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Die Hauptstadt der Kinderarmut: In Berlin entscheidet allein der Geldbeutel über den Erfolg eines Kindes

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LITTLE KID IN SCHOOL
Saklakova via Getty Images
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Berlin ist die Hauptstadt von Hartz IV, Obdachlosigkeit, Suppenküchen und Kinderarmut. Die Rezepte der angeblich sozialen Parteien, die hier seit langem regieren, haben offensichtlich versagt.

Die Hauptstadt ist nicht gerechter und sozialer als der Rest der Republik - im Gegenteil.

Alle Kinder sollten die gleichen Chancen auf ein gutes Leben haben

Es ist daher an der Zeit die alten Rezepte sozialistischer Parteien ad acta zu legen und neu zu denken. Es muss der Anspruch einer Gesellschaft sein, dass alle Kinder die besten und gleichen Chancen auf ein gutes und erfolgreiches Leben haben.

Es wird wohl nie umfassende Chancengleichheit geben, aber Chancengerechtigkeit muss das Ziel sein, damit Fleiß und Talent über den Erfolg im Leben entscheiden und nicht der Geldbeutel der Eltern.

Dazu ist es notwendig, die Politik statt den Mangel in allen Bereichen (Arbeit, Wohnen, Bildung, Verkehr) immer aufwändiger zu verwalten, die Struktur grundlegend und im Vorfeld verbessert wird, damit die Zukunft der Kinder nicht schon im Elternhaus endet.

Mehr zum Thema: Chancengleichheit statt sozialpolitischer Gießkanne

Schülerinnen und Schüler müssen richtig gefördert werden

Die Schule muss zum Bildungserfolg führen, denn eine gute (Aus)Bildung sorgt für bessere Beschäftigungsmöglichkeiten und höhere Einkommen im Leben. Stattdessen hat Berlin das niedrigste Niveau beim Wissen und Spitzenwerte nur beim Schulschwänzen und -abbrechern. Gerade in Berlin hängt der Bildungserfolg am stärksten vom Elternhaus ab - dies ist weder sozial noch gut für den Fortschritt der Gesellschaft.

Der wichtigste Rohstoff für die digitalisierte Zukunft ist das Bildungsniveau seiner Jugend und dieses leidet unter der fehlgeleiteten Schulpolitik der SPD. Berlin braucht keine immer neue ideologischen Feldversuche auf dem Rücken von Kindern und Eltern, sondern verlässliche, modernen Unterricht mit ausreichenden Lehrkräften, die die Schülerinnen und Schüler fordern und fördern.

Wir brauchen mehr Wohnungen für alle Einkommensgruppen

Es braucht zudem eine aktive Wirtschaftspolitik, die neue Arbeitsplätze für die wachsende Stadt schafft; für alle Ausbildungsniveaus und nicht nur in hippen Start-ups und Existenzgründungen. Es braucht in Berlin eine investorenfreundliche Politik, die uns beim weltweiten Wettbewerb um neue Arbeitsplätze nach vorne bringt. Nur echte Jobs in erfolgreichen Unternehmen schaffen Zukunft für Familien statt Hartz IV-Karrieren, denn Transfereinkommen kosten Steuergelder und bieten keine echte Befriedigung und Sicherheit.

Es müssen für alle Einkommensgruppen mehr Wohnungen gebaut werden; von privaten Investoren und städtischen Wohnungsbaugesellschaften statt Investorenfeindlichkeit und subventioniertem Wohnungsbau. Beim rotrotgrünen Senat sinken die Genehmigungszahlen für Neubauten immer weiter.

Dafür behindert die Regierung Investoren auf allen Ebenen und kümmert sich um den weiteren Ausbau von Privilegien einer kleinen Gruppe im sozialen Wohnungsbau. Gegen Wohnungsnot und steigende Mieten hilft nur Bauen, Bauen, Bauen.

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Bisher schaffen es die bestehenden Angebote nicht, das Armutsrisiko zu verringern

Gerade Alleinerziehende sind auf gute und flexible Kinderbetreuung angewiesen, damit der (Wieder)Einstieg in eine Berufstätigkeit nicht an fehlenden Angeboten scheitert.

Bisher berücksichtigen die Angebote die Realität der modernen Arbeitswelt oft noch zu wenig - es braucht flexible Öffnungszeiten und 24-Stunden-Kitas, denn nicht jeder Mutter und jedem Vater ist mit starren Betriebszeiten von 07 bis 16 Uhr gedient.

Auch die Verwaltung muss durch ihr Handeln das Risiko von Armut verringern. Wenn es über acht Wochen dauert, bis junge Eltern die Geburtsurkunde bekommen, sind das acht Wochen zu viel bis zum ersten Kindergeld. So ließe sich eine Notlage schon kurz nach der Geburt verhindern.

Armut hat auch etwas mit Kultur zutun

Eine weitere Aufgabe der Verwaltung ist es, die Unterstützungsgelder sinnvoller und effektiver zu verwenden. Wenn in Berlin ein gutes Drittel der Aufwendungen im „Bildungs- und Teilhabepaket" für interne Verwaltungskosten drauf gehen, stimmt im System dieses Bundesgesetzes etwas grundsätzlich nicht. Unterstützung muss verwandt werden, um eine Notlage zu beheben und nicht um Bürokratie zu betreiben.

Mehr zum Thema: AfD-Politiker aus Sachsen-Anhalt will mit deutscher Tradition werben - und beleidigt ein ganzes Bundesland

Es ist wichtig, Mittel gezielt einzusetzen und den Nutzen zu kontrollieren, da Armut nicht nur eine ökonomische Seite hat. Es geht auch um den Zugang zu Bildung und Kultur. Wenn das Freizeitverhalten von Kindern - Lesen und Museum hier und Trash-TV dort - eine gesellschaftliche Zäsur darstellen, läuft etwas grundlegend schief.

Damit verlässt das Thema die politische Ebene, hier geht es um das Zusammenleben in der Familie. Das Eltern ihren Kinder möglichst früh Geschichten vorlesen, ist dank der Stadtbibliotheken keine Frage der ökonomischen Basis.

Hier liegt eine Verantwortung der Eltern für die Zukunft ihrer Kinder, die Staat und Gesellschaft den Erziehungsberechtigten und Erziehungsverpflichteten nicht abnehmen können und auch nicht sollen.

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