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Mauern sind keine Lösung

26/11/2015 12:20 CET | Aktualisiert 26/11/2016 11:12 CET
Thomas Riesen

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Wenn wir dem Fluss der Probleme Steine in den Weg legen, fliessen sie links oder rechts vorbei und später darüber hinweg. Selbst eine Staumauer muss von Zeit zu Zeit vom Druck entlastet werden. Probleme und Konflikte sind Teil des Lebens, sie müssen offen gelöst werden.

Aber wenn es ernst gilt, vergessen wir das gerne - zum Beispiel bei Flüchtlingen oder Terroristen. Wir werden von der aufgeklärten Gesellschaft zu Neandertalern und viele schreien wieder nach Mauern.

Kein Erfolgsbeispiel

Die Suche nach Mauern, welche ein Erfolg waren, blieb erfolglos: Die DDR gibt es nicht mehr, die Maginot-Linie war eine ausgesprochene Pleite, der Frieden am Limes beruhte auf Handel, der Hadrianswall wurde immer wieder überrannt und der Aufwand für die Römer so gross, dass sie ihn aufgaben.

Die chinesische Mauer, deren Erbauung das Land an den Rand des wirtschaftlichen Ruins führte, war auf Dauer ebenfalls kein Erfolg. Fasst man zusammen, warum sie erbaut wurden, lautet die Antwort: Angst und Ratlosigkeit. Wer Mauern fordert, gesteht die Niederlage ein. Er schliesst andere aus, sich ein und verschliesst sich der Lösung.

Vom Igel zur Flunder...

Bezogen auf die Schweiz spricht man aus Tradition vom „einigeln ins Reduit". Das war doch schon einmal ein Erfolg, als in Deutschland ein gewisser Hitler an der Macht war? Historiker schliessen allerdings nicht aus, dass der Erfolg eher an der intensiven, wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den Nazis lag - die erst auf Druck der Allierten beendet wurde. Beispielsweise ein paar verirrte Bomben auf Schaffhausen.

Was passiert wenn ein Igel sich auf die Strasse verirrt und ein Auto daherkommt? Er igelt sich ein und ist dann so platt wie die Flunder. Ob einigeln in der globalen Welt eine Strategie mit Perspektiven ist, muss angezweifelt werden.

Ursachen hinterfragen

Wenn ein Problem auftaucht, steht die Frage nach dem „warum" im Vordergrund. Oft liessen Könige Kuriere köpfen, weil ihnen die Botschaft nicht gefiel. Am Inhalt änderte das nichts. Wer mit Worten auf Flüchtlinge zielt, schiesst auf Auswirkungen.Wir müssen uns fragen, was die Ursachen sind, warum die Menschen ihr Leben riskieren, mit einem Seelenverkäufer das Meer überqueren - und in Europa auf eine bessere Zukunft hoffen.

Die Gründe sind Krieg und fehlende wirtschaftliche oder soziale Perspektiven. Die Ursachen gilt es zu beheben. Aber dafür braucht es die Selbsterkenntnis, dass im Namen von Religion, Politik und Wirtschaft sehr viel schief gelaufen ist.

Tote und Flüchtlinge als PR-Instrument

Erschwerend kommt der Terrorismus dazu. Die Anschläge von Paris sind ein Tragödie. Es gibt keine Worte, um den Schmerz der Hinterbliebenen auszudrücken. Nicht weniger erschreckend ist, wie die Opfer für eigene Interessen instrumentalisiert werden. Das war bereits bei den Flüchtlingen so. Ganze Wahlkampf-Kampagnen wurden mit ihnen „befeuert".

Parteien und Politiker nutzen nun die Toten als PR-Instrument und ein grosser Teil der Wählerschaft folgt ihnen, blind vor Angst, ohne zu denken. Stattdessen sollten wir fragen, warum jemand bereit ist, sich und andere in die Luft zu sprengen. Menschen werden nicht als Terroristen geboren, sie werden zu Terroristen gemacht. Und diese Ursachen sind längst erforscht.

Gegenseitige Vorurteile ablegen

In der Situation hilft nur ein Rezept: Jene Kräfte die an einem friedlichen Zusammenleben interessiert sind, müssen zusammenarbeiten. Sie müssen gegenseitige Vorurteile ablegen und bereit sein, sich selber kritisch zu hinterfragen - und ihr Verhalten zu ändern. Schonungslos und ehrlich.

Das bedeutet unter Umständen auch Verzicht, denn die Völkerwanderung ist nicht mehr aufzuhalten. Damit sind Christen und Muslime angesprochen, Parteien, Politiker und Wirtschaftsführer. Sie alle sind Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung - wenn sie nur wollen...

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