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Green IT: Können Computer die Welt retten?

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GREEN IT
Yuri_Arcurs via Getty Images
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Moderne IT und deren Infrastruktur sind heute mit die größten Stromverbraucher. Gleichzeitig helfen sie jedoch, durch neueste Technologien, den Energieverbrauch zu Hause und in den Unternehmen immer weiter zu senken.

Unser Leben wird mittlerweile in großen Teilen durch IT begleitet und auch bestimmt. Ob Smartphone, PC oder Smart Home Devices - diese benötigt jedoch Energie, viel Energie. Unserer Lebens- und Arbeitsweise entsprechend ist der Stromverbrauch unserer ITK-Infrastruktur in den letzten zehn Jahren erheblich angestiegen und wird dies weiter tun.

Maßnahmen, die dagegen ergriffen werden, werden unter dem Titel „Green IT" zusammengefasst. Der Begriff bezeichnet den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (ITK) und deren Anwendung, die unter Berücksichtigung des gesamten Produktlebenszyklus im Vergleich zu bisherigen Lösungen zu einer deutlichen Entlastung der Umwelt führt.

Stromfresser Infrastruktur

Während selbstverständlich jeder Einzelne an seinem Verbrauch etwas ändern kann, ist der größte Stromfresser die IT-Infrastruktur, wie Computer, Maschinen oder Server. Gerade Server-Farmen brauchen viel Energie. Der amerikanische Wissenschaftler Jonathan Koomey schätzt den Anteil am Stromverbrauch in Deutschland auf über 2 Prozent ein.

Gleichzeitig entstehen aufgrund der Zunahme mobiler Endgeräte, das Sammeln großer Datenmengen im Rahmen von Big Data oder Cloud-Nutzung immer neue und größere Rechenzentren.

Großes Sparpotential

Im Umkehrschluss liegt aber gerade darin großes Stromsparpotential. Durch Verlagerung von immer mehr Software und Daten vom eigenen Rechner auf Server oder in die Cloud, können im Büro oder heimischen Arbeitsplatz Hardware mit weitaus geringerem Verbrauch genutzt werden.

In Zukunft werden nur noch die wenigsten Nutzer mit einem vollständig ausgerüsteten Desktop-PC arbeiten, der Trend geht in Richtung Tablets, Smartphones und vor allem Thin Clients. Gerade Letztere verbrauchen beispielsweise im Vergleich zum PC 80 Prozent weniger Strom. Gleichzeitig fällt bei der Produktion weniger Materialverbrauch an, außerdem geringerer Transportaufwand und später weniger Müll bei der Entsorgung der Altgeräte.

Einfluss von Software

Einen großen Einfluss auf den Stromverbrauch haben auch die genutzten Programme. Viele Modernisierungsmaßnahmen in diesem Bereich zielen mittlerweile nicht mehr nur auf das alte IT-Prinzip „schneller und mehr" ab, sondern auch auf eine verbesserte Energieeffizienz.

Daher zielt die künftige Weiterentwicklung sowohl von Betriebssystemen als auch Office‐ und Anwendersoftware auch in Richtung Energiesparen. Als Vorbild dienen dabei mobile oder Open-Source-Anwendungen, die bereits für Smartphones oder Netbooks genutzt werden.

Weitere Möglichkeiten ergeben sich auch durch die verbesserten Kommunikationsmittel. So lassen sich heute beispielsweise durch Technologien wie digitale Konferenzen viele Dienstreisen sparen und damit Umwelteinwirkungen reduzieren.

Unternehmen reagieren

Als Verbraucher hat jeder von uns auf diese Entwicklung zusätzlichen Einfluss. Denn schonende Ressourcennutzung, im Rahmen von Green IT, ist für Unternehmen heute auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Wettbewerbsvorteil, gerade wenn sie auf die veränderten Konsumgewohnheiten von Kunden reagieren.

In einer Studie des Instituts für Handel & Internationales Marketing der Universität des Saarlandes aus dem März 2014 gaben rund 80 Prozent der befragten Unternehmen an, dass das Thema Nachhaltigkeit bis 2020 eine hohe bis sehr hohe Bedeutung für sie bekommen wird. Durch die Entwicklung in den vergangenen Jahren dürfte der Anteil heute entsprechend höher liegen.

Entsprechend wird von Unternehmen bereits vielfach in diesen Bereich investiert, um IT gezielt und nachhaltig in die Produkt- und Markenentwicklung einfließen zu lassen.

Green durch IT

Beim Thema Green IT geht es jedoch auch um Effizienzsteigerung durch IT-gestützte Prozesse und Technologien. Denn diese spielt mit effizienten und umweltschonenden Produkten und Prozessen eine große Rolle bei ökologischen Innovationen. Dies gilt sowohl im heimischen Gebrauch, z.B. über eine Steuerung von Heizungen oder Beleuchtung über das Smartphone, als auch für die weitaus ressourcenintensivere industrielle Nutzung.

Der Eingriff der Informationstechnik in die Steuerungsprozesse der Industrie führt hierbei nicht nur zu einem niedrigeren Energieverbrauch, meist lässt sich auch noch der Einsatz wertvoller Rohstoffe senken. So können durch effizientere, IT-gestützte Prozesse die Abläufe in Industrieanlagen effizienter gemacht werden - einer der größten Stromverbraucher in Deutschland.

Es ist das gleiche Prinzip, wie heute auch bei Fahrzeugen angewendet wird. Auch dort kann man durch Optimierung der Software zur Motorsteuerung Sprit sparen.

Fazit

IT und Software werden auch in Zukunft zunehmend unser Leben bestimmen. Doch die Zeiten, in denen „mehr" und „schneller" den Weg bestimmt haben, sind vorbei: Die IT bietet heute viele Möglichkeiten, Ressourcen zu schonen und nachhaltiges Wirtschaften zu ermöglichen.

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