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Warum Donald Trump Präsident wird - und warum das gar nicht schlecht ist

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
Carlo Allegri / Reuters
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Was haben wir vor etwa einem Jahr gelacht, als Donald Trump in der Riege der republikanischen Bewerber um das Amt des US-Präsidenten aufgetaucht ist. Manchen hat der Mann damals schon Angst gemacht, oder zumindest die diversen Vorurteile gegenüber den USA bestätigt.

Andere, zu denen auch ich gezählt habe, haben dann beruhigend darauf hingewiesen, dass eigentlich immer mal so ein Paradiesvogel auftaucht, aber am Ende nie das Rennen macht. Tja, wir haben uns getäuscht -  und unter uns, wenn ich wetten müsste, ich würde mein Geld inzwischen auf Donald Trump setzen.

Wir sind ins Zeitalter der Populisten eingetreten, auch deshalb, weil die politische Elite auf ganzer Linie versagt hat. Dabei ist nicht einmal das Problem, dass man dem Mann auf der Straße Dinge wie etwa den Freihandel und die Globalisierung nicht richtig erklärt hat, sondern das Freihandel und Globalisierung dem einfachen Mann tatsächlich eher schaden als nützen.

Und so ist der Lerneffekt, es dem "dummen" Mann auf der Straße einfach besser zu erklären, kein wirklicher Lerneffekt, sondern ein Anlaufnehmen, um mit noch mehr Schmackes gegen die Wand zu schmettern.

Trumps Antworten sind falsch, aber leicht verständlich

Während der einfache Wähler also um sich alles schlechter werden sieht, hält man ihm Statistiken vor, nach denen doch mehr Jobs entstanden sind. Mein alter Statistikprofessor würde jetzt sagen: Wenn man seine rechte Hand in einen Eimer Eiswasser taucht und die linke Hand auf die Herdplatte legt, hat man statistisch genau die richtige Temperatur. Und Hilary Clinton ist genau der Typus Politikerin, der einem solche Statistiken vorlegt.

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Donald Trumps Antworten mögen wie die aller Populisten falsch sein, wahrscheinlich sogar schädlicher als die Statistiklügen der Systemvertreter, aber sie haben zumindest den Vorteil leicht verständlich zu sein und eine Lösung anzubieten. Eine katastrophale Lösung, aber a) eben eine Lösung und b) eine andere Lösung.

Ein parlamentarisches System mit mehreren Parteien ist an dieser Stelle geschützter als die amerikanische entweder-oder-Variante. Während hier 20 % ihre Stimme bei AfD und den Linken machen können, um ihren Protest Ausdruck zu verleihen, kann der Populismus in den USA den Sieg davon tragen.

Und die amerikanische Gesellschaft ist in den letzten Jahrzehnten derart auf dem Altar libertärer Ideologien geopfert worden, dass man nur noch sagen möchte: Selbst schuld!

Trumps Chancen sind ausgezeichnet

Dass der Siegeszug von Freihandel, Globalisierung und Radikalkapitalismus in den USA erst durch Bill Clinton perfekt gemacht wurde, kann man dann getrost als ironische Fußnote der Geschichte festhalten.

So gesehen ist Bill Clinton längst nicht der beste Wahlkampfhelfer seiner Frau, sondern der Demokrat, der die Wut im Volk groß genug hat werden lassen, damit ein Populist wie Donald Trump erst erfolgreich werden konnte.

Donald Trumps Chancen ins Weiße Haus einzuziehen sind also den Umfragen zum Trotz ausgezeichnet:

Seine Gegenkandidatin ist eine Vertreterin der alten Eliten, die das Land gegen die Wand gefahren haben und jetzt nochmals Anlauf nehmen.

Die Wut im Volk ist groß und das Misstrauen gegenüber den alten Lösungen noch größer.
Das Zwei-Parteien-System verhindert jegliche Alternative eines dritten Weges. Sei es ein liberaler Kandidat im Sinne europäischer Sozialdemokratie oder ein Konservativer, der Werte vertritt und nicht Kapitalismus.

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Und wenn Donald Trump Präsident wird, was dann?

Vor kurzem habe ich einen Tweet als Reaktion von Noch-Präsident Obamas Aussage gelesen, er halte Donald Trump für ungeeignet, Präsident zu werden: Ob Obama dann das Kriegsrecht verhängen will?

Der Gedanke daran, dass Donald Trump Befehlsgewalt über die US-Streitkräfte bekommt, inklusive eines Koffers mit der Möglichkeit Atombomben abzufeuern, ist in der Tat wenig beruhigend.

Aber seien wir doch mal realistisch, wo wäre der Unterschied zur Politik eines George W. Bush oder Barack Obama? Hat einer von beiden die Welt friedlicher gemacht? Eine rhetorische Frage!

Donald Trump ist ein beklagenswerter Charakter , oder direkt gesagt: Donald Trump ist ein Arschloch vor dem Herrn! Aber unterm Strich könnte sein Gesicht auch auf obigen Meme von Bill Clinton stehen, auch er will nur Macht, Geld und Bitches.

Wer weiß, Melanie Trump ist auch nicht mehr das Jagdschema eines solchen Mannes, vielleicht erlebt sie das Ende ihrer Amtszeit als First Lady ja gar nicht. Was Donald Trump dagegen nicht ist, ist der Typ, der die Welt untergehen lässt - zumindest nicht solange er in derselben Welt leben muss.

Der sicherste Weg Populisten zu entzaubern: Sie an der Macht beteiligen

Der Präsident Donald Trump könnte zum einen den gleichen Effekt haben, wie der Ausgang des britischen Referendums. Große Teile seiner Wähler würden sich schon am nächsten Morgen fragen: Scheiße, was haben wir da gemacht?! Der sicherste Weg Populisten zu entzaubern war es schon immer, sie an der Macht zu beteiligen.

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Und der Europa mit dem durch Donald Trump beschleunigten Niedergang Amerikas vielleicht auch endgültig klar macht, dass man auf eigenen Füßen stehen muss, will man in der Welt von heute bestehen.

Die Ukraine-Krise, die Washington ja am Allerwertesten vorbei gegangen ist, könnte hier nur ein Vorspiel gewesen sein. Der Isolationist Trump könnte uns vor Augen führen, dass wir unsere Probleme selbst lösen müssen.

Statt uns einzureden, dass für die USA der Pazifik nicht längst bedeutender geworden ist als der Atlantik. Donald Trump ist in erster Linie ein amerikanisches Problem, das nur zu unserem wird, weil wir verlernt haben, Politik ohne Amerika zu denken.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf medium.

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