BLOG

Auferstehungshoffnung

28/03/2016 15:50 CEST | Aktualisiert 29/03/2017 11:12 CEST
Rick Schroeppel via Getty Images

Das Fest von Ostern ist ein Orientierungsgeschehen: Orientierung am Horizont der Gottesliebe, die sich am Kreuz vor aller Welt Augen manifestiert und in der Auferstehung Jesu kulminiert. Hier am offenen Grab finden Menschen aller Herkünfte und Farben die Zusage der ewigen Gottesliebe für alle Tage des Lebens.

Gerade wandert ja der Orient in den Okzident. Die Wiege der Menschheit gleitet gleichsam in die westlich-moderen "Über-Zivilisation". Und dieses Migrationsmomentum lehrt uns beten, dass das Abenteuer der Menschenströme in und durch unser Land gelingen möge. Der Orient lieferte historisch so etwas wie die Geburtsstätte des europäischen Geistes; Zivilisation wurde hier erstmals in großem Stil gelebt und zelebriert. Und auch das ewige Leben wurde hier gleichsam "erfunden". Christen halten den mancherlei philosophischen Zweifelargumenten mit der Osterbotschaft das Faktum der Auferstehung entgegen; und vielleicht ist es ja in der Tat viel leichter, diesem Ereignis Glauben zu schenken als es notorisch und voller Zweifel zu leugnen:

"Die Auferstehung ist die einfachste Sache der Welt. Der, der den Menschen einmal geschaffen hat, kann ihn auch zum zweiten Male schaffen." (Voltaire)

Das Leben im Horizont von Ostern trägt aber auch ein besonderes Organisationscolorit: unser Denken wird neu ausgerichtetet ("organisiert") und belebt. Von nun an wird es von der Ewigkeit Gottes und seiner Liebe geprägt/codiert.

Ferner meint Ostern eine Opfernegation: weil Christus selbst zum endgültigen Opfer für alle Schuld der Welt geworden ist, brauchen wir weder uns noch andere zu kreuzigen oder als Opfer zu brandmarken. Die "Marke Christenheit" ist - ökonomisch gesprochen - eine "Brand mit elementarem Hoffnungsgefälle". Schade, dass das Marketing der Auferstehungshoffnung und Ewigkeitshoffenden oft so schlecht ausfällt; denn die Botschaft von Ostern ist eigentlich kurios und famos zugleich: hier werden die negativen Kräfte ad absurdum geführt und der Sieg der Liebe gefeiert.

Ostern markiert schließlich ein Protestgeschehen: weil Christusgläubige von der Auferstehungshoffnung herkommen, dürfen sie sich angesichts der Flüchtlingsproblematik und der dabei oft gefürchteten Islamisierung unserer Weltregion neu auf ihren Glauben besinnen, der ohne Furcht verkündet: in der Auferstehung sind alle Mächte, alle Ängste und Sorgen besiegt. Und diesem auferstandenen Christus darf jeder durch Glauben, Hoffen und Lieben dienen und ihm nachfolgen. Jesus Christus sagt: "Ich bin die Aufersehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt." (Johannes-Evangelium Kap. 11, Vers 25)

Eine Einladung zum Hoffnungsglück der Freiheit von Endlichkeit und Zusage von Ewigkeit zugleich. Ein ultimativer Deal!

Insofern ist nicht nur Orientierung, Organisation und Protest angesagt, sondern auch das Lächeln der Frommen über die Torheit der ratiofixierten Endlichkeitsanbeter.

Wie sagte doch der Theologe Christoph Blumhardt: "Christen sind Protestleute gegen den Tod."

Das legendäre "Osterlachen", das Lachen über die besiegten Mächte von "Sünde, Tod und Teufel" (Luther) befreit von dem Krampf einer an Endlichkeiten ausgerichteten Lebens- und Existenzform. Daher ist Ostern vielleicht das humorvollste Fest, das die Katastrophe des Kreuzes - und damit das Todesurteil der Welt - in die Kreativität, Schönheit und das helle Licht der Ewigkeitshoffnung hineintaucht.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert:

Gesponsert von Knappschaft