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Kommt der Durchbruch für Augmented Reality

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AUGMENTED REALITY
supparsorn via Getty Images
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Obwohl die Technik noch in den Kinderschuhen steckt, wird Augmented Reality als einer der größten Zukunftstrends gesehen. Welche Auswirkungen hat die Technik auf unseren Alltag und welche Risiken hinsichtlich Datenschutz gibt es?

Schon seit Jahrzehnten wird seitens der Forschung versucht, unsere Realität virtuell zu erweitern. Nun sind die technischen Voraussetzungen mit leistungsstarken Prozessoren, Sensoren und GPS vorhanden, um Augmented Reality (AR) Wirklichkeit werden zu lassen. Im Gegensatz zur Virtual Reality (VR) taucht man nicht komplett in die digitale Welt ein, die Realität wird durch Zusatzinformationen erweitert - als Kombination aus wahrgenommener und vom Computer erzeugter Realität.

Der Spieletrend „Pokemon Go" hat den Bekanntheitsgrad von AR noch einmal deutlich gesteigert und einen Weg in den Massenmarkt geebnet. Mittlerweile planen alle großen IT Unternehmen mit dieser Technologie. Doch ob dies wirklich den Durchbruch bringt, muss sich erst noch zeigen.

Einsatz im Alltag
Trotz der Technologie stehen Unternehmen beim Thema AR Technologien noch ganz am Anfang und schöpfen bei weitem nicht das Potenzial aus. Augmented Reality im Einsatz heute, beispielsweise über Smartphone-Apps, bieten dem Benutzer ergänzende Informationen zu seiner nächstgelegenen Umwelt über das entsprechende Endgerät. Dies reicht von einfachen Text-Einblendungen über Videos bis hin zu 3D-Inhalten. Bereits heute begleitet uns die AR in unserem Alltag, oft ist uns dabei gar nicht bewusst, dass es sich um die Technik handelt. Beispielsweise fällt bei der Fußballübertragung das Einblenden von Abseitslinien oder die Linie zur Messung der Torentfernung unter das Prinzip der Augmented Reality. Auch im Straßenverkehr wird AR genutzt. Bereits heute werden bei Fahrzeugen der Oberklasse Hinweise in die Windschutzscheibe visualisiert, wie zum Beispiel die Geschwindigkeit, Warnhinweise oder Navigation.
All diese Beispiele sind interessant und deuten die Potenziale an, einen Durchbruch in den Massenmarkt werden sie allerdings nicht herbeiführen. Die wirklich bahnrechende Idee fehlt noch.

Bei Arbeit nützlich
Was in manchen Bereichen nicht mehr als eine nette Spielerei ist, wird im Berufsalltag ein wichtiger Wettbewerbsvorteil - gerade im Zusammenspiel mit anderen Digitalisierungstechnologien wie Big Data, Internet der Dinge (IoT), dem maschinellen Lernen oder 3D-Druck.

Anwendung findet sie heute unter anderem in der Logistik. So wird beispielsweise bei der Kommissionierung über eine Datenbrille dem Mitarbeiter der nächste Arbeitsschritt ins Sichtfeld eingeblendet. Andere Technologien unterstützen durch Zusatzinformationen, die in das Sichtfeld eingeblendet werden. Dies kommt bereits bei Handwerks- oder Technikerberufen zum Einsatz. Das am Kopf getragene Display liefert dabei Informationen zu der Maschine direkt vor das Auge, die Bedienung erfolgt über Sprach- und Bewegungseingaben.

Die Technik hinter AR
Das Grundprinzip ist, trotz unterschiedlicher Endgeräte, immer dasselbe. Die Erklärung erfolgt hier am Beispiel eines Smartphones:

Zentrales Element bei der AR-Technologie ist das sogenannte Tracking. Durch sie wird der Standort des Anwenders sowie die genaue Position und Orientierung des Objektes ermittelt, mit dem virtuell interagiert werden soll. Dazu nutzt die Software sowohl den GPS-Chip im Mobiltelefon, als auch den integrierten Kompass, um zu erkennen, in welche Richtung der Benutzer blickt, damit, um im obigen Beispiel der Logistik zu bleiben, die Richtungspfeile korrekt angezeigt werden.

Für die Umgebungsaufnahmen muss die Umwelt mit geeigneten Sensoren digital erfasst werden. Als Grundlage ist eine Kamera nötig. Um die Technologie optimal zu nutzen braucht es zudem auch andere Sensoren, wie Infrarot oder Ultraschall. Anhand der daraus gesammelten Daten wird die Umgebung berechnet. Mit Hilfe der daraus berechneten Positionsbestimmung und eventuell weiteren Informationen aus Datenbanken wird dann mit Hilfe spezieller Software auf das Bild der Kamera die virtuelle Ebene darüber gelegt und die "erweiterte Realität" für den Anwender sichtbar.

Gefahr beim Datenschutz
Wie jede Technologie hat auch diese ihre Schattenseiten. Denn viele Dienste, die AR nutzen, bezahlen wir mit unseren Daten. Durch den ständigen Austausch unserer Standortdaten, gepaart mit dem vorhandenen Wissen über unsere Web- und Social-Media-Profile, wird die gesamte Umgebung zu einer einzigen Werbefläche, auch unsere analoge Umwelt über das Display. Gleichzeitig wird durch die ständige Nutzung der Sensoren die Anzahl der Daten, die über den Anwender gesammelt werden, noch weiter erhöht und damit die Gefahr des gläsernen Nutzers tatsächlich greifbar.

Fazit
Augmented Reality wird in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein. Die Möglichkeiten sind dabei vielseitig, aber auch risikobehaftet. Langfristig werden sie in unseren Alltag einziehen, entsprechend müssen die Maßnahmen zum Schutz der eigenen Persönlichkeitsrechte rechtlich und technisch erhoben werden. Doch noch immer fehlen die revolutionären Innovationen oder wirklich spannende Anwendungen. Um sich letztendlich wirklich auf dem Massenmarkt außerhalb der geschäftlichen Nutzung durchzusetzen, muss Augmented Reality mehr bieten als die bisherigen Spielereien.

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