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Social Media Weekly: Der CDU Regenbogen-Geburtstag mit griechischer Begleitmusik

02/07/2015 09:11 CEST | Aktualisiert 02/07/2016 11:12 CEST
Getty bearbeitet

Am Montag, den 29. Juni 2015, feierte die CDU ihren 70. Geburtstag. Der große Festakt aber war im Social Web eher eine Randnotiz. Nur gut 3.300 Tweets identifizierte unser Social Analytics Tool Attensity Analyze dazu. Peanuts im Vergleich zum Thema „Ehe für alle". Mit dem Rückenwind des Supreme Court Richterspruches in den USA und dem Christopher Street Day in Berlin kamen dazu knapp 32.000 Tweets zusammen. Das Dauerbrennerthema Griechenland kam nach der Ankündigung des Volksreferendums durch den griechischen Ministerpräsident Tsipras sogar auf gut 150.000 Tweets.

Während beim Thema Griechenland 76 % der tonalen Tweets wie erwartet - wenn auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln - negativ waren, feierte das Social Web die Ehe für alle mit mehr als 71 % positiven Tweets. Nur bei der CDU-Geburtstagsfeier - tja, was soll man da sagen. Irgendwie täuschte da das Stimmungsbild. 90 % der tonalen Aussagen waren augenscheinlich positiv. Der Anteil der Tweets, die tonale Aussagen enthielten, lag allerdings bei unterdurchschnittlichen 5 % - in der Regel enthalten je nach Thema 10-15 % der Tweets eindeutige tonale Aussagen. Und wenn man sich die positiven Aussagen mal so anschaute, troff es nur so vor Ironie, so z.B. bei @JoeCandies:

Artige Glückwunsch-Tweets wie der von der CSU waren eher selten und auch nicht sonderlich beliebt bei den Twitter-Nutzern, wie die magere Retweet-Ausbeute zeigte:

CDU-Bashing fand da mehr Freunde, auch wenn es sich bei dem Tweet von @Heidrich75 natürlich um politisch völlig unkorrekte Altersdiskriminierung handelt:

Das Image der CDU bei den Twitter-Usern: alt, verstaubt, dement, starrsinnig. Beste Voraussetzungen, um als Kinderschreck die pädagogische Erziehungsarbeit zu bereichern, meint jedenfalls @vonFriedland:

Dabei steht die CDU doch für gesellschaftliche Werte! Und das schon seit 70 Jahren!

Mit dem Alter kommen allerdings auch die Zipperlein. Magenbeschwerden zum Beispiel oder ein „komisches Bauchgefühl" der CDU-Spitze bei Themen wie der Ehe für alle oder wenn man Neuland wie das komische Internet betritt, stellt @aronvloggt fest:

Da sind andere Länder schon weiter. Am vergangenen Freitag entschied der Supreme Court der USA, dass die amerikanische Verfassung ein Recht auf gleichgeschlechtliche Eheschließungen garantiere und dass einzelne Bundesstaaten solche Ehen nicht verbieten dürften.

Aber in Deutschland vertrauen wir weiter auf das lebenserfahrene Bauchgefühl von Mutti - wer braucht da schon einen Volksentscheid oder einen Richterspruch, fragt sich @habichthorn:

Die Social Media Gemeinde begrüßte die Entscheidung des Supreme Court jedenfalls nachdrücklich. Und um das zu verdeutlichen erstrahlen diverse Posts in allen Farben des Regenbogens:

Fast schon euphorisch muteten manche Kommentare an. So sammelte beispielsweise der Tweet von @PietSmiets über 347 Retweets und wurde mehr als 1.600 Mal favorisiert. @sL1z0r kommentierte den Tweet süffisant in Richtung Kanzlerin:

Teilweise herrschte in der Twitter-Gemeinde ungläubiges Stauenen, so z.B. bei @mspro:

Der Satiriker Jan Böhmermann (ZDF Neo Magazin Royal) spitze den Widerspruch, dass ausgerechnet die USA uns in dieser Frage voraus ist, gekonnt zu. Im Youtube Video, das Böhmermann mit seinem Tweet teilt, kommt Regierungssprecher Seibert denn auch in Erklärungsnöte - und ins Schwitzen. @JanBoehm platzierte sich mit diesem Tweet beim Thema Ehe für alle einsam an der Spitze der Top-Retweets:

Da kam sogar ausnahmsweise ein Tweet von Das-Leben-ist-schön-und-ich-liebe-Euch-alle!-Youtube Star Sami Slimani nicht mit:

@ziesmannmedia schlug mit diesem Tweet in die gleiche Kerbe wie Jan Böhmermann:

Die Koinzidenz des 70. Geburtstages der CDU mit der Supreme Court Entscheidung kann man durchaus für eine merkwürdige Art von Humor halten, so wie @qualitaetsfern:

Das CDU Geburtstagsfest stand thematisch also wider Willen im Zeichen des Regenbogens. Und dann waren ja noch die griechischen Misstöne bei der Begleitmusik. Da half auch keine Schweigeminute vor dem Geldautomaten:

Die CDU hätte das Thema Griechenland gerne strikt von der Geburtstagsfeier getrennt. Aber so ganz gelang das nicht:

Hätte Angie beim Geburtstagsbuffet eine Olive gegessen, wäre das vermutlich auch als rückhaltlose Unterstützung der Griechen gewertet worden.

Für Finanzminister Wolfgang Schäuble hingegen „isch over" - und zwar schon längst. Der hätte vermutlich viel lieber einen Geburtstagssekt getrunken als sich mit dem griechischen Referendum zu beschäftigen. Manchmal haben Diktaturen ja was für sich, meint auch @astefanotisch:

Dieses #Greferendum hatte der griechische Premierminister Tsipras vermutlich auch nur ins Spiel gebracht, um der CDU die Geburtstagsparty zu sprengen. Was ist das überhaupt für ein absurdes Ansinnen, fragt sich auch @bundesvogel:

Das Thema Griechenland bleibt dem Social Web angesichts der aktuellen Entwicklungen vermutlich auch in den nächsten Wochen noch erhalten, wenn die seniorengerechten Erinnerungsfotos an das CDU-Jubiläum längst verblasst sind. Dabei gibt es eigentlich schon wirklich konstruktive Vorschläge zur Lösung der Schuldensituation. Zum Beispiel von @FJ_Murau:

Auch @BonitoTV weiß, wie man knausrige Geldgeber umstimmen kann. Man muss sich nur der richtigen Mittel bedienen. Appel ist bei Taylor Swift schließlich auch weich geworden.

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