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Die Wahrheit über die Bildung

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COLLEGE DREAM
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Bildung - Schlüssel zur Nachhaltigkeit

"Bildung ist ein menschliches Grundrecht. Sie ist der Schlüssel zu nachhaltiger inner- und zwischenstaatlicher Entwicklung, Frieden und Stabilität und somit unverzichtbares Mittel für eine erfolgreiche Beteiligung an den Gesellschaften und Ökonomien des 21. Jahrhunderts (...)."
Diese Sätze finden sich in der Erklärung des Weltbildungsforums aus dem Jahr 2000 in Dakar, Senegal.

Bildung als Schlüssel in eine von Sustainability und struktureller Friedensneigung gezeichneten Epoche. Vieles ist seitdem geschehen. Doch der Beitrag zu einem von positiven Bildungsprozessen geprägten Miteinander hat sich seitdem wohl kaum eingestellt. Im Gegenteil: die kriegerischen, menschenverachtenden und törichten Manöver scheinen einen guten Teil der Weltkarte zu diktieren.

In unseren Köpfen schwebt oft die Sage von den Bildungsgeldern, die Bildung erzeugen. Und so mancher Bildungsforscher forciert diese Meinung, indem mehr Gelder gefordert werden, um bessere Bildungsprogramme, höhere Bildungsetats und schnellere Umsetzungen von Bildungsofferten zu realisieren.

Fakt ist aber: Bildung findet zunächst nicht über Gelder, sondern über die Bildungspolitik statt. Wenn diese falsche oder verquere Ziele definiert, dann fließt ein Großteil der Gelder in mehr oder minder unsinnige Kanäle, die zwar "Bildung" als Etikett tragen, aber letztlich keinen erkennbaren Mehrwert für die Bildung der Bevölkerung und für die Qualität der Bildungsoffensiven besitzen.

Wer die Genderfragen als das Nonplusultra der Bildungsdebatte deklariert, die digitale Vernunft als das höchste Bildungsziel und die Nivellierung sexueller Orientierungsmuster als wichtigste akademische Stufe deklariert und hier investiert, hat wohl kaum die Bedeutung verlorengegangener Elementar- und Wertebildung erkannt.

Dass Politik - und insbesondere die sog. Bildungspolitik - sich gerne auf modische Steckenpferde schwingt und diese reitet, so lange eine öffentliche Aufmerksamkeit als Rückenwind dient, ist bekannt. Dass wir gerade im Bildungssektor mehr positiv-konservative Denker bräuchten, die die Hochschätzung von Tradition und Werteorientierung verbinden, bleibt ein Desiderat.

Bildung und Werte-Reflexion

Als wichtige Werte für eine nachwachsende Generation 2.0 wäre gewiss eine Besinnung auf die das Gemeinschaftliche tragenden Basiswerte wie Vertrauen, Integrität, Disziplin, Teamspirit und Ehrlichkeit anzuraten. Ferner wären ergänzend eine ausgeprägte Entscheidungssouveränität, strukturelle Adaptionskraft, eigenverantwortliches Handeln, basale Innovationsfähigkeit und ein Selbstverständnis als Weltbürger einzufordern.

Auch das Lernen an exemplarischen Einheiten, an symbolischen Konnotaten, die so etwas wie Orientierungsmanöver liefern: der Gedanke an eine Ausrichtung an beispielhaften Existenzen sollte wieder salonfähig sein. Nicht im Sinne einer Idolisierung, sondern im Kontext individueller Identifikationsspiele, die für eine Bildungs- und Lernbiografie notwendig sind.

Der Sloterdijk-Impuls zur Bildung

Leider wurde bisher das Bildungskonzept von der Karlsruher "Zauberstimme" Peter Sloterdijk in den pädagogischen Disziplinen bislang sehr stiefmütterlich behandelt: seine Rede von der "Vertikalspannung" des übenden Lebens, das sich an der Besserung abarbeitet - in Disziplingängen und qua Durchhaltekompetenz, wäre eine schöne Grundmelodie für eine akademische Revitalisierung des deutschen Denkergeistes.

Dass Sloterdijk u.a. auch von einer "Akrobatik der Existenz" redet, mag dabei eine seriös-komische Note besitzen: seriös, da Akrobaten ja Inbegriff einer perfekten Leistung sind; komisch, da die Existenz per se oft ach so wenig künstlerisch und kreativ erscheint. Dennoch scheint mir diese Redeform notwendig mit einzuspielen zu sein, um ein zeitgemäßes Bildungsprogramm zu etablieren:

Denken darf wieder anstrengend werden, denn nur der übende Geist kann ernsthaft bemüht sein, souverän die anbrechenden Zeiten zu meistern. Jenseits der Meisterschaft sollten wir in unseren mediokren Zeiten nicht starten wollen! Denn dass ein lax-mittig abgestimmtes Bildungsterrain oft nur mittelprächtige Köpfe hervorbringt - davon scheinen die aktuellen Polit- und Kulturzeiten jeden Tag Zeugnis abzulegen.

Elite- und Volksbildung als Zielmarge

Obgleich ich mit diesen Gedanken einen Pflog einschlagen möchte für eine durchaus Höchstleistungen avisierenden Bildung(spolitik), so darf doch das notwendige Bemühen um die "Bildung der Massen" nicht fehlen; dies hat Jutta Allmendinger einmal so formuliert:

"Bildungspolitik ist eine Querschnittsaufgabe. Sie berührt fast alle Politikbereiche, insbesondere Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik und ist damit einer der wichtigsten politischen Gestaltungsbereiche überhaupt. Vor allem muss sie viel stärker als bisher an einem Bereich ansetzen, der in Deutschland besonders veränderungsresistent erscheint: Dem Abbau von Niedrigbildung. Eine Grundbildung, die zur kulturellen und gesellschaftlichen Teilhabe befähigt, muss das Bildungssystem allen gleichermaßen garantieren."

Diese Querschnittsaufgabe anzupacken und dennoch geradlinig-zielstrebige Bildungstargets zu definieren, diese Herkulesaufgabe sollten gerade wir Deutschen uns als Grundimpuls gönnen. Unter diesem Niveau sollten wir in Zukunft nicht mehr von Bildungsprogrammen und -zielen sprechen.

Die akademische Aufgabe von der frühkindlichen Erziehung bis zum MBA-, Promotions- und später bis zum Seniorenstudium an Universitäten sollte dabei als eine für alle Politkräfte wesentliche Gesamtaufgabe in den Blick rücken, die nicht von Länderparlamenten dilettierend zerstückelt wird, sondern die vielmehr auf Bundesebene und mit langfristigem Konzept verfolgt werden sollte.

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