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Wenn der Staubsauger zum Spion wird: So sammeln deine Haushaltsgeräte persönliche Daten

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CLEANING ROBOT
Onfokus via Getty Images
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Klein und putzig sind sie ja irgendwie, die sogenannten Staubsaugerroboter, die bereits in vielen Haushalten ihren Dienst tun.

Die Idee ist so einfach wie einleuchtend: Das kleine scheibenförmige Gerät fährt ohne menschliches Zutun selbständig die Wohnung ab und sammelt dabei Krümel, Tierhaare und Hausstaub ein, bevor es wieder zurückfährt an seine Ladestation.

Im Idealfall passiert das alles, wenn sonst niemand zuhause ist. Hausarbeit, die sich selbst erledigt, - eine tolle Idee.

Eher weniger erfreulich ist allerdings eine Ankündigung von einem der wesentlichen Hersteller - "IRobot" bekannt durch den "Roomba" Staubsaugerroboter.

Daten sind das "neue Öl"

Der CEO dieser Firma hat vor kurzem in einem Interview angekündigt, die Daten, die seine Staubsauger über die Haushalte ihrer Kunden gesammelt haben, verkaufen zu wollen. Der Staubsaugerroboter wird zum Spion, späht Sie aus und verrät: Wie groß ist Ihre Wohnung? Wie ist sie möbliert? Was steht wo? All das war bisher eigentlich eine sehr private Angelegenheit. Roomba schickt sich an, das zu ändern.

Da steht ein Bücherregal, dort passt noch ein Sessel rein ... Nicht nur Möbelhändler sind an derartigen Informationen interessiert. Dass mit dieser Ankündigung, die Datenschützern Zornesröte ins Gesicht treibt, der Aktienkurs des Unternehmens gestiegen ist, verwundert schon niemanden mehr.

Daten sind schließlich "das neue Öl" heißt es landauf landab und das Unternehmen hat hier wohl eine neue Quelle gefunden. Roomba ist mit derartigen erschreckenden Eingriffen in das Leben seiner Nutzer nicht allein.

Mehr zum Thema: Identity Leak Checker: Dienst prüft, ob Daten im Netz sind

Vor einigen Jahren bereits wurde der Hersteller von Navigationsgeräten TomTom dabei erwischt, wie er Daten über das "zu schnell Fahren" seiner Kunden an niederländische Behörden verkauft hat. Die dortige Polizei bedankte sich prompt per Pressemitteilung.

TomTom sprach - damit konfrontiert - mir gegenüber zwar von einem "bedauerlichen Lizenzierungsfehler", aber das kann dem ausgespähten Kunden letztendlich egal sein. Entscheidend ist immer, in wessen Händen die Daten letztendlich landen. Und das ist
zunehmend unbestimmbar.

Auf den putzigen Staubsaugerroboter bezogen bedeutet dies, dass sichergestellt werden muss, dass die Daten etwa nicht an das organisierte Verbrechen gelangen, denn Einbruchsdiebstahl ist längst eine professionelle arbeitsteilige Angelegenheit, die vom Wissen über Wohnungsgrundrisse und Einrichtungsgegenstände massiv profitieren könnte.

Persönliche Daten waren plötzlich für jeden zugänglich

Es gehört wenig Phantasie dazu, sich hier eine düstere Zukunft auszumalen.

Aber wer soll das sicherstellen? Wer kann das garantieren? Die Firma iRobot ist zwar noch nicht durch Datenlecks aufgefallen, aber zahlreiche andere Anbieter, die unseren Alltag vernetzen, ob im Smartphone, im Kühlschrank, der Geschirrspülmaschine, dem Fernseher oder bei der Überwachungskamera.

Bei all diesen Produkten gab es schon Datenlecks, bei denen persönliche Daten plötzlich für Menschen zugänglich waren, die diese nichts angehen. Warum sollten wir einem beliebigen Staubsaugeranbieter hier mehr vertrauen können als den allesamt betroffenen renommierten Herstellern der genannten Geräte, wenn schon die ein oder andere Regierung - mit sicher mehr Budget für IT-Sicherheit als jedes kommerzielle Unternehmen - nicht auf die Daten ihrer Bevölkerung aufpassen kann.

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So ist in Schweden gerade bekannt geworden, dass unter anderem die persönlichen Daten von Luftwaffenpiloten, Angehörigen von Spezialeinsatzkräften und Personen im Zeugenschutzprogramm (!) versehentlich öffentlich zugänglich waren.

Dass die dafür Verantwortliche nun eine Geldstrafe von 70 Tausend schwedischen Kronen (gut 7000 Euro) wegen des "sorglosen Umgangs mit geheimen Informationen" zahlen muss, ist für die Betroffenen, die nun unter Umständen um Leib und Leben fürchten müssen, ein schwacher Trost.

Anders gesagt: Sind die Daten erstmal da, also erhoben und gespeichert, finden sie schon neue Verwendung, gehen früher oder später "verloren" oder werden unfreiwillig öffentlich. Wir sollten dies aus gut 20 Jahren Erfahrung mit dem Internet eigentlich wissen.

Wegschauen geht nicht

Anders formuliert: Die Kopf-in- den-Sand-Strategie funktioniert nicht. Jetzt, wo das sogenannte "Internet der Dinge" den persönlichen Lebensraum eines jeden von uns tangiert, brauchen wir klare Regeln und Verantwortlichkeiten für die Anbieter.

Solange diese nicht da sind und konsequent durchgesetzt werden, kann sich jeder von uns nur selbst schützen. Aber wer liest schon das Kleingedruckte? Es ist Zeit, endlich damit anzufangen und bewusster einzukaufen.

Mehr zum Thema: Fiese Masche: So stehlen Diebe jetzt das Wertvollste in eurem Geldbeutel - und ihr merkt es nicht

Vielleicht tut es Ihr guter alter analoger Miele- oder Vorwerk-Staubsauger auch noch ein paar Jahre, bis sich "der Staub" über dem Internet der Dinge gelegt hat und wir die Regeln des Zusammenspiels neu ausgehandelt haben.

Von Thomas Köhler, IT-Unternehmer und Experte für Digitalisierung und IT-Sicherheit

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