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Hurra, ich habe eine neue Schublade!

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Vom Babyboomer zur Generation Silberhaar

Bis jetzt habe ich mich in meiner Haut eigentlich ganz wohl gefühlt. Ich gehörte zur Generation der Baby Boomer in Deutschland und bin kurz vor dem Pillenknick zur Welt gekommen. Ich habe es trotz hoher Geburtsraten und somit viel Wettbewerb geschafft, einen Ausbildungsplatz zu finden, immer einen vernünftigen Job zu haben und privat eine Familie zu gründen und mit zwei Kindern genügend für die Finanzierung der Renten zu tun. Ich wusste bisher nicht so viel von meiner Generation, wie alle anderen heute zum Beispiel von der Generation Y wissen.

Unzählige Studien machen den neuen Generationen klar, welchen Job sie wollen, nach welchen Idealen sie streben und wie sie ihre Arbeitswelt gestalten wollen. Das Gute daran ist aber auch, dass sich diese Generationen ihre Studien aussuchen können, denn komischerweise haben diese Studien teilweise komplett konträre Aussagen. Die einen schreiben, dass die neue Generation nur noch freizeitorientiert ist, eine hohe Work-Life-Balance fordert und dass das Gehalt nur eine untergeordnete Rolle spielt, die anderen schreiben, dass das Gehalt das wichtigste Kriterium ist, gefolgt von banalen Themen wie der beruflichem Perspektive.

Ich glaube, es gibt kaum eine Generation, über die so viele Studien erstellt wurden und Personalabteilungen ihre komplette Strategie darauf abgestimmt haben - angefangen beim Recruiting über das On-Boarding bis hin zur Führungskultur. Ganze Unternehmen wurden und werden auf diese Generation eingestellt.

Doch Gott sei Dank gibt es jetzt endlich auch etwas für mich - ich bin jetzt die "Generation Silberhaar" und schon haben wieder ein paar Berater die Chance ergriffen, sich darüber Gedanken zu machen. Und endlich sagt auch jemand, wie ein Unternehmen mit mir umgehen muss.

Denn die Generation Silberhaar benötigt nun auch einen eigenen Führungsstil und eigene Personalentwicklungsmaßnahmen und ich warte nur darauf, dass es auch spezielle Recruitingstrategien dafür gibt (oder gibt es die schon und ich habe sie verpasst, kann ja durchaus sein. Denn ich gehöre ja nicht zur Generation Y, die hochinformiert ist und nur noch in den Social-Media-Kanälen kommuniziert). Wieso nicht ein Jobportal für Silberhaare? Und im Unternehmen braucht man nun altersgerechte Führung, Arbeitsorganisation, Ermutigung und positives Feedback.

Ganz ehrlich? Ich kann dieses ganze Schubladendenken nicht mehr hören und sehen!

Sollten wir uns denn nicht viel mehr auf das Individuum konzentrieren? Sicherlich bringt das einige schwierige Herausforderungen mit sich. Wir müssen situativ und auf den einzelnen Menschen angepasst führen. Wir müssen uns bei jeder neu zu besetzenden Stelle überlegen, wie wir die richtigen Kandidaten finden, unabhängig von einer Generation, aber abhängig davon, auf welchen Kanälen sich die potentiellen Bewerber bewegen und was sie anspricht. Wir müssen in der Personalentwicklung auf Personen und Bedarfe zugeschnittene Maßnahmen ergreifen und nicht Maßnahmen, die eine gesamte Generation betreffen.

Um aber nicht missverstanden zu werden, ich will hier nicht alle Initiativen über den berühmten einen Kamm scheren. Da gibt es zum Beispiel die Bundesinitiative 50+, die sich viel Gedanken um die demografische Entwicklung macht und wie man ihr entgegenwirken kann. Hier geht es aber um nachvollziehbare Fakten und nicht um pauschale Aussagen, wie eine ganze Generation zu führen ist.

Ach, was bin ich froh, nun endlich auch einer pauschalen Generation anzugehören!