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Für Schulz wird es eng: Die SPD frisst ihre Vorsitzenden in Windeseile

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MARTIN SCHULZ
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Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein ist ein signalrotes Warnsignal an die SPD. Diese Partei sollte endlich erkennen, dass sie ein Problem mit mächtigen Männern hat. Sie vierteilt und frisst ihre Vorsitzenden in Windeseile:

Mystische Verehrung, Absturz, Enttäuschung, Kopf ab! Sigmar Gabriel wusste, warum er sich lieber selbst degradierte und als Außenminister weitermachte, als sich als Bundesvorsitzender weiter demontieren zu lassen.

Martin Schulz muss nun vor der nahezu sicheren politischen Guillotine noch den Bundestagswahlkampf über sich ergehen lassen. Sankt Martin ist sehr gut darin, die sozialdemokratische Seele zu streicheln. Aber schaut man hinter die ganze schwadronierende Phrasendrescherei, bleibt bislang erstaunlich wenig übrig.

Mehr zum Thema: Ein Wahlkampfstratege erklärt, was Martin Schulz tun müsste, um Bundeskanzler zu werden

Das haben die Wähler offenbar genauer erkannt als die SPD. Nun weht nicht nur von der Saar, sondern auch von der Kieler Förde kräftiger Gegenwind auf den Schulz-Zug. Und er bewegt sich rückwärts - samt der Linken, mit denen Schulz immer geliebäugelt hat.

Die Linke hat in Schleswig-Holstein den Einzug in den Landtag verpasst. Bei der französischen Präsidentschaftswahl hat sie es in Deutschland nicht einmal geschafft, sich geschlossen gegen eine Wahl von Marine Le Pen auszusprechen (mit Ausnahme Gregor Gysis, dessen eloquentes Wesen seit Jahren den Blick auf den wahren Zustand dieser Partei verstellt).

Schulz-Zug schrumpft zwischen Merkel und Wagenknecht

Damit unterschreiten die deutschen Sozialisten Mindestansprüche, die die große Mehrheit in diesem Land an eine Regierungspartei im Bund stellt.

Natürlich hat die SPD das Problem, dass die Bundeskanzlerin von der CDU selbst am liebsten sozialdemokratische Politik macht. Im Sandwich zwischen Merkel und Wagenknecht schrumpft der Schulz-Zug auf Märklin-Niveau. Er fährt jetzt nach Nordrhein-Westfalen und hofft dort auf Kraft. Enden wird es mit Kraftausdrücken.

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Die Kieler Wahl zeigt aber noch einen weiteren Trend. Die FDP (auf gutem Weg!) und die Grünen können sich jetzt aussuchen, ob sie lieber mit SPD oder CDU regieren wollen. Das hat Schwarz-Grün in Hessen möglich gemacht. Und ob Jamaika oder Ampel: beides ist mit weitem Abstand besser als lähmende Große Koalitionen.

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