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Das bedeutet "Gutmensch" wirklich

16/01/2016 15:21 CET | Aktualisiert 16/01/2017 11:12 CET
dpa

Der kennzeichnende Begriff „Gutmensch" und das brave Wort „Hausaufgaben" wurden jetzt von einer sich selbst zur moralischen Instanz geadelten Jury zu den Unwörtern des Jahres gekürt.

Damit outen sich die Verleiher des Preises selbst als Gutmenschen - weil sie den treffenden Begriff „Hausaufgaben" im Zusammenhang mit der griechischen Finanzkrise für eine „unangemessene Arroganz" halten. Der Gutmensch liebt seine Moral, neigt zur seichten einspurigen Sichtweise und mag negative Fakten nicht benennen. Rosa ist seine Lieblingsfarbe und Nächstenliebe soll alles heilen. Gern huldigt er dem „Schönreden" und „unter den Teppich kehren".

Der Begriff „Gutmensch" ist nicht so naiv-plump, wie es scheint - und die lobenswerte Hilfsbereitschaft im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, mit ihm abqualifizieren zu wollen, ist allerdings völlig falsch.

Mutter Theresa war, und alle Flüchtlingsversorger sind keine Gutmenschen, sondern schlicht: Gute Menschen. Dass sie spontan helfen ist ein überaus sympathischer Zug, der Anerkennung verdient. „Hilfsbereitschaft" dem Gutmenschentum zuzuordnen, würde auf einer Fehlinterpretation des „Unwortes" beruhen.

Sarkastisch-boshaft kann man sagen: Der Gutmensch trägt sein Gutsein wie eine Monstranz vor sich her und schmilzt mehr oder weniger theatralisch dahin, weil er vom Bösen so gebeutelt ist. Der Hardcore-Gutmensch ist ein Überzeugungstäter, er ist quasi vom Gutsein besessen.

Sein größtes Manko: Er denkt nicht in die Tiefe - die Folgen seines Gutseins überblickt er nicht. Er sonnt sich heimlich ob seiner guten Taten und putzt verstohlen seinen Heiligenschein. Das Gutsein nährt sein Ego. Das Gutmenschentum ist traditionell innerhalb der kirchlichen Fraktion zuhause, man findet es aber auch bei politischen Parteien, wo es manchmal mit heuchlerischen Zügen behaftet ist.

Gutmenschen sind keine Realisten sondern Pauschal-Weltumarmer. Sie differenzieren nicht und erfassen nicht die Tragweite ihres Handelns. Das macht sie gefährlich, besonders wenn sie als Politiker in der Verantwortung stehen. Denn: Das Böse ist immer und überall - und das Böse nicht zu erkennen, es gar nach Gutmensch-Art liebkosend zu umarmen, endet in der Regel böse.

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