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Zehn Regeln für den "glücklichen Studenten"

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HAPPY STUDENTS
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Studieren und ein Empfinden für Glück sind oft nahe beieinander. Die "schönste Zeit des Lebens", oft die unbeschwerteste, sollte positive Gefühle in die Seele zaubern.

"Alles mitnehmen was geht"

1. Die Grundregel für ein glückliches Studium heißt: "Alles mitnehmen was geht". Und das ist kein kleptomanischer Rat, sondern die Einladung, mit offenen Augen, engagiertem Wissensdurst und interessiertem Herzen die Chancen des Studiums - sozialiter, akademisch und kulturell - optimal zu nutzen.

Das Studium hat heutzutage oft einen internationalen "Schlag" und kann von daher meist den Wunsch auf kulturelle Horizonterweiterung bedienen; und neben den Auslandsaufenthalten/-praktika etc. liefern die Angebote von Studium fundamentale oder generale sowie Gastvorträge bzw.

Sondervorlesungen einen herrlichen Blick über den Tellerrand des eigenen Fachs hinaus - und damit spannende, horizonterweiternde Themen. Doch nur derjenige, der diese Optionen auch nutzt und sich interkulturell fortbildet, einlässt und vernetzt, kann davon auch wirklich profitieren.

Struktur und Selbstdisziplin

2. Studieren ist eine attraktive Erfahrung, wenn man seinen persönlichen Wissensdurst mit Disziplin, Leistungsbereitschaft und akribischem Arbeiten verbindet. Ein sinnvolles "work ethos" gilt es früh zu entwickeln.

Strukturierte Arbeitshaltung ist oft die Grundlage langfristigen Erfolgs. Ein hohes Lied auf den fokussierten, intellektuell redlichen sowie vom Arbeitsethos her alphabetisierten Studierenden sei hier angestimmt.

3. Das Studentenleben hat meist eine gewisse Schlagseite zum Faulenzen - wenn man nicht frühzeitig einen Riegel vorschiebt. Die kleinen Routinen schaffen oft große Ergebnisse.

4. Man sollte im Studium neben dem Besuch fachfremder Veranstaltungen oder Sondervorlesungen auch an Sprachkurse und Praktika denken. Diese Zusatzkompetenzen bieten häufig den entscheidenden Kick für künftige Bewerbungen. Und warum nicht einmal einen Workshop bei einem großen Consultingunternehmen ins Studium mit einbauen!?

5. Sommerkurse/Summer Courses/Summer Sessions: Eine tolle Möglichkeit, sich in anderen Ländern mit Studierenden verschiedener Nationen für mehrere Wochen thematisch fortzubilden.

Oft ergibt es Sinn, eine solche Kurswahl komplementär zum eigentlichen Studium anzulegen, neue Kompetenzen zu entwickeln und vielleicht auch kreative Ideen. Interessant etwa die Angebote von Berkeley, Oxford und Stanford.

Eine Zeit lang im Ausland leben

6. Auslandsstudium: generell ist es wertvoll, neue Kulturen und fremde akademische Welten zu entziffern und die Learning daraus in die Heimat mitzunehmen. Das ist von unschätzbarem Wert! Warum nicht frühzeitig ein Auslandssemester planen, Optionen sondieren - oder von vornherein in einem Mehrländermodell zu studieren.

Fantastisch ist etwa das Angebot des sog. World Bachelor (Universität Bocconi plus zwei weitere Top-Adressen, Vierjahresstudium auf drei Kontinenten), oder auch der noch recht junge Bachelor der ESCP. Oder man studiert an einer Adresse, die trotz überschaubarer Größe dennoch ca. 100 Nationen unter einem Dach vereint, so etwa die Jacobs University Bremen oder die American University Paris.

Der Student im Zwiespalt

7. Der Student ist heute oft einem seltsamen Zwiespalt ausgesetzt: Einerseits soll er seine Kenntnisse und Blicke Richtung Zukunft schärfen und vertiefen, andererseits erwartet man von ihm soziales Engagement, Besuch von Summer Schools, großartige Praktika (am besten in exotischen Ländern bei Top-Firmen), politisch-kulturelle Kenntnisse, Ambition, Esprit, Erfolgshabitus und Selbstständigkeit.

Gerade der letzte Punkt ist ein Bereich, den es im Studium zu entwickeln gilt: das eigenständige Denken und Handeln, konkret: das "Stehen auf den eigenen Beinen". Ob dies per Ferien- oder durchgängigen Jobengagements, via sozialen, politischen, kulturellen, ökologischen, sportlichen o.a. Aktivitäten gezeigt wird, mag dann zweitrangig sein.

8. Im Studium gilt es, langsam, aber mit Verve einen "Plan vom Leben" zu entwickeln und sich nicht von den Langweilern im Kurs oder Seminar beeindrucken zu lassen. Fokus und Ziel heißt die Marschroute.

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9. Charakterbildung ist alles, was zählt: letztlich kommt am Ende eines Studiums nicht ein Abschluss heraus (das auch!), sondern ein Mensch, der einen Abschluss hat. Akzent auf: Mensch. Entscheidend dabei sind letztlich nicht Wissen oder intellektuelle Kompetenzen etc., sondern die Integrität und Authentizität eines Menschen, die Werteverbundenheit und die Fähigkeit, die Wirklichkeit des Lebens im Alltag zu bewältigen und sie engagiert zu gestalten.

10. "Nicht alles, was zählbar ist, zählt auch wirklich; nicht alles, was zählt, kann man auch zählen" (Albert Einstein).

Entwicklung einer Persönlichkeit

Die eigentliche Bildung des Menschen hat weniger mit Faktenwissen und Erlerntem zu tun, sondern mit der konstruktiven Verarbeitung von Wahrgenommenem und Erkanntem. Noch mehr: die Sorge um die rechten, bleibenden Werte und einen respektvollen Umgang mit dem eigenen und fremden sowie anvertrautem Leben - das ist, was weit mehr zählt als alles Wissenschaftswissen zusammen.

Wobei auch die Neigung zur engagierten Tat, zum konkreten Umsetzen immer wieder betont werden sollte; denn so manche(r) kommt aus der Hochschule mit grundgescheitem Denken und gleichzeitig völliger Ahnungslosigkeit mit Blick auf die Gestaltung des "gelebten Lebens" in die alltägliche Welt.

Glücklich studieren ist also eine Summe von vielen kleinen Facetten. Letztlich zählt, was zählt: eine ehrliche Grundhaltung, jenseits von Herrschaftswissen und Machtgetue.
''Früher war der Mensch Herr seines Wissens. Heute ist das Wissen sein Gebieter'' (John Steinbeck).

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