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Mediation: Die Königsdisziplin der Konfliktlösung (Teil 2)

08/03/2017 09:54 CET | Aktualisiert 08/03/2017 09:54 CET

In Teil 1 dieses Zweiteilers haben Sie von den Zielen und Prinzipien von Mediation erfahren. In diesem zweiten Teil nehmen wir die einzelnen Prozessphasen einmal genauer unter die Lupe.

Die folgenden sechs Prozessphasen sind praxiserprobt und haben sich schon vielfach gewährt - trotzdem sind sie nicht der einzige Weg für eine erfolgreiche Mediation. Es gibt sowohl einfachere als auch komplexere Vorgehen. Im Kern aber enthalten alle Varianten die hier beschriebenen Inhalte.

1. Vorbereitungsphase

In dieser Phase legen Sie die Grundlage für eine erfolgreiche Mediation:

  • Identifizierung des Konfliktes:
  • Einige Konflikte sind für alle Mitarbeiter nur allzu deutlich sicht- und hörbar, andere dagegen spielen sich im Verborgenen ab und müssen erst als solche identifiziert werden. In einigen Fällen kann es sogar schwierig sein, die Konfliktparteien auszumachen.

  • Gewinnung der Teilnahmebereitschaft der Konfliktparteien:
  • Ein Prozess zur Konfliktlösung kann nur dann gelingen, wenn die Teilnehmer das Problem anerkennen und gewillt sind, gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten.

  • Festlegung und Kommunikation des Prozesses:
  • Dies ist der organisatorische Teil der Vorbereitung: Die Teilnehmer der Mediation, der Treffpunkt, die einzelnen Termine sowie eventuell vorbereitende Aufgaben, um deren Erledigung Sie die Beteiligten bitten möchten.

2. Eröffnungsphase

Abhängig von der Schwere und Komplexität des Konfliktes handelt es sich hier um das erste oder die ersten 2-3 Treffen. Zunächst erklärt der Mediator die Zielsetzung, den gesamten Prozess, seine Rolle als Mediator und die Kommunikationsregeln für die Mediation. Danach hat jede Konfliktpartei Gelegenheit, die Problemsituation aus ihrer Sicht zu beschreiben.

3. Ergründungsphase

Diese Phase ist Kern und Mittelpunkt der gesamten Mediation - und die erfolgreiche Durchführung dieser Phase daher entscheidend für den Erfolg der Konfliktlösung. Der Mediator hilft hier beiden Parteien (je nach individuellen Bedürfnissen der Beteiligten in privaten oder in gemeinsamen Besprechungen oder beides), ihre unterschwelligen Interessen und Anliegen aufzudecken.

Das Hauptziel in diesem Stadium ist es, die Konfliktparteien weg von ihren Positionen und hin zu ihren Interessen zu bewegen. Dies ist die Grundlage für den darauffolgenden Lösungsprozess.

4. Problemlösungsphase

Sobald Sie wissen, welche Interessen beide Konfliktparteien haben, können Sie sie ermutigen, gemeinsam einen Weg zu finden, der beiden Seiten Genüge tut.

Dazu müssen die Beteiligten die Interessen der jeweiligen Gegenseite zunächst anerkennen, um dann eine Lösung zu erarbeiten, mit der alle gut leben können. Meist geschieht dies mit dem Schließen von Kompromissen, Abmachungen und mit Zugeständnissen auf beiden Seiten.

5. Abschlussphase

Wenn es eine Einigung zu einer gemeinsamen Lösung gibt, dokumentiert der Mediator diese inklusive aller Details (nächste Schritte, Verantwortlichkeiten, Zeitplan). Beide Parteien bekräftigen noch einmal ihren Einsatzwillen, um den Konflikt mithilfe des gemeinsamen Lösungsplans beizulegen. Damit ist der Hauptprozess der Mediation abgeschlossen.

6. Nachbereitungsphase

Um einen nachhaltigen Erfolg der Mediation zu gewährleisten, ist es ratsam, regelmäßige Folgetermine zu vereinbaren, in denen die Teilnehmer den Fortschritt des Umsetzungsplans diskutieren können und Gelegenheit bekommen, Sorgen zu äußern oder Fragen zu stellen.

Es kann durchaus sein, dass in dieser Phase Probleme zutage kommen, die vorher noch im Verborgenen lagen. Dies kann eine Anpassung der vereinbarten Lösung notwendig machen. Die Nachbereitungsphase hilft auch allen Beteiligten, sich ihre individuelle Verantwortung bezüglich der Umsetzung der Vereinbarung immer wieder neu ins Gedächtnis zu rufen.

Konfliktbewältigung ist nie einfach - und es gibt dafür keinen Königsweg. Unter allen bestehenden Werkzeugen und Methoden für die Schlichtung von Konflikten ist Mediation jedoch - vorausgesetzt, sie wird richtig durchgeführt - ein praxiserprobtes und nachweislich effizientes Mittel.

Wenn Sie glauben, dass es in Ihrem Unternehmen zu viele interne Konflikte gibt und Sie sich eine realistisch umsetzbare Lösung wünschen, dann könnte Mediation genau das sein, wonach Sie suchen.

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