BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Thomas Eggert Headshot

Die neue Art von Jobbörsen - Recruiting verkehrt?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WORKING PEOPLE
Hero Images via Getty Images
Drucken

Dass sich das Recruiting in den letzten Jahren stark verändert hat, dürfte niemanden entgangen sein. Warum das so ist, hat vielfältige Gründe - das beginnt bei der Veränderung der Demographie und endet bei den neuen Möglichkeiten, die die Digitalisierung der Arbeitsprozesse mit sich bringt. Doch ist das schon genug?

Vermutlich nein, es genügt nicht, nur den bisherigen Prozess zu digitalisieren sondern der gesamte heutige Recruitingprozess muss sich verändern. Frei nach dem Motto: „Wenn Sie einen schlechten Prozess digitalisieren, dann haben sie einen schlechten digitalen Prozess".

Die Industrialisierung

Was heißt das nun konkret? Schauen wir uns doch mal die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten an. In der Zeit der Industrialisierung haben Unternehmen vor Ihren Werkstoren eine Tafel aufgestellt und hierüber kommuniziert, welche Stellen sie zu besetzen haben.

Das hat damals gut funktioniert, denn zum einen gab es Bewerber im Überfluss und zum anderen arbeiteten die Menschen in der Regel an ihrem Wohnort und da war es kein Problem, bei vorbeigehen diese Tafeln zu lesen. Das ist jetzt ca. 150 - 180 Jahre her, aber der Grundprozess der Stellenbesetzung ist immer noch gleich geblieben.

Im letzten Jahrhundert gab es weniger Tafeln an den Fabriken, dafür wurden Stellenanzeigen in Tageszeitungen veröffentlicht. Immer noch kein Problem in Zeiten der Babyboomer, wo man von Bewerbungen zugeschüttet wurde und als Unternehmen die Qual der Wahl hatte.

Hier sind dann auch aus der Not heraus Systeme wie schriftliche Testverfahren, Assessment Center usw. entstanden, um schnell und effizient aus einer Vielzahl an Bewerbern die richtigen Kandidaten zu filtern. Das Ganze natürlich mit einem enormen personellen Aufwand.

Das 21. Jahrhundert

Nun sind wir im 21. Jahrhundert, die Digitalisierung ist angeblich voll im Gange und der Prozess wurde jetzt digitalisiert. Die Online-Jobbörsen haben die Tageszeitungen verdrängt, Karriereseiten die Tafel vor dem Werkstor und Online-Assessment's mit Gaming-Charakter oder Interviews via Internet versuchen gerade die direkten und persönlichen Gespräche zwischen Menschen abzulösen.

Und die Zukunft bringt uns Roboter, die den ganzen Prozess übernehmen und die Bewerber ausfiltern und einstellen. Somit haben wir jetzt den ganzen Prozess digitalisiert: Die Stelle erscheint automatisch auf der Karriereseite des Unternehmen, der Bewerber pflegt seine Daten, diese Daten werden automatisch mit Stellenanforderungen verglichen und nachdem irgendjemand auf den Knopf gedrückt hat, wird der Kandidat automatisch eingestellt und bekommt seinen Arbeitsvertrag.

Alles Theorie?

Soweit die graue Theorie - doch hier wurde die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn jetzt kommt urplötzlich und komplett unvorbereitet die demographische Entwicklung dazwischen und jetzt hilft der optimal designte Prozess nicht mehr weiter - denn wir haben plötzlich zu wenig Bewerbungen und die ganzen Systeme haben nichts zu tun.

Jobsuchende haben es heute nicht mehr notwendig, sich bei vielen verschiedenen Karriereseiten zu bewerben, Jobsuchende haben es nicht mehr nötig, Stellenbörsen zu durchforsten und vor allem haben sie es satt, ständig von Headhuntern oder über die Social Media Kanäle von Recruitern angesprochen bzw. -geschrieben zu werden.

Neue Möglichkeiten

Abhilfe dafür schaffen jetzt neue Jobbörsen, wie zum Beispiel die neu gegründete SiiWii, die den Prozess an sich umdrehen - es handelt sich dabei auch nicht mehr um Jobbörsen sondern um Lebenslauf-Datenbanken.

Diese ermöglichen es dem Jobsuchenden, dass er nur einmal seine gesamten Daten wie Ausbildung, Erfahrung, Wunschstelle und -konditionen angeben muss und nun aktiv angeben kann, ob er bereit ist für eine neue Aufgabe.

Auf diesen Portalen können Unternehmen keine Stellenanzeigen aufgeben - vielmehr suchen sie gezielt über detaillierte Matchingverfahren die richtigen Kandidaten. Und das Ganze natürlich anonym und somit AGG-konform. Nun kann sich das Unternehmen bei dem Kandidaten bewerben, unter Angabe von Aufgabe, Konditionen, Leistungen, etc. Gefällt dies dem Jobsuchenden, kann er seine Kontaktdaten freigeben und der eigentliche Einstellungsprozess kann starten.

Eine neue Möglichkeit, die endlich den veränderten Gegebenheiten am Arbeitsmarkt gerecht wird.

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.