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Notenbanken senken Zinsen: Tipps für Anleger

10/09/2015 16:06 CEST | Aktualisiert 10/09/2016 11:12 CEST
Bloomberg

Immer, wenn die Notenbanken in den vergangenen Jahren quantitative Maßnahmen, also den Kauf von Anleihen am Markt, beschlossen haben, jubelten die Anleger. In der Tat floss immens viel von dem Geld, das die Notenbanken der Industrieländer seit der Finanzkrise gedruckt haben, an die Kapitalmärkte. Das ist gut für Anleger. Aber kostenlos gibt es das alles nicht.

Lassen Sie mich aber zuerst die Beweggründe für diese Maßnahmen darlegen. Seit der Finanzkrise haben die fünf führenden Notenbanken der Welt (die Fed in den USA, die EZB, die Bank of Japan, die Bank of England und die Schweizer Zentralbank) ihre Bilanzsumme von zwei Billionen US-Dollar auf mehr als zehn Billionen Dollar ausgeweitet.

Das Ziel davon ist es, das seit der Finanzkrise schwache Wirtschaftswachstum anzuschieben und eine deflationäre Entwicklung zu verhindern. Hinter Letzterem steckt vor allem die Sorge vor einer weltweiten Deflationsspirale, die in Rezession und steigender Arbeitslosigkeit münden könnte.

Dazu kommt aber noch ein wichtiger Nebeneffekt dieser expansiven Geldpolitik: Die Renditen von Staatsanleihen bleiben niedrig. Die Industriestaaten nämlich sind hoch verschuldetet. Insgesamt betragen die Staatsschulden laut Berechnungen der Unternehmensberatung McKinsey fast 60 Billionen Dollar.

Und fast drei Viertel davon kommt von den USA, Europa und Japan. Steigen die Zinsen, würde auch der Schuldendienst dieser Länder steigen und würde vermutlich das eine oder andere Land an den Rande des Staatsbankrotts bringen. Die Notenbanken werden einen Zinsanstieg deshalb tendenziell auch eher hinauszögern.

Gefahr der Blasenbildung steigt

Was bedeutet das alles nun für Anleger? Zunächst einmal heißt das, dass es mit Zinspapieren sowie mit Tagesgeld nichts mehr zu verdienen gibt. Zugleich werden die Investoren in höher rentierliche, und damit in der Regel riskantere Anlagen gedrängt.

Das funktioniert so: Der risikofreie Zinssatz dient als natürliches Regulativ in einer Volkswirtschaft. Wird er nach unten manipuliert, verleitet dies Anleger dazu, für ein kleines Renditeplus über den risikofreien Zins hinaus überproportional hohe Risiken einzugehen.

Lassen Sie mich das am Beispiel des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) einer Anleihe, wie es die US-Notenbank Fed berechnet, erläutern. Dieses KGV gibt an, wie lange ein Anleger eine Anleihe halten muss, bis er das investierte Kapital über die jährliche Zinszahlung wieder zurück erhält. Bei einer zehnjährigen Bundesanleihe, deren Rendite Mitte August 0,62 Prozent beträgt, liegt das KGV demnach bei rund 160.

Vergleichen wir dies nun mit der Bewertung von Aktien, dann erscheinen diese auch mit einem KGV von 50 oder 60 noch billig. Obwohl eine solche Bewertung deutlich über dem historischen Durchschnitt liegt. Eine erste Konsequenz aus der expansiven Geldpolitik ist das zunehmende Risiko von Spekulationsblasen.

Das bedeutet, dass einzelne Segmente des Kapitalmarktes - das kann der Aktienmarkt sein oder Teile davon, der Markt für Unternehmensanleihen oder der Immobilienmarkt oder auch alle zusammen - viel zu hoch bewertet sind.

Expansive Geldpolitik fördert Marktvolatilität

Die Folge: Anleger sollten mit scharfen Korrekturen am Markt rechnen. Diese Gefahr nimmt vor allem dann zu, wenn die Notenbanken damit beginnen, aus der extrem expansiven Geldpolitik auszusteigen.

Das wiederum heißt, den Kapitalmärkten wird die Liquidität, die diese zuvor nach oben getrieben hat, entzogen. Spekulationsblasen platzen und die Auswirkungen können auch in der Realwirtschaft, zum Beispiel in Form einer Rezession spürbar sein.

Dass das passiert, ist nicht unwahrscheinlich. Denn die Notenbanken befinden sich in einer Art Zwickmühle. Wenn sie mit der Zinserhöhung zu lange warten, heizen sie die Blasen weiter an. Erhöhen sie die Zinsen zu früh, dann riskieren sie Turbulenzen am Markt und das Abwürgen der Konjunktur. Anleger sollten also in jedem Fall mit zunehmenden und heftigen Kursschwankungen an den Kapitalmärkten rechnen.

Was man jetzt machen sollte

Was können Anleger tun? Der erste wichtige Punkt: Das Vermögen breit streuen, um die Risiken zu reduzieren. Das bedeutet auch, alternative Anlagen, abseits der traditionellen Anlageklassen Aktien und Anleihen, beizumischen.

Der zweite Punkt: Anleger müssen sehr genau analysieren, ob ein Investment eine dem Risiko entsprechende Rendite bietet oder ob die Bewertung nicht zu hoch ist.

Drittens: Anleger sollten darüber nachdenken, Teile ihres Portfolios - zumindest vorübergehend - abzusichern.

Fazit: Das aktuelle Umfeld an den Kapitalmärkten ist ein recht ungewöhnliches. Und es steckt voller Tücken und Risiken. Wer sein Geld langfristig für die Altersvorsorge angelegt hat, sollte sich dieser Risiken bewusst sein. Und sein Portfolio am besten von einem Experten dahingehend überprüfen lassen, ob es denn auch für dieses Umfeld noch solide aufgestellt ist.

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