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Steuerhinterziehung - kein Problem!

11/03/2014 09:41 CET | Aktualisiert 11/05/2014 11:12 CEST

Die vermeintlich gigantischen Summen, die dem Staat angeblich durch Steuerhinterziehung jedes Jahr verloren gehen, sind reine Fantasiezahlen. Ein gesellschaftliches Problem, das der Allgemeinheit schadet, ist die Steuerhinterziehung definitiv nicht.

Steuerhinterzieher wie Alice Schwarzer und Uli Hoeness, der sich in Kürze vor Gericht verantworten muss, sind für viele Deutsche nur die Spitze des Eisbergs. Auch das Netzwerk Steuergerechtigkeit schlägt Alarm: Durch Steuerhinterziehung würden jedes Jahr weltweit sagenhafte drei Billionen Dollar verloren gehen. Wen wundert´s, dass bei derart viel Geld jeder Wohlhabende als ein potenzieller Steuerbetrüger gilt.

Nüchtern betrachtet, belegen die Zahlen jedoch nur, dass Steuerhinterziehung längst nicht so viel Schaden anrichtet, wie behauptet wird. Das zeigen die seit dem Jahr 2010 gekauften Steuer-CDs. Durch sie hat der Fiskus bisher drei Milliarden Euro eingenommen. Das klingt nach einem hübschen Sümmchen, ist aber bescheiden, wenn man bedenkt, dass es sich dabei in den meisten Fällen um Steuernachzahlungen von zehn Jahren handelt, inklusive Strafzinsen von sechs Prozent.

Peanuts

Der jährliche steuerliche Schaden beträgt daher höchstens 230 Millionen Euro. Absolut erscheint die Zahl hoch, im Vergleich zum Gesamtsteueraufkommen von 620 Milliarden (2013) jedoch ist sie ein Klacks, der nur knapp 0,04 Prozent ausmacht. Das reicht gerade einmal für 20 Kilometer Autobahnbau.

Zudem wird nicht mehr allzu viel zu holen sein. Die bisher erworbenen CDs stammen von den größten Schweizer Banken. Seitdem gingen viele Selbstanzeigen wohl auch von Steuersündern ein, die Konten bei anderen Banken unterhielten. Wer bedenkt, dass die Schweiz das beliebteste Versteck deutscher Steuersünder gewesen sein soll, erkennt, dass nur noch wenige Hinterziehungen unentdeckt geblieben sein dürften.

Höhere Quellensteuer

Denn für in Steuerfragen informierte Anleger machen Anlagen in den meisten sogenannten Steueroasen ohnehin keinen Sinn, in der Schweiz schon gar nicht. Denn was in der öffentlichen Debatte verschwiegen wird: Die Schweiz erhebt Quellensteuer auf Kapitaleinkünfte, auch auf die deutscher Möchtegern-Steuersünder. Noch dazu saftige 35 Prozent, wogegen in Deutschland nur 25 Prozent fällig wären. Diese 35 Prozent sind von den Einkünften aus Schwarzgeld auf jeden Fall weg.

Steuern gespart hat man mit Schwarzgeld in der Schweiz also nicht. Wer seine Kapitaleinkünfte in Deutschland korrekt deklariert, zahlt nochmal 25 Prozent. Die 25 Prozent, die in Deutschland fällig sind, werden auf Antrag vom Schweizer Finanzamt nur dann rückerstattet, wenn dieser Antrag vom zuständigen deutschen Finanzamt abgestempelt wird. Unterm Strich zahlt man also 35 Prozent, egal, ob die Einkünfte deklariert wurden oder nicht. Anleger haben also keinen Anreiz zum Verstecken von Kapitaleinkünften in der Schweiz.

Nur Unbedarfte

Diejenigen, die dort Geld verstecken wollen, sind daher wahrscheinlich in Finanzfragen sehr unbedarft. Beispielsweise Alice Schwarzer. Nach eigener Aussage legte sie ein Schweizer Konto angeblich aus der Angst an, Deutschland wegen der gegen sie vorgebrachten Anfeindungen dauerhaft verlassen zu müssen. Vermutlich bekam sie dann einen Schreck beim ersten Kontoauszug: 35 Prozent waren weg, und vielleicht war sie über den Mechanismus der Rückerstattung nicht informiert und dachte, wenn sie nun auch noch deutsche Steuern zahlt, bliebe fast nichts übrig.

Manch anderer in Finanzfragen ähnlich unbedarfter Steuersünder dürfte über die Rückerstattung genauso wenig Bescheid wissen und versteckt Schwarzgeld im Irrglauben, Steuern zu sparen. Doch dürfte sich dieses Unwissen auf eine relativ kleine Gruppe beschränken.

Deutschland profitiert

Die wirklich großen Vermögen werden professionell verwaltet, und jeder seriöse Vermögensberater klärt seine Kunden über steuerliche Aspekte auf. Ob Menschen wirklich im großen Stil absichtlich Steuern hinterziehen, wenn sie davon keinen Vorteil haben, darf bezweifelt werden. Zumal die Schweiz nicht das einzige Land ist, das eine Quellensteuer erhebt. Die meisten Vermögen, die in sogenannten Steueroasen liegen, bleiben nicht wirklich dort, sondern werden in Ländern wie Deutschland investiert. Also dort, wo Kapital benötigt wird. Somit profitiert auch Deutschland über seine Quellensteuer von den angeblich steuerfrei versteckten Vermögen.

Fazit: Steuerhinterziehung muss natürlich schon aus Prinzip bekämpft werden; ein gesellschaftliches Problem, das die Allgemeinheit gigantische Summen kostet, ist sie definitiv nicht.

blog: http://alternativlos.tk/

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