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So legt ihr euer Geld am besten an

24/11/2015 14:37 CET | Aktualisiert 24/11/2016 11:12 CET
Tom Merton via Getty Images

Als die Staatsschuldenkrise der Eurozone im Jahr 2012 ihren Höhepunkt erreichte, empfahlen Anlageexperten eine internationale Diversifikation der Anlage in andere Währungsräume.

Grundsätzlich ist das eine durchaus vernünftiger Rat. Schließlich kann eine internationale Diversifikation die Risiken im Portfolio reduzieren und Anleger können sich damit auch außerhalb des Euroraums attraktive Renditechancen erschließen.

Anleger sollten dabei aber die Risiken unbedingt ausreichend im Blick zu behalten. Da es sonst ein böses Erwachen geben kann. Sehr beliebt waren im Jahr 2012 zum Beispiel auf die norwegische Krone lautende Staatsanleihen.

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Beispiel Norwegen

Die Wirtschaft des Landes wuchs damals mit soliden 2,7 Prozent, das Land hatte ein AAA-Rating, was der höchstmöglichen Bonität entspricht, und die Staatsanleihen des skandinavischen Landes brachte damals einen kleinen Renditevorsprung gegenüber Bundesanleihen gleicher Laufzeit.

Für Anleger, die allerdings nicht rechtzeitig wieder ausstiegen, ging die Wette dennoch nicht auf. Schließlich ist Norwegens Wirtschaft in erheblichem Maße von Ölexporten abhängig und als der Ölpreis Mitte 2014 abstürzte, ging auch das Wirtschaftswachstum des Landes zurück und die Währung begann abzuwerten.

Insgesamt verlor die Krone gegenüber dem Euro in den vergangenen drei Jahren rund 20 Prozent an Wert.

Anleger sollten Wechselkursschwankungen nicht unterschätzen

Noch drastischer fiel in den vergangenen Jahren die Entwicklung der Währungen etlicher Schwellenländer aus. So droht Brasiliens Wirtschaft derzeit in die Rezession zu rutschen. Dazu kam ein Korruptionsskandal um den Ölkonzern Petrobras.

Die Folge: Anleger zogen ihr Kapital aus dem Land ab und der brasilianische Real büßte im Verlauf eines Jahres rund 30 Prozent gegenüber dem Euro ein. Für die türkische Lira ging es in drei Jahren um rund 27 Prozent nach unten, der Rubel verlor im gleichen Zeitraum sogar über 40 Prozent.

Zahlen, die belegen, dass ein auf den ersten Blick recht komfortabler Renditevorsprung von vielleicht vier oder fünf Prozentpunkten rasch aufgezehrt sein kann. Also Hände weg von Fremdwährungen? Nein, denn eine internationale Diversifikation macht aus den genannten Gründen sehr wohl Sinn.

Weniger Unsicherheit

Allerdings müssen Anleger den Währungsteil in ihrem Portfolio richtig managen. Nur dann bringt eine Streuung über verschiedene Währungen auch einen wirklichen Vorteil für das Portfolio und nicht mehr Unsicherheit.

Direkte Währungswetten zum Beispiel eignen sich dafür kaum. Zwar sind Prognosen für den Kapitalmarkt grundsätzlich schwierig. Für Währungen gilt das aber in ganz besonderem Maße. Die Entwicklung von Wechselkursen wird nicht nur von fundamentalen makroökonomischen Daten getrieben, sondern auch erheblich von der Politik und den Notenbanken.

Beide verfolgen jedoch oft ganz andere Ziele als die Investoren. Auf die Entwicklung einzelner Währungen zu setzen, bedeutet deshalb viel Spekulation und eher eine Erhöhung des Risikos im Portfolio.

Vorsicht bei Fremdwährungsanleihen

Die zweite Möglichkeit, sich andere Währungsräume ins Portfolio zu holen, sind Fremdwährungsanleihen. Wie die obigen Beispiele aber zeigen, kann hier die Währungskomponente enorme Risiken für das Portfolio mit sich bringen.

Grundsätzlich gilt es hier, sehr vorsichtig zu sein und entweder die Auswahl einzelner Titel einem Profi, zum Beispiel einem erfahrenen Fondsmanager, zu überlassen. Oder sich gleich für einen Fonds oder einen Exchange Traded Fund zu entscheiden, bei dem das Währungsrisiko abgesichert ist.

Die dritte Möglichkeit zur internationalen Diversifikation sind schließlich Aktien. Wer hier seine Anlage international streut, investiert automatisch in andere Währungen. Wer als Euro-Anleger zum Beispiel die Aktie eines Unternehmens kauft, die in den USA notiert ist, dessen Anlagerfolg setzt sich aus der Kursentwicklung, möglichen Dividendenzahlungen und der Wechselkursentwicklung zusammen.

Die erwartete Wechselkursentwicklung sollte jedoch, anders als bei Fremdwährungen, nur eine untergeordnete Rolle spielen. Stattdessen sollten die künftigen Geschäftsaussichten des jeweiligen Unternehmens oder des gesamten Marktes für einen Investor entscheidend sein, da sie maßgeblich die Kursentwicklung beeinflussen.

Und da die meisten Unternehmen heute ohnehin große Teile ihres Umsatzes außerhalb ihres Heimatlandes erzielen, macht eine Absicherung, die schließlich auch immer Kosten mit sich bringt, nur in Ausnahmefällen Sinn.

Währungsrisiken gut managen

Nicht nur in Euro zu denken, macht also Sinn. Nur gilt es eben Währungsrisiken gezielt einzugehen und diese gut zu managen. Das ist allerdings nicht immer einfach.

Es kann sich deshalb lohnen, sich Unterstützung von Experten zu holen, die mit Hilfe von Szenario-Analysen feststellen können, wie sich die jeweils eingegangenen Währungsrisiken auf ein Portfolio auswirken und wie Anleger diese, wenn nötig, kostengünstig absichern.

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