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Ökonomie der Spiritualität

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ARTIFICIAL INTELLIGENCE
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Weisheits-Ethos

Ökonomie und Spiritualität sind oft zwei Welten. Die eine Welt ist die auf Effizienz, Performance und Leistung getrimmte Super-Welt der Zahlen, Codes und Matrizen. Die andere ist eine Welt der leichten und weltfernen Fragen und Gedanken um das Wichtige, das Leben, das Sein. Die eine Welt turnt rund ums goldene Kalb der Maximierung von Gewinnmargen, die andere ist zufrieden mit dem Gefühl, Gott näher, der Klarheit verwandt und der Wahrheit verbrüdert zu sein.

Der Satiriker Wolfgang J. Reus notierte einmal: "Dummheit ist Eigenkapital", lachte der Wirtschaftsboss, "und Weisheit Fremdkapital!"

Insofern könnte man behaupten: die Ökonomie ist der Tanz um die Eigenperformance mit allen Steigerungsimperativen, die je an uns als Fremderwartung herangetragen wurden; die Spiritualität ist dagegen das, was uns geschenkt wird, was "gratis" vorhanden ist, was "von außen" kommt, was stets Gabe, Güte und Gnade bedeutet.

Welchem Imperativ folgen wir?

Manche haben in heutiger Zeit zwar die Imperativik der Macht und der Moneten verstanden, sind gleichsam durchalphabetisiert, was die ökonomischen Werte und Vorstellungen angeht.
Aber sie lassen oft das Ethos, das Wissen um die wichtigen Dinge, das Sein, die Zukunft das Glück vermissen. Daher sollten wir in Zeiten der Akzellerationsspiele und Ausnahmesituationen wieder vermehrt auf die Gabe der Spiritualität, auf das Denken in göttlichen und Wahrheitskategorien setzen. Eine Alphabetisierung des Geistes täte Not!

Als ich mit meinen Studenten in Kalifornien über Werte und Integrität in der Business-Welt sprach, hatten manche verdutzt gestaunt, dass es so etwas wie gewachsene, traditionelle Werte gab, die nichts mit den Macher- und Instantmentalitäten so mancher Startups und so mancher High-End-Portfoliohaie zu tun haben, die oft zwar dicke Gewinnmargen antizipieren und produzieren, die aber häufig das Herz an der falschen Stelle haben.

Die Börse des Geistes zählt

Spiritualität, die auch in die Ökonomie-Welt eindringt, könnte dazu beitragen, dass Manager, Politiker und die "Macher der Gesellschaft" wieder nach dem Gott und Gut fragen, die mehr sind als alle Schätze, die in Börsennotierungen oder Wirtschafts- und Weltwährungen festgehalten werden können.

Eine Welt, in der die Ökonomie der Spiritualität nicht bedeutet, dass man Ausbeutung betreibt, um eigene Margen zu erhöhen, sondern eine Ethik des Teilens beginnt, die Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit ins "Spiel der Summen" mit einbaut - das wäre ein hehres Ziel, das wir ansteuern sollten.

Wie heißt es schon im Buch der Sprüche: "Wohl dem Menschen, der Weisheit findet, und dem Menschen, der Verstand bekommt! Denn es ist besser, sie zu erwerben, als Silber; denn ihr Ertrag ist besser als Gold. Sie ist edler denn Perlen; und alles, was du wünschen magst, ist ihr nicht zu vergleichen. Langes Leben ist zu ihrer rechten Hand; zu ihrer Linken ist Reichtum und Ehre. Ihre Wege sind liebliche Wege, und alle ihre Steige sind Friede." (Sprüche, Kapitel 3, Verse 13 bis 17)

Weisheit ist der eigentliche "ökonomische Vorteil", den Menschen erwirtschaften können. Und dabei gilt es zu beachten, was Lucius Seneca (4 v.Chr.-65 n.Chr.) sagte: "Den größten Reichtum hat, wer arm an Begierden ist." Und vielleicht ist in luxurierenden Zeiten die Begierdefreiheit einer der größten Schätze, die ein Mensch für sich gewinnen kann!

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