BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Thomas Silberhorn Headshot

Besser steuern mit weniger Steuern

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TAX
Drazen_ via Getty Images
Drucken

Je höher die Steuereinnahmen sprudeln, desto länger werden die Wunschzettel zur Bundestagswahl. Doch statt immer neuer Leistungsversprechen ist Umsteuern angesagt.

Die Deutschen zahlen schon heute deutlich höhere Steuern und Abgaben als im OECD-Durchschnitt. Die höchste Belastung von 48 Prozent fällt bei Jahreseinkommen zwischen 40.000 und 80.000 Euro an. Der Spitzensteuersatz greift bereits beim eineinhalbfachen Durchschnittseinkommen ab etwa 54.000 Euro. Da tut Entlastung Not.

2017-06-06-1496766201-4416038-BundesregierungBergmann2.jpg

Das deutsche Steuersystem ist außerdem endemisch kompliziert, teilweise leistungsfeindlich und zu wenig auf Zukunft ausgerichtet. Es braucht eine bessere Steuerung bei Einkommen- wie Unternehmenssteuern.

Eine Steuerreform muss daher auch Anreize zu Verhaltensänderungen bei Bürgern und Betrieben setzen. Sie muss dazu beitragen, unsere Gesellschaft fit für morgen zu machen.

In der Großen Koalition haben CDU und CSU immerhin erreicht, dass Steuern nicht erhöht und keine neuen Schulden aufgenommen wurden. Die Konsolidierung der Staatsfinanzen seit der globalen Finanzkrise 2008/09 ist europaweit vorbildlich und bleibt unverzichtbar.

Aber viel mehr war nicht drin. Steuerentlastungen waren - von der Anhebung des Grundfreibetrags bei der Einkommensteuer abgesehen - mit der SPD ebenso wenig machbar wie die Tilgung von Altschulden.

Es wird Zeit für eine spürbare Entlastung

In der kommenden Legislaturperiode wird es daher Zeit für spürbare Entlastungen und für gezielte Leistungsanreize. Im Mittelpunkt müssen dabei die Bezieher mittlerer Einkommen, Familien mit Kindern und Unternehmen stehen. Sie tragen zu einem wesentlichen Teil die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in unserem Land.

1. Einfacher wird es, wenn die Werbungskostenpauschale erhöht wird. Viele Arbeitnehmer liegen bereits mit ihren Fahrtkosten über der Pauschale von 1.000 Euro und müssen alle beruflich bedingten Ausgaben einzeln nachweisen.

2. Gerechter geht es zu, wenn der Verlauf des Einkommensteuertarifs abgeflacht und der Spitzensteuersatz erst ab 60.000 Euro Jahreseinkommen erhoben wird.

3. Der Kinderfreibetrag sollte auf die Höhe des Grundfreibetrags für Erwachsene angehoben, das Kindergeld entsprechend erhöht werden. Die Steuerklassen sollten neu geordnet werden, um Beschäftigungsbremsen zu lockern, die insbesondere Frauen treffen.

4. Der Solidaritätszuschlag muss schrittweise auslaufen. Wenn die Renten in Ost und West bis 2025 angeglichen werden, was der Bundestag soeben beschlossen hat, ist auch für diese Ergänzungsabgabe kein Platz mehr. Finanzierungsbedarfe müssen dann aus allgemeinen Steuermitteln gedeckt werden.

5. Der Bund muss den Einstieg in die steuerliche Förderung von unternehmensfinanzierter Forschung angehen. Denn Kreativität bringt Innovation, Innovation bringt Investition und Investition bringt Beschäftigung. Kleinen und mittleren Unternehmen sowie Existenzgründern sollte dabei besonderes Augenmerk geschenkt werden.

Angesichts historisch niedriger Zinsen und Rekordsteuereinnahmen in Deutschland war der Spielraum für eine Steuerreform, die diesen Namen verdient, wohl noch nie so groß.

Ein Mix an Entlastungen und Leistungsanreizen wird sich nicht zuletzt positiv auf die konjunkturelle Entwicklung auswirken. Mehr Dynamik bei Konsum und Investitionen führt schließlich zu weiteren Steuereinnahmen.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.