BLOG

Blockchain wird ein neuer Grundbaustein der Wirtschaft

09/08/2017 12:33 CEST | Aktualisiert 09/08/2017 12:34 CEST
Zapp2Photo via Getty Images

Die Zukunft von Bitcoins bleibt weiter ungewiss. Blockchain, der Technologie hinter der digitalen Währung, wird jedoch eine große Zukunft prognostiziert - sowohl in der Wirtschaft, als auch bei der privaten Abwicklung von Geschäften.

Die virtuelle Währung Bitcoin steckt momentan, trotz ihres Potenzials, in einer existentiellen Krise. Aufgrund von Unstimmigkeiten der handelnden Akteure ist es noch völlig unklar, in welcher Form oder ob sie überhaupt weiterexistieren wird.

Deren technische Grundlage, die sogenannte Blockchain, wird jedoch abseits dieser Anwendungsmöglichkeit eine Rolle als künftige Schlüsseltechnologie zugetraut, mit dem Potenzial, die Wirtschaftswelt und Bürokratie nachhaltig zu verändern.

Manipulationssicher

Beim Beispiel Bitcoins macht die Blockchain-Technologie eine übergeordnete, abwickelnde Instanz, überflüssig, da es einen direkten Transfer vom Sender zum Empfänger gibt. Jede neue Transaktion wird mit den Netzwerkdaten abgeglichen und auf ihre Richtigkeit überprüft.

Blockchain ist, vereinfacht erklärt, eine dezentrale Datenbank, die sämtliche jemals vorgenommenen Transaktionen als komplette Liste dokumentiert und auf allen teilnehmenden Rechnern hinterlegt. Durch die Dezentralität und Transparenz gilt die Technologie als nahezu vollständig betrugssicher.

Will man Manipulationen durchführen, müsste es auf mehr als der Hälfte aller teilnehmenden Rechner geschehen. Ein nahezu unmöglicher, völlig unwirtschaftlicher Aufwand.

Man kann es vergleichen mit der Nutzung von Bargeld: Im Gegensatz zur Bezahlung mit Kreditkarte gibt es zwischen Käufer und Verkäufer keinen Mittelsmann, der an der Transaktion, z.B. durch Gebühren, mitverdient. Niemand kann den Bezahlprozess überwachen oder Daten davon abgreifen. Nicht einmal ein Konto ist dafür notwendig.

Zukunft in der Finanzbranche

Blockchain wird in erster Linie Geschäftszweige und Branchen verändern, bei denen Vertrauen besonders wichtig ist. So werden etwa in der Finanzbranche bereits heute die bewährten Prozesse hinsichtlich der neuen Möglichkeiten hinterfragt. Vorteile für Banken liegen hier in der Kostenreduktion und in der steigenden Transparenz sowie Effizienz.

Die Technologie kann jedoch viel mehr als digitale Geldeinheiten verwalten. Nicht wenige trauen ihr sogar das Potential zu, eine fundamentale Infrastruktur für die Finanzdienstleistungen zu bilden.

Denn die oben genannten Vorteile sind besonders hier gegeben: beispielsweise werden die Risiken und Betrugsgefahren besonders bei internationalen Zahlungen deutlich reduziert, bei geringerem Zeitaufwand.

Das gleiche Prinzip findet auch Anwendung bei der lückenlosen Warenabwicklung in der Logistikbranche oder bei Transportketten im Lebensmittelbereich. Manipulationen sind ausgeschlossen.

Jeder kann profitieren

Doch auch im Privatbereich gibt es Anwendungsmöglichkeiten immer dann, wenn Transaktionen oder Verträge dokumentiert werden müssen. Das größte Potenzial wird dabei den sogenannten „Smart Contracts" zugerechnet.

Das sind intelligente, digitale Verträge, die auf Wenn-Dann-Beziehungen basieren. Technische Grundlagen sind cloudgestützte Softwareprotokolle und Computeralgorithmen, die eine Abwicklung der ausgehandelten Inhalte in Echtzeit durchführen und überwachen.

Blockchain ist dabei das direkte Kommunikationsmittel zwischen den Vertragspartnern. Trifft ein vorher im Vertrag festgelegtes Ereignis ein, wird die entsprechende Aktion ausgelöst. Sie können die Vermittlung zwischen verschiedenen Parteien, z.B. bei Vertragsabschlüssen, vereinfachen.

Banken oder Anwälte werden als Vermittler oder für die Durchsetzung der Rechte und Pflichten der Vertragspartner nicht mehr benötigt.

In der Praxis kommt dies beispielsweise bei Verzeichnis- und Notariatsfunktionen zum Einsatz. Statt beim Hauskauf ein Eintrag ins Grundbuch vorzunehmen, sind alle Aktionen rund um das Objekt in der Blockchain abgelegt und entsprechend nachvollziehbar. Eine zwischengeschaltete Instanz ist nicht notwendig.

Standards fehlen

Vorerst bleibt das alles Zukunftsmusik. Denn auch für ein solches dezentralisiertes System wie die Blockchain müssen zuerst sowohl technische, als auch rechtliche Standards definiert werden.

Gleichzeitig werden dabei Prozesse angepasst, die seit Jahrzehnten genutzt werden - ein zumeist langwieriges Unterfangen, das zudem hohe finanzielle Investitionen nötig macht.

Anschließend müssen diese noch in der Praxis ihre Tauglichkeit bewähren.

Denn wenn keine Institution bei Verträgen zwischengeschaltet ist, gibt es auch keine, bei der Recht eingeklagt werden kann oder die als Schiedsstelle bei Unstimmigkeit dient.

Fazit

Die Erwartungen an die Blockchain-Technologie sind groß, ebenso wie die Visionen. Bis jetzt fehlt noch eine Anwendung, die der Technologie zum endgültigen Durchbruch verhilft und sich bewähren konnte.

Erweist sie sich jedoch bei bestimmten Anwendungen als überlegen, wird sie sich auch durchsetzen. Die Potenziale sind zweifelsfrei vorhanden, doch müssen vor allem gesetzliche und strukturelle Grundlagen geschaffen werden.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

Sponsored by Trentino