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Wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändert

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ARTIFICIAL INTELLIGENCE PEOPLE
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Gefühlt werden wöchentlich neue Durchbrüche im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) vermeldet. Und die Fortschritte sind wirklich beeindruckend: Autonome Fabriken, selbstfahrende Autos oder lebensecht wirkende Social Bots. Ständig erweitern sich die Aufgabengebiete der denkenden Maschinen und deren Komplexität.

Durch die ständige Weiterentwicklung ändert sich nicht nur die Art, wie wir arbeiten, es ergeben sich auch Konsequenzen für die gesamte Arbeitswelt, einhergehend mit großen gesellschaftlichen Umwälzungen. Unsere Lebenswirklichkeit wird sich ändern wie einst durch das Internet oder die Elektrizität.

Mehr zum Thema: Viele Chefs wünschen sich jetzt Roboter - weil sie ihre Mitarbeiter fürchten

Tiefgreifende Veränderungen

Blickt man zurück auf die bisherigen technischen Innovationen in der Geschichte der Arbeit, hatten diese bisher immer das Ziel, Routinearbeiten maschinell zu ersetzen. Mit dem Fortschritt im Bereich der KI ziehen Maschinen nun immer mehr in die anspruchsvollen Tätigkeiten ein, die bisher dem Menschen vorbehalten waren.

Wo früher Maschinen die körperliche Arbeit erleichtert haben, passiert dies heute auch mit der geistigen Arbeit. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus dem Jahr 2015 sind 15 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland dem Risiko ausgesetzt, dass innerhalb ihres Berufs mehr als 70 Prozent der Tätigkeiten durch Computer oder computergesteuerte Maschinen übernommen werden könnten - auch in Berufen mit qualifiziertem Profil.

Dies gilt auch für Bereiche, von denen man es im ersten Moment nicht denkt, zum Beispiel bei beratenden und administrativen Tätigkeiten in der Versicherungsbranche. Eine Studie von McKinsey geht dort sogar von einem Verlust der Hälfte aller Arbeitsplätze in der Verwaltung aus.

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Neue Berufe

Die Geschichte zeigt jedoch auch, dass bei allen großen technischen Fortschritten vor massiven Verlusten von Arbeit gewarnt wurde. Doch immer entstanden auch immer neue Berufe.

In den heutigen Entwicklungen werden dies in erster Linie technische Berufe sein, die direkt mit der Digitalisierung in Zusammenhang oder in deren Umfeld stehen, wie Entwicklung oder Wartung.

Gleichzeitig werden ganz neue Berufsgruppen entstehen, die im Zuge der ständigen Weiterentwicklung benötigt werden, so wie einst der Automechaniker im Zuge der Erfindung des Automobils. Wie bereits in der Vergangenheit sind auch die neu entstehenden Stellen komplexer als diejenigen, die ersetzt werden.

Unterstützungsaufgaben

Trotz dieser Fortschritte, die Technik ist noch sehr weit vom menschlichen Verstand entfernt. Mit der zunehmenden Automatisierung werden Menschen daher die Aufgaben übernehmen, welche Software nicht leisten kann: Kreativität, Innovation oder soziale Interaktion.

Mit der Unterstützung der Algorithmen kann sich der Mensch auf diese Kernaufgaben konzentrieren, beispielsweise weil zeitaufwändige Recherchetätigkeiten wegfallen. Daraus ergeben sich folglich eine verbesserte Produktivität und eine deutlich erhöhte Wertschöpfung.

Auch senkt die Technologie die Hürde für Menschen, die, sei es aus mangelnder Affinität oder körperlicher Beschränkungen, nicht mit moderner Technik zurechtkommen. Eine mitdenkende Software kann diese Lücke schließen und Technologien entsprechend für alle öffnen.

Mehr zum Thema: Hardware allein macht noch keine digitale Schule aus

Lernendes System
Im Vergleich zum Menschen haben KI-Routinen eine bedeutend kürzere Reaktionszeit, was beispielsweise in der Finanzbranche eine wichtige Rolle spielt. Mit entsprechender Programmierung wiederholt eine Maschine nicht nur die immer gleichen Tätigkeiten, sondern kann mittlerweile auch dazu lernen und sich selbst verbessern.

Doch genau wie Menschen unterliegen Maschinen einer gewissen Fehleranfälligkeit. Je komplexer ein System, desto anfälliger ist es - und Künstliche Intelligenz ist äußerst kompliziert.

Durch die Kombination einer stark verkürzten Reaktionszeit und der großen Menge an gleichzeitig bearbeitenden Aufgaben können Fehler schwerwiegende Folgen haben. Zum Beispiel bei den oben erwähnten Finanzmärkten.

Eine falsche Transaktion kann so in wenigen Millisekunden Schäden nach sich ziehen, die gleich in die Milliarden gehen. Dieses Beispiel zeigt, dass wir niemals naiv mit dieser Entwicklung umgehen dürfen. Dafür haben wir uns schon in zu vielen Lebens- und Gesellschaftsbereichen in die Abhängigkeit von Software und Algorithmen begeben.

Fazit

In der Geschichte wurde jeder große technische Fortschritt mit Ängsten begleitet. Auch im Zuge der Digitalisierung und der Entwicklung Künstlicher Intelligenz ist dies nicht anders.

Allerdings wird es noch Jahrzehnte dauern, bis eine denkende Maschine es mit menschlichen Eigenschaften aufnehmen kann. Zudem hat die Geschichte gezeigt, dass sich mit jedem Fortschritt auch die Chancen und der Wohlstand verbessert haben.

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