutlichen: Macht ein Unternehmen Gewinn, muss es ĂŒber dessen Verwendung entscheiden. Der Gewinn kann einbehalten, oder er kann als Dividende ausgezahlt werden. Er kann aber auch zum RĂŒckkauf eigener Aktien des Unternehmens verwendet werden. Welches der beste Weg ist fĂŒr den AktionĂ€r, hĂ€ngt von den „besonderen UmstĂ€nden" ab.

Was das Unternehmen mit seinem Gewinn macht, ist fĂŒr den AktionĂ€r höchst bedeutsam. Die Rendite, die der AktionĂ€r erwarten kann, setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Dividende und Kurssteigerung. Wann ist eine Dividende sinnvoll? Zum Beispiel dann, wenn ein Unternehmen in reifen MĂ€rkten operiert, in denen die Kapitalrendite sinkt und keine Ersatz- oder Erweiterungsinvestitionen mehr finanziert werden mĂŒssen, um das verbliebene Gewinnpotenzial auszuschöpfen. In diesem Fall ist es am besten, die Gewinne an die AktionĂ€re auszuschĂŒtten, damit diese sie in andere, attraktivere Unternehmen investieren können.

HĂ€ufig ist zu hören, eine Dividende sei gut, weil ohne sie das Unternehmens-Management aufgrund seiner Risikoscheu zu hohe KassenbestĂ€nde aufbaut. Und das wiederum schmĂ€lert die Kapitalrendite des Unternehmens. Macht das Argument Sinn? Nein. Denn in einem solchen Fall sollten die AktionĂ€re vielmehr ĂŒberlegen, ob das Management das passende ist, oder ob es nicht durch ein besseres Management auszutauschen ist.

Wer in Aktien von guten Unternehmen investiert - also in solche, die fĂŒr lange Zeit hohe Kapitalrenditen erzielen und den Gewinn pro Aktie stark steigern können - fĂŒr den sind Dividenden verzichtbar. Ja, der AktionĂ€r solcher Unternehmen wird gar kein Interesse daran haben, dass sein Unternehmen eine Dividende zahlt. Paradebeispiel Amazon: Kurssteigerung seit 2001 bis heute: fast 8000 Prozent, Dividende null.

Man stelle sich ein Unternehmen vor, das eine Eigenkapitalrendite von 20 Prozent erzielt. Stehen dem AktionĂ€r selbst keine vergleichbaren Anlagemöglichkeit offen, ist es fĂŒr ihn vorteilhaft, wenn das Unternehmen keine Dividende zahlt, sondern den Gewinn einbehĂ€lt und in das eigene GeschĂ€ft, das eine Rendite von 20 Prozent bringt, reinvestiert. Auf diese Weise kommt der AktionĂ€r in den Genuss eines Zins- und Zinseszinseffektes.

Der Kapitalwert des Unternehmens steigt im Zeitablauf exponentiell an, entsprechend wird auch der Aktienkurs an der Börse steigen. Denn mittel- bis langfristig folgt der Aktienkurs der Eigenkapitalentwicklung des Unternehmens. Die Kapitalverzinsung, die der AktionĂ€r erzielt, speist sich in diesem Fall ausschließlich aus dem Kapitalzuwachs beziehungsweise dem Kursanstieg der Aktie an der Börse.

Was passiert, wenn das Unternehmen eine Dividende zahlt? Die Dividende wird aus dem bereits versteuerten Gewinn gezahlt - und diese Steuer geht zu Lasten der AktionĂ€re. Auf AktionĂ€rsebene fĂ€llt dann noch die Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent an. Einschließlich Kirchensteuer und SolidaritĂ€tszuschlag ergibt sich eine Steuerbelastung beim AktionĂ€r von insgesamt 28 Prozent auf die erhaltene Dividende.

Hinzu kommt, dass die Dividende den Aktienkurs schmÀlert: Der Kassenbestand des Unternehmens nimmt in Höhe der Dividendenzahlung ab, in gleicher Höhe verringert sich das Eigenkapital. Der Aktienkurs fÀllt niedriger aus im Vergleich zu der Situation, in der das Unternehmen keine Dividende gezahlt, sondern den Betrag in das eigene GeschÀft reinvestiert hÀtte.

Wenn der AktionÀr mit seiner Dividende weitere Aktien seines Unternehmens an der Börse erwirbt, schneidet er schlechter ab als wenn das Unternehmen den Gewinn gleich einbehalten und reinvestiert hÀtte: Der Zins- und Zinseszinseffekt, den er mit seiner Investition erzielen kann, fÀllt aufgrund der Belastung durch Steuern vergleichsweise geringer aus.

Was aber, wenn der Anleger darauf bedacht ist, einen jĂ€hrlichen Zahlungseingang zu verbuchen? Macht es dann aus seiner Sicht nicht doch Sinn, auf Unternehmen zu setzen, die eine möglichst hohe Dividende zahlen? Hinter dieser Überlegung verbirgt sich die Idee: „Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach". Dem Anleger ist die Dividende heute lieber als die Kurssteigerung morgen.

Dem ist entgegenzuhalten, dass ein Unternehmen, das heute eine Dividende zahlt, kĂŒnftig entsprechend weniger Dividenden auszahlen kann (als es könnte, wenn es gegenwĂ€rtig keine Dividende ausschĂŒttet). Hinzu kommt, dass der Börsenkurs der Aktie fĂ€llt, wenn die Dividende gezahlt wird. Kurzum: FĂŒr den AktionĂ€r ist es besser, wenn das Unternehmen den Gewinn einbehĂ€lt, der Aktienkurs dadurch steiler steigt und er bei LiquiditĂ€tsbedarf Aktien verkauft.

Ein Unternehmen kann auch, um den Gewinn an die AktionĂ€re direkt weiterzureichen, eigene Aktien zurĂŒckkaufen. Dadurch nimmt die Anzahl der ausstehenden Aktien ab, der Gewinn pro ausstehende Aktie steigt. FĂŒr sich genommen wird dies den Aktienkurs erhöhen. Ob es sich fĂŒr die AktionĂ€re rechnet, wenn das Unternehmen eigene Aktion zurĂŒckkauft, hĂ€ngt davon ab, zu welchem Preis das Unternehmen die Aktien zurĂŒckkauft.

Werden die Aktien zu einem Kurs gekauft, der ĂŒber ihrem intrinsischen Wert (das ist die Summe aller abdiskontierten kĂŒnftigen Gewinne) liegt, so ist das eine schlechte Investition -eine, die eine geringe oder gar negative Rendite einspielt. Werden die Aktien hingegen zu einem Kurs gekauft, der unter ihrem intrinsischen Wert liegt, macht das Unternehmen ein gutes GeschĂ€ft, steigert seine Kapitalrendite.

Insgesamt lĂ€sst sich somit sagen: Erstens ist es entscheidend fĂŒr den Investmenterfolg, in „großartige Unternehmen" zu investieren. Sie aufzuspĂŒren - und möglichst frĂŒh in ihrem Lebenszyklus in sie zu investieren - muss das Bestreben des Anlegers sein. Und selbst die großartigsten Unternehmen sollten auch nur dann gekauft werden, wenn sie nicht zu teuer sind.

Zweitens ist die Dividende, ob hoch oder niedrig, nicht die zentrale GrĂ¶ĂŸe fĂŒr den Investmenterfolg. Im Gegenteil. Mit der Jagd nach Dividenden(rendite) begibt sich der Anleger auf eine falsche FĂ€hrte: Sie fĂŒhrt ihn nicht (oder nur zufĂ€llig) zu den Aktien, die ihm eine dauerhaft hohe Rendite bringen. Mit anderen Worten: Die Jagd nach Dividende bringt nicht den erhofften Erfolg.

Dieser Beitrag wurde in Àhnlicher Form in der Kolumne INTELLIGENT INVESTIEREN auf WirtschaftsWoche Online am 1. MÀrz 2017 veröffentlicht.

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