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Mischfonds - Marketing-Gag oder sinnvolle Ergänzung?

18/10/2015 11:49 CEST | Aktualisiert 18/10/2016 11:12 CEST
ullstein bild via Getty Images

Mischfonds gelten als Alleskönner unter den Investmentfonds. Deren Idee ist sehr überzeugend: Da sie in Aktien und Anleihen gleichermaßen investieren können, sollen sie in jedem Marktumfeld ein gutes Ergebnis liefern können.

Laufen die Aktienkurse nach oben, dann sind sie ganz oder zumindest zu erheblichem Teil am Aktienmarkt investiert und profitieren von steigenden Notierungen. Kracht es an den Börsen aber, dann schichten sie das Geld in Anleihen oder in Cash um und begrenzen so die Verluste und erzielen über die Rentenpapiere sogar noch ein kleines Plus.

Soweit die Theorie. In der Praxis sieht dies anders aus, wie zahlreiche Untersuchungen belegen. Nur wenigen Mischfonds gelingt es demnach, ihre jeweilige Benchmark zu schlagen. Also die Hände weg von Mischfonds?

Maximale Aktienquote

Ganz so einfach ist es nicht. Zunächst einmal muss man berücksichtigen, dass es eine Vielzahl unterschiedlicher Mischfonds gibt. So gibt es defensiv ausgerichtete Produkte, bei denen die maximale Aktienquote nur bei zehn oder 20 Prozent liegt. Bei anderen Mischfonds wiederum kann der Manager die Aktienquote zwischen Null und 100 Prozent steuern.

Die Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen Mischfonds ist aus diesem Grund eingeschränkt und die Analysen, die die Fonds in der Regel mit einer statischen Portfolioaufteilung zwischen Aktien und Anleihen vergleichen, deshalb auch mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Mischfonds als Einstieg in den Aktienmarkt

Ein defensiver Mischfonds zum Beispiel, bei dem die Aktienquote auf zehn oder 20 Prozent beschränkt ist, wird also in einer Boomphase immer schlechter abschneiden als ein Portfolio, das zu je 50 Prozent aus Aktien und Anleihen besteht. Umgekehrt müssen Anleger bei einem offensiven Mischfonds damit rechnen, dass der Fondsmanager nicht immer den richtigen Ausstiegszeitpunkt am Markt findet und dass der Fonds deshalb Verluste einfährt. Denn es ist so gut wie unmöglich, immer im richtigen Augenblick in der richtigen Anlageklasse zu sein.

Wer das alles aber im Hinterkopf behält, für den können diese Produkte aber sehr wohl interessant sein. Und das gilt umso mehr, im Umfeld historisch niedriger Zinsen, in dem Aktien für die langfristige Geldanlage nach wie vor alternativlos sind. Wer aber noch keine Erfahrung mit der Aktienanlage hat, für den kann ein defensiver Mischfonds, der zehn bis 20 Prozent Aktien beimischt, ein guter Einstieg sein. Insgesamt scheint diese Sichtweise hierzulande immer mehr Anhänger zu finden.

So vermeldete der Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) in den ersten sieben Monaten dieses Jahres mit 26,9 Milliarden Euro einen Rekordzuwachs bei den Nettomittelzuflüssen in Mischfonds. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum 2014.

Nicht nur auf die Performance achten

So positiv das ist, so viele Risiken birgt das aber auch. Wer sich nicht ausreichend mit dem Thema Mischfonds auseinandersetzt und bei der Fondsauswahl primär auf die Performance achtet, der dürfte schnell wieder enttäuscht werden. Denn die Performance liefert zwar einen guten Hinweis auf die Leistung des Fondsmanagements in der Vergangenheit. Ob er das in der Zukunft wiederholen kann, ist aber fraglich.

Stattdessen sollte sich ein Anleger erst einmal überlegen, wie viel Risiko ertragen kann und was er von einem Mischfonds erwartet. Daraus ergibt sich, ob eher ein defensiver, ein ausgewogener oder ein offensiver Mischfonds zu ihm passt. Dann gilt es bei den in Frage kommenden Produkten verschiedene Kennzahlen zu vergleichen.

Zum Beispiel die Höhe der Kursschwankungen, die so genannte Volatilität. Anleger können daraus ersehen, mit welchen Kursschwankungen sie bei dem jeweiligen Fonds rechnen müssen. Aber auch der maximum Drawdown, also der maximale Verlust eines Fonds einer bestimmten Periode, kann hilfreich bei der Wahl des passende Produkts sein.

Sharpe-Ratio

Eine weitere wichtige Kennzahl ist die Sharpe-Ratio. Sie misst die Mehrrendite eines Fonds gegenüber dem risikofreien Zinssatz bezogen auf das eingegangene Risiko. So sind auch unterschiedlich ausgerichtete Fonds vergleichbar. Ebenfalls interessant kann ein Blick auf das Alpha sein. Es gibt Aufschluss darüber, ob es dem Fondsmanager in der Vergangenheit gelungen ist, eine Mehrrendite gegenüber dem Markt zu erzielen. Ob dies dann auf Können oder Glück zurückzuführen ist, ist freilich eine andere Frage.

Einfach ist eine solch umfangreiche Recherche aber nicht. Dazu braucht es Erfahrung und tiefes Wissen. Und das kostet Zeit und ist gerade für Anleger, die sich noch nie mit Fonds befasst haben, keine leichte Aufgabe. Wer das nicht selbst machen möchte, der sollte sich deshalb Unterstützung von einem qualifizierten und erfahrenen Finanzexperten holen. Besonders ein Honorarberater achtet auch darauf, dass ein Mischfonds nicht nur zu den persönlichen Bedürfnissen des Anlegers, sondern auch zum übrigen Portfolio passt.

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