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Deutsche Bank HV - Wutaktionäre und das Leiden aus Leidenschaft

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shironosov via Getty Images
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Aktionär der Deutschen Bank zu sein, ist längst keine Prestigeangelegenheit mehr. Es ist eher ein Leiden aus Leidenschaft, um den Claim der Deutschen Bank „Leistung aus Leidenschaft" zu bemühen. Brave Anleger mutieren da zu Wutaktionären. Wer will es ihnen verdenken: 2007 notierte die Aktie der Deutschen Bank noch bei knapp 120 Euro. Inzwischen ist sie zeitweise auf 13 Euro abgesackt. Das ist ein stolzes Minus von 90(!) Prozent.

Die Dividende: gestrichen. Ergebnis 2015: ein Minus von 6,8 Milliarden Euro. Seit der Finanzkrise hat sich die Bank am Markt über Kapitalerhöhungen 21,7 Milliarden Euro besorgt. Aktuell beträgt der Börsenwert der Deutschen Bank 20,6 Milliarden Euro, also weniger als die durch die Kapitalerhöhungen eingenommene Summe. Zudem schiebt die Deutsche Bank [oder ist es doch eher ein Hedgefonds] noch ein nominales außerbörsliches Derivateportfolio mit dem sagenhaften Volumen von 52 Billionen(!) Euro [laut Geschäftsbericht von 2015] vor sich her, in dem noch das ein oder andere Risiko schlummern könnte.

Ende März war die Deutsche Bank noch 7.800 Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Seit 2011 hat die Bank 9,933 Milliarden Euro für Prozesse ausgegeben, 2015 waren es allein 3,965 Milliarden Euro. 1,2 Milliarden Euro Aktionärsvermögen wurden in den zurückliegenden 4 Jahren für Anwälte und für externe Berater ausgegeben. 2016 dürfte es so weitergehen. Die Deutsche Bank hat bereits 5,4 Milliarden Euro Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten gebildet - und nochmal 2,1 Milliarden Euro für Eventualverbindlichkeiten. Vorstand John Cryan hält das übrigens für „inakzeptabel". Aktionäre bestimmt auch.

Aufsichtsrat Paul Achleitner sagt: „Deshalb stehe ich heute hier und würde mich auch wieder hier hinstellen, wenn dieses Jahr eine Wiederwahl anstünde." Für so manchen Aktionär mag das wie eine Drohung klingen. Für seine „Aufsicht" hat Achleitner laut Geschäftsbericht im Jahr 2015 einen Betrag (fix) von 808.333 Euro bekommen. Hinzu kamen noch virtuelle Aktienanteile und für seine Repräsentationsaufgaben 203.000 Euro plus 233.867 Euro Aufwandsentschädigung plus Sicherheits- und Fahrdienst. Bitte tu's nicht, die Sache mit der Wiederwahl, fleht nun vermutlich so mancher Wutaktionär im Stillen.

Dafür, dass die Deutsche Bank zeitweise kurz vor der Pleite zu stehen schien [der Bundesfinanzminister sprach sein Vertrauen aus] ist das sehr viel Geld. Man könnte nach den Ereignissen im vergangenen Jahr den Eindruck gewinnen, dass es ohne diese Aufsicht besser bei der Deutschen Bank laufen würde. Gewerkschafter Frank Bsirske bekam übrigens 250.000 Euro für seine „Aufsicht".

Insgesamt gab es bei der Deutschen Bank im vergangenen Jahr 756 Einkommsmillionäre. 20 bekamen mehr als 5 Millionen Euro und zwei mehr als 10 Millionen Euro. Es sei ihnen gegönnt, wenn auch der Aktienkurs passen würde. Wenigsten ist Achleitner mit einer Einführung seines Extra-Boni-Systems für Vorstände auf der Hauptversammlung gescheitert. Das ist zwar nicht bindend, aber doch ein Signal. Aktionäre werden sich wundern, ob es gerade nichts wichtigeres bei der Deutschen Bank gibt, als über Boni nachzudenken - für Achleitner offenbar nicht.

Man kann nur hoffen, dass die Deutsche Bank noch so viel Substanz hat, dass sie es verkraftet, gegebenenfalls auch von Managern mit selektiver Wahrnehmung geführt zu werden. Skeptisch stimmt der Rücktritt von Chefaufklärer Georg Thoma, auch die Art und Weise, wie er sich vollzog. Zudem bleibt unklar, warum er ging. Etwas Hoffnung macht der neue Chef Cryan, der vergessene Tugenden der Deutschen Bank bemüht: Fleiß, Ehrlichkeit, Vertrauen und Gründlichkeit. Hinzufügen möchte man noch: Bescheidenheit.

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