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Wie sieht eine Welt voller autonomer Fahrzeuge aus

Veröffentlicht: Aktualisiert:
AUTONOMIC DRIVING
Michaela Rehle / Reuters
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Das autonome Fahren ist sicherlich eine der spannensten Zukunftstechnologien. Doch die Auswirkungen auf unsere Städte, unser Rechtssystem und auf eine Gesellschaft, in der das Automobil eine zentrale Rolle einnimmt, werden gravierend sein.

Ein Auto ohne Fahrer? Schon heute möglich und in naher Zukunft ein gängiger Anblick. Alle großen Hersteller sind bereits in der Testphase und teilweise schon darüber hinaus. Bis die Technologie großflächig im Einsatz ist, wird es noch etwas dauern doch dann wird sich vieles ändern.

Elektronische Sinnesorgane

Bereits heute sind moderne Fahrzeuge mit einer Vielzahl an Assistenzsystemen ausgestattet, die alle inneren und äußeren Vorgänge überwachen. Ziel ist es, dem Fahrer viele Aufgaben abzunehmen: Brems- und Spurhalteassistent, Abstandsmesser oder Geschwindigkeitsregler. Doch trotz der Technik liegt im Moment noch die Finalentscheidung beim Fahrzeugführer, also beim Menschen.

Diese bestehenden Systeme bilden die Grundlage für das autonome Fahren, allerdings müssen diese erweitert und verfeinert werden. Zentrales Element ist jedoch die Künstliche Intelligenz der zentralen Steuereinheit. In dieser werden alle Informationen der oben genannten Sensoren verarbeitet. Daraus wird in Echtzeit die Fahrweise berechnet, wie beispielsweise Geschwindigkeit oder die richtige Spur.

Hier liegen noch die größten Hürden für die Einführung der Technologie. Denn ein komplett autonom agierendes Fahrzeug muss eine Vielzahl an Parametern und Einflüssen berücksichtigen. Alles, was bisher der Mensch über seine Sinnesorgane wahrnimmt. Sie muss je nach Situation selbständig Entscheidungen treffen und kann, aufgrund der zahllosen Einzelfälle, nicht auf vorgegebene Muster zurückreifen. Der heutige Stand der Technik kann diese Anforderungen noch nicht abdecken.

Mehr Sicherheit

Die Übernahme des Straßenverkehrs durch IT und Software bringt wichtige Vorteile mit sich. Durch die Herausnahme des Faktor Mensch versprechen sich die Beteiligten eine erhöhte Sicherheit. So werden über 90 Prozent aller Unfälle durch menschliche Fehler verursacht. Die menschliche Sinnesaufnahme und anschließende Entscheidungsfindung ist im Vergleich zu einem Rechner viel langsamer. Die schnellere Reaktion der elektronischen Steuereinheit kann in entscheidenden Momenten Menschenleben retten.

Entscheidende Vorteile können die selbstgesteuerten Fahrzeuge aber erst ausspielen, wenn sie untereinander und mit der Straßeninfrastruktur, z.B. Ampeln (bis diese im Zuge dessen überflüssig werden) vernetzt sind. Über Mobilfunk tauschen Fahrzeuge und Geräte Informationen aus, um so den Verkehrsfluss zu verbessern.

Dies reduziert Staus und schont somit auch die Umwelt. Gleichzeitig kann der bestehende Platz weitaus besser genutzt werden, beispielsweise passen mehr Fahrzeuge auf eine Straße und es reichen kleinere Parkplätze. Dadurch werden zusätzliche Flächen für die Stadtentwicklung geschaffen. Wie seit Erfindung des Automobils wird sich auch durch diese technische Entwicklung das Aussehen von Städten verändern. Straßen können zurückgebaut und für eine alternative Nutzung frei werden.

Rechtliche Fragen

Im engen Stadtverkehr lauern jedoch auch für das computergesteuerte Fahrzeug Gefahren und unvorhergesehene Ereignisse. Dadurch ergeben sich wichtige Fragen in der Entwicklung: Welche Entscheidung trifft beispielsweise die Steuerungseinheit, wenn sich ein Unfall nicht mehr vermeiden lässt. Diese ethischen und rechtlichen Fragen stellen sich dementsprechend auch der Gesetzgeber und die Versicherer. Wer haftet bei einem Unfall, der Fahrer oder Hersteller der Software?

Geregelt werden muss zudem die Übergangszeit, in der sowohl autonome Fahrzeuge, als auch menschlich gelenkte auf den Straßen unterwegs sein werden. Eine Künstliche Intelligenz verhält sich unter bestimmten Umständen anders als ein Mensch. Entsprechend müssen die Fahrzeuge markiert werden, um Irritationen oder gar gefährliche Situationen zu vermeiden.

Gesellschaftliche Auswirkungen

Neue Entwicklungen entstehen auch durch die Kombination von autonomen Fahrzeugen mit Mobilitätsangeboten wie Car-Sharing. Betroffen wären hierbei nicht nur Dienstleistungen wie das Taxigewerbe oder Mietwagenverleih, auch die komplette Automobilindustrie und das Logistikgewerbe müssten sich auf ein völlig neues Konsumverhalten einstellen.

Der Automobilmarkt wäre stark Rückläufig, Arbeitsplätze in der deutschen Schlüsselindustrie gefährdet. Gleichzeitig kommen neue Wettbewerber auf den Markt, wie Apple oder Google. Es gilt als gesichert, dass beide Unternehmen in diesem Bereich forschen, trotz Dementis und gegenläufiger Darstgellungen. Doch hat sich die deutsche Industrie bisher immer auf die neuesten Trends einstellen können und zeichnet sich durch ihre starke Wettbewerbsfähigkeit im internationalen aus.

Der technische Fortschritt geht weiter

Mit dem autonomen Fahren werden sich unsere Mobilität und dadurch unser Alltag grundlegend ändern. Die technische Entwicklung in diesem Bereich schreitet schnell voran. Allerdings ist diese wie so oft schneller als die rechtliche und gesellschaftliche Entwicklung. Die Anpassungen müssen nun schnellstmöglich nachgeholt werden, der technische Fortschritt bleibt nicht stehen.

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