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Parallelwelten - Zwischen Instagram und Snapchat versagt die Orientierung!

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INSTAGRAM
Wachiwit via Getty Images
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Ich bin fast 50, eine Tatsache, die dafür spricht, dass ich weder bei Instagram noch bei Facebook und Co besonders aktiv sein sollte. Die Statistik spricht dagegen und ich gegen die Statistik.

Ich weigere mich strikt, das Feld den Jüngeren zu überlassen und habe einen unbändigen Spaß daran, meinen Insta-kanal jeden Tag mit kleinen Geschichten aus meinem privaten und vor allem beruflichen Alltag zu füllen.

Ich bin kein klassischer Blogger - obwohl ich hier und da auch Texte wie diesen hier veröffentliche, bin ich eher ein Bild-Mensch - schon immer gewesen.
Daher fällt es mir auch leicht, mich bei Insta und Co hineinzudenken und der Faszination der diversen Kanäle zu erliegen.

Was ich allerdings nicht verstehe - und da muss ich deutliche Kritik an meine Altersgenossen üben ist, dass diese fast stillschweigend und kritiklos das Entstehen einer Parallelwelt in ihrem Leben akzeptieren, ohne auch nur den Ansatz eines Versuches zu starten, Social Media zu verstehen.

Wieso Social Media inzwischen so einen extremen Raum in unserem Leben einnimmt scheint einer gesamte Altersgruppe ab Ü-40 nicht zu interessieren!

Fast jeden Tag höre ich inzwischen Äusserungen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis wie folgende:
was machst Du da eigentlich bei Instagram? Wie funktioniert das?
Oder: die spinnen doch alle mit ihren Kanälen zum Thema Schminken oder Lifestyle oder oder oder... Die sind doch völlig drüber... Schwachsinn - mach ich nicht mit usw....

Ich höre mir das jedes mal an und schweige dazu erst mal - wenn ich dann nachfrage, ob sie wissen, was ihre Kids da so glotzen - Schweigen!

Bei einigen ist zumindest mal das Thema „Lochis" in ihre Alltagswelt eingedrungen, weil das Phänomen der singenden Zwillinge inzwischen bis in die klassischen Medien reicht und eine größer werdende Rolle im TV und Radio spielt.

Aber sonst - AHNUNGSLOSIGKEIT und ABLEHNUNG
Ersteres kann ich noch nachvollziehen, denn es braucht Zeit, Musse und Geduld, sich in das Thema reinzuarbeiten, denn das Angebot an Vloggern, Blogger und Youtubern ist so groß, dass es einem den Atem raubt.

Zählt man dann noch die Influencer auf Instagram und Co dazu, wird es für die Meisten viel zu viel.

Zweiteres, nämlich Ablehnung - kann ich allerdings überhaupt nicht nachvollziehen und es erschrickt mich, wie gleichgültig meine Generation mit diesem Thema umgeht.
Denn noch nie gab es so einen großen medialen Bruch durch die Generationen wie heute.

Eltern wissen nicht mehr, was ihre Kids und Jugendlichen schauen und machen, Ältere Erwachsene haben keine Ahnung, dass ganze Informationsströme, Meinungen, gesellschaftliche Umbrüche, Modestile, Musiktrends nicht mehr durch die klassischen Medien verbreitet werden, sondern ausschließlich in den Sozialen Netzwerken stattfinden.

Den Versuch, Youtubestars wie Shirin David ins TV zu holen gelingen nur bedingt, denn mindesten 50% der Zuschauer kenne diese junge Frau nicht und die jüngeren bleiben ihrem Medium Youtube treu.

Die älteren machen sich oftmals nicht mal die Mühe, sich die Kanäle oder Beiträge der Blogger und Vlogger im Netz anzusehen, geschweige denn mal nach der Dame zu googlen...

Aber woran liegt das, frage ich mich? Wieso weigert sich die Generation Ü40 fast stoisch, sich auf diese inzwischen alltäglichen Kommunikationskanäle einzulassen? Was ist es, dass es den „Alten" unter uns so schwer macht, sich auf die Reise in diese Parallelwelt zu begeben?

Der Versuch einer Antwort:
Wir Ü40er haben es schlicht nicht gelernt, aktiv unsere Auswahl in den Medien zu treffen. Dieses nonlineare Angebot, das im Netz herrscht, ist für viele die totale Überforderung und macht Angst.

Diese Selbstbestimmung nach dem zu suchen, was ich sehen und wissen will überfordert die Alten unter uns!

Saßen wir noch mit unseren Eltern Samstags um 20:15 Uhr vor der Glotze und warteten zuverlässig darauf, dass „Wetten dass" beginnt und unser geliebter, zuverlässiger Unterhaltungsbrei abgespult wurde, gibt es diese klar strukturierte Sicherheit im Social Web scheinbar nicht mehr!

Doch so stimmt das nicht. Denn der Erfolg und der Garant von Kanälen auf You-Tube Instagram und Co besticht allein durch seine unerbittliche Kontinuität. Je regelmässiger Inhalte gepostet werden um so erfolgreicher werden die Kanäle über kurz oder lang. Themenübergreifend. Dass Agenturen und Marketingspezialisten auch hier inzwischen extrem eingreifen ist eine Sache - aber ohne funktionierende Inhalte und Persönlichkeiten, die unsere Kids erreichen - gehts eben auch nicht! Auch nicht im Web 4.0

Niemand verlang von einem Privatmensch einen Facebookkanal oder ein Youtubechannel zu gründen - es geht auch nicht darum, diese Medienlandschaft aktiv mitzugestalten.
Aber verstehen, damit arbeiten lernen und in den Alltag integrieren - das ist zwingend notwendig, denn es wird die Zeit kommen, da wird es die meisten Infos nur noch über diese Form von Kanälen geben, da werden unser Kinder von Dingen und Phänomene sprechen, von denen wir noch nie etwas gehört haben.

Social Media ist Alltag geworden, genau wie das Telefon, das Radio oder das TV Einzug in unseren Alltag gehalten hat, müssen wir akzeptieren, dass sich das Rad Social Web nicht mehr zurückdrehen wird - ganz im Gegenteil - es bewegt sich immer schneller und unerbittlicher und nimmt einen immer größer werdenden Raum ein. Daher verstehe ich nicht, wieso so viele Menschen meines Alters die Augen davor verschließen.

Pinterest, der Kanal auch für die Ollen

Bei Pinterest allerdings tummeln sie sich, die Ü30 und Ü40 Mamis und Daddies, hier fühlen sie sich wohler, denn hier wird massenweise mein Hobby bedient und täglich kommen neue Infos rund ums Thema stricken, gärtnern, angeln, grillen usw. dazu - das versteht der Alte, in Häppchen und wie in einem klassischen Katalog, kann ich mir meine Welt zusammenstellen und mich bedienen lassen.

Ich bin froh darüber, dass das gelingt, denn es zeigt, dass der richtige Kanal auch das richtige Alter erreichen kann.

Unseren Kinder allerdings den Zugang zu den sozialen Medien zu verwehren, wäre so fatal, wie uns damals ein generelles TV verbot auszusprechen.

Haben wir nicht alle am anderen Morgen auf dem Schulhof über Flipper, Raumschiff Enterprise oder Ein Colt für alle Fälle gesprochen und geschwärmt.
Wie schlimm für den, der es nicht sehen durfte.

Heute ist es so mit Youtube, Insta und Co. Ein Heranführen in diese Welt ist wichtig und lernen, damit normal umzugehen ebenso. Aber was wollen Sie ihren Kindern auf diesem Gebiet beibringen, wenn Sie selbst überhaupt keine Kompetenz auf dem Gebiet erworben haben: NICHTS - und das ist das erschreckende daran!

Thorsten Levin

Social Media Berater
Instagram: Yoursocializer
Youtube: Yoursocializer
Facebook: Yoursocializer

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