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Thomas Sillmann Headshot

Hallo, mein Name ist Thomas, und ich bin Pokémon GO-Spieler

Veröffentlicht: Aktualisiert:
POKEMON GO
Jose Cabezas / Reuters
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Hallo, mein Name ist Thomas, und ich bin Pokémon GO-Spieler - (ihr: „Hallo, Thomas!"). Ja, es ist wahr. Ich bin Pokémon GO-Spieler. Wirklich - (erstauntes Aufstöhnen in der Menge). Ich habe bereits mehrere Stunden in der virtuellen Welt verbracht und dabei schon einige dieser süßen wuseligen kleinen Dinger gefangen. Ich habe einfach zu Gelegenheiten, bei denen ich sowieso zu Fuß unterwegs war, mein iPhone gezückt und ein bisschen nach Pokémon Ausschau gehalten.

Ich dachte mir nichts dabei, ehrlich. Es hörte sich nach einer lustigen und spaßigen Idee an. Und tatsächlich war es lustig und spaßig. Besonders dann, wenn ich abends zusammen mit meiner Frau einfach noch ein wenig gemeinsam durch die Gegend flanierte und wir es auf kindliche Art und Weise genossen, den kleinen Monstern unserer Jugendtage in der wirklichen Welt nachzujagen.

Heute aber weiß ich, wie falsch ich lag. Facebook und Co. haben es mir gezeigt. So viele intelligente und gebildete Menschen wollen Spielern wie mir helfen. Sie zeigen auf vollkommen sachliche Art und Weise, dass Pokémon GO-Spieler allesamt dumm sind! Und das sie ihre Umgebung und insbesondere den Verkehr nicht mehr wahrnehmen; Gott, das ist so schrecklich! Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich für mich und mein ungezügeltes und selbstverliebtes Verhalten schäme.

Kunstpause.

Wir Pokémon Go-Spieler sind das echte Problem

Nun weiß ich aber, dass alle Pokémon GO-Spieler rücksichtslos und ohne auf ihre Mitmenschen zu achten wild kreischend durch die Gegend rennen und nur daran interessiert sind, Schaden anzurichten. Sie verstören die gehobene und gebildete Gesellschaft, die allesamt ob der dummen und kleingeistigen Pokémon GO-Spieler nur verschämt mit dem Kopf schütteln kann. Was sind schon WhatsApp oder Facebook? Was ist schon eine Navigation zu Fuß mittels Navi?

Was sind schon Autofahrer, die mit dem Handy am Ohr telefonieren? Was sind schon Smartphone-Nutzer, die unterwegs ihre Mails checken, eine Präsentation prüfen, im Web surfen oder Clash of Clans spielen und dabei die gesamte Zeit über gebannt aufs Display starren? Nein, nein, wir Pokémon GO-Spieler sind das Problem!

Bejahende Zustimmung aus der Menge.

Nur wir, die wir durch die Gegend streifen, gemeinsam lachen, uns zu Touren verabreden und die Welt erkunden wollen auf der Suche nach lustigen Digitalwesen: Wir sind das Geschwür dieser Gesellschaft, und all jene, die in den sozialen Netzwerken mit ihren sachlichen und professionellen Kommentaren uns auf unser Fehlverhalten hinweisen, sind die Retter, die diese Welt braucht!

Wir dürfen nicht länger zulassen, dass ein Spiel wie Pokémon GO unser Verhalten lenkt; wir brauchen wieder mehr Apps wie Facebook und WhatsApp, auf die wir uns unterwegs  -  wie bereits seit Jahren!  -  konzentrieren können!

Ein erste Jubeln in den Reihen.

Lasst uns heute noch alle feierlich Pokémon GO deinstallieren und endlich wieder mehr Facebook und WhatsApp nutzen, während wir unterwegs auf dem Rad oder im Auto feierlich telefonieren! Lasst uns zurückkehren zu der Zeit vor Pokémon GO!

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Schließen wir uns all den schlauen und gebildeten Experten in den sozialen Netzwerken an, die uns  - natürlich weder beleidigend noch herablassend oder arrogant  -  ständig und in schier missionarischer Starsinnigkeit auf unser Fehlverhalten aufmerksam machen! Setzen wir ein Zeichen! Machen wir die Welt wieder zu einem besseren Ort! Einem Ort, den nur die Elite des digitalen Zeitalters begriffen hat!

Tobender Applaus, eine kreischende Menge, eine Verneigung meinerseits, Ende.

Anmerkung des Autors:

Hey, noch hier? Cool! Dann hab ich noch eine kurze Info für dich: Morgen folgt noch ein zusätzlicher Nachtrag hierzu; ihr glaubt gar nicht, was ich seit dem Wochenende noch alles dazu erzählen kann und was für jämmerliche Lächerlichkeiten ich mir sowohl am Rande als auch persönlich von unserer gebildeten und feinfühligen Gesellschaft anhören durfte (dieser Beitrag entstand nämlich bereits am Samstagmorgen. Wer übrigens Ironie gefunden hat, der... jo, der lag richtig.

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