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Donald J. Trump und das Zentralbank-Kartell

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
Jonathan Ernst / Reuters
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Wird die US-Zentralbank (Fed) unter Präsident Donald Trump weitermachen können wie bisher? Sie ist die führende Zentralbank der Welt, denn sie hat das Produktionsmonopol für den US-Dollar. Er ist nicht nur das Geld der größten Volkswirtschaft der Welt mit den größten und liquidesten Finanzmärkten.

Der Greenback ist die nach wie vor unangefochtene Weltleitwährung. Viele Währungen sind quasi auf dem US-Dollar aufgebaut. Das Weltgeldsystem ist de facto ein US-Dollar-Standard.

Die Politik der Fed bestimmt mehr denn je die Liquiditäts- und Finanzierungskonditionen auf den globalen Finanzmärkten. Das liegt vor allem auch daran, dass sich die Geschäfte der Großunternehmen und Banken in den letzten Jahrzehnten unter dem Greenback internationalisiert haben. Sie alle brauchen Zugang zu US-Dollar.

Die Zentralbanken haben sich gegenseitige Hilfe zugesichert

In der letzten Krise in den Jahren 2008 und 2009 hat die Fed daher - von der breiten Öffentlichkeit mehr oder weniger unbemerkt - sogenannte „Liquidität-Swap-Abkommen" mit anderen großen Zentralbanken geschlossen. Darin haben die Zentralbanken vereinbart, sich bei Bedarf gegenseitig ihre eigenen Währungen zu leihen. Die Fed würde zum Beispiel der EZB jeden benötigten US-Dollar-Betrag zur Verfügung stellen.

Die US-Dollar kann die EZB dann an strauchelnde Euro-Banken weitergeben, falls diese keine Kredite mehr auf den Märkten erhalten. Damit ist das letzte Kreditausfallrisiko in den Finanzmärkten - und zwar bei Fremdwährungsverbindlichkeiten - ausgeschaltet worden. Das Zentralbankkartell unter Führung der Fed hat es möglich gemacht.

Was ist das Zentralbankkartell? Jede nationale Zentralbank steht einem Kartell der heimischen Banken vor. Erst durch ihre Fähigkeit, jederzeit jede beliebige Geldmenge produzieren und Schieflagen von Banken abwenden zu können, haben die Banken überhaupt erst die Möglichkeit, Geld mit dem Geschäft der „Geldschaffung aus dem Nichts" zu verdienen. Ein ähnliches Arrangement gibt es international.

Die Fed steht dabei einem Kartell nationaler Zentralbanken vor: Sie stellt allen übrigen Zentralbanken bei Bedarf die Weltreservewährung bereit. Das macht es den Banken überhaupt erst möglich, internationale Geschäfte in US-Dollar betreiben zu können.

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Alle großen Zentralbanken der Welt machen mit bei den Liquidität-Swap-Abkommen. Zur Freude des Banken- und Finanzsystems. Auch „Big Business" freut sich über die schützende Hand des Zentralbankkartells. Und nicht zuletzt freuen sich natürlich auch die hochverschuldeten Staaten, die sich jetzt günstiger denn je neue Kredite beschaffen können - und mit ihnen die wachsende Zahl der Netto-Staatsprofiteure.

Das Nachsehen haben die Geldhalter - die Kaufkraft ihrer Ersparnisse schwindet dahin - und natürlich die Netto-Staatsverlierer.

Gerät die Fed in Trumps Visier?

Wenn Trump mit „Make America great again" ernst macht, wird er irgendwann auch den Politikapparat ins Visier nehmen müssen - „Dry the Swamp" (Trockne den Sumpf aus) -, und auch die Fed wird in seinem Zielfernrohr auftauchen. Bereits vor der Wahl Trumps machten Vorschläge die Runde, mit denen die Fed „reformiert" werden soll.

Eine Idee ist, die Fed einer Auskunftspflicht zu unterwerfen („Audit the Fed"). Eine andere Idee hat zum Ziel, den Beliebigkeitsspielraum in der Fed-Geldpolitik einzugrenzen, indem sie ihre Zinspolitik an einer vorab bekannten Formel (wie zum Beispiel der „Taylor-Regel") auszurichten hat.

Trump würde aber auch vor der Frage stehen, was mit dem von der Fed geführten internationalen Zentralbankkartell zu geschehen hat. Man stelle sich nur einmal vor, Trump pfeift die Fed zurück, und die Fed stampft die Liquidität-Swap-Abkommen ein. Fort ist das „Sicherheitsnetz der besonderen Art" in den Kreditmärkten.

Ein Albtraum vor allem für nicht-amerikanische Banken, die günstigen Zugang zum US-Dollar brauchen. Ihre Zinskosten würden steigen. US-Dollar-Schuldner könnten im Extremfall sogar zahlungsunfähig werden, wenn sie ungedeckte US-Dollar-Verbindlichkeiten aufgebaut haben und die eingeschläferten Kreditausfallsorgen mit Wucht zurückkehren.

Der Ausstieg aus dem Abkommen hätte weitreichende Folgen

Die Folgen, die ein Ausstieg der Fed aus den Liquidität-Swap-Abkommen hätte, lassen sich im Grunde im voraus gar nicht abschätzen.

Er hätte durchaus das Zeug, eine neuerliche große Finanz- und Wirtschaftskrise auszulösen, die nicht nur das Ausland, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika selbst treffen könnte. Das Problem ist dabei nicht so sehr, dass der US-Dollar den Status der Weltwährung innehat, sondern dass er seit Ende 2008 von der Fed in einer Weise den Märkten zur Verfügung gestellt wird, die im Grunde der Ausgabe von „Helikoptergeld" schon sehr nahekommt.

Die Fed ermuntert bislang mit ihrem „Bailout" Ausländer, sich in US-Dollar zu verschulden. Und es erfordert eine immer größere Dollar-Vermehrung, um Krisen, die die Fed provoziert, zu entschärfen. Dadurch baut sich eine unheilvolle Dynamik auf, die den US-Dollar entwertet und seinen Weltwährungsstatus untergräbt.

Was kann US-Präsident Trump da machen? Eine Möglichkeit ist, alle anderen wichtigen Währungen auf den US-Dollar zu verschmelzen und so stärkere Kontrolle über die US-Dollar-Vermehrung zu erlangen. Doch diesem „Globalistentraum" einer einheitlichen Weltwährung jagt die Trump-Administration nicht hinterher.

Eine andere Möglichkeit ist, die Fed dazu zu bewegen, aus den Liquidität-Swap-Abkommen auszusteigen. Das Dollar-Sicherheitsnetz wird nach und nach abgebaut, um allzu große Verwerfungen im Weltfinanz- und -wirtschaftssystem zu verhindern.

Rückkehr zum Gold-Dollar

Beide Wege würden aber nur einen Exzess des US-Dollars beenden. Viele andere blieben bestehen. Die einzige Möglichkeit, den US-Dollar wieder auf ein verlässliches Fundament zu stellen, ist, ihn wieder an das Gold zu binden und gleichzeitig einen freien Markt für Geld zuzulassen: also einen Markt zu ermöglichen, in dem jeder Bürger die Freiheit hat, das Geld nachzufragen, das er zu halten wünscht.

Vielleicht ist ja Trump der US-Präsident, der das Zentralbankkartell zerschlägt, indem er diesen Schritt vollzieht.

Es wäre - um mit Neil Armstrong, dem ersten Mondbesucher, zu sprechen - im Grunde nur ein kleiner Schritt für einen Menschen, der bereits US-Präsident ist, aber ein großer Sprung für die Menschheit. Es würde die Weichen neu stellen in Richtung eines besseren Geldes, in den Vereinigten Staaten von Amerika und vielen anderen Ländern auf der Welt.

Dieser Beitrag wurde in ähnlicher Form am 20. Februar 2017 auf Focus Online veröffentlicht.

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