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45000 Menschen für Kevin-Marcel

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Manchmal, wenn es in unserem Leben einmal nicht so läuft, wie wir es uns vorstellen, möchten wir doch am liebsten den Kopf in den Sand stecken. Aber wie geht es Menschen, mit denen es das Schicksal selten gut meint? Die keine andere Wahl haben als ständig über ihre eigenen Kräfte hinauszuwachsen? 

Familie Fernandes Russ aus Bad Kreuznach ist so eine Familie. Wie alle Eltern in Erwartung Ihres ersten Kindes, waren auch Stefan und Maria voller Vorfreude. Als es dann am 24.04.1996 endlich soweit war, musste nach 14 Stunden quälender Wehen ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, weil sich die Herztöne des Babies plötzlich senkten. Beim Baden des Babies mit der Hebamme musste Stefan Russ den ersten Schock verarbeiten:

Als der kleine Junge mit Namen Kevin-Marcel auf den Bauch gedreht wurde, zeigt sich eine Anomalie mit der Größe eines 5 Mark Stücks am Rücken: Der Junge kam mit Spina bifida (zu deutsch: offener Rücken) zur Welt. Einen kurzen Moment hatte der junge Vater mit seinem Sohn, als letzterer dann nach kurzer Untersuchung eines Arztes mit auf die Kinderintensivstation genommen wurde. Am nächsten Morgen wurde Kevin bereits operiert, zehn Tage später folgte dann die zweite große Operation.

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Bedingt durch den offenen Rücken wurde bei Kevin auch ein Hydrocephalus (Wasserkopf) diagnostiziert. Vier Wochen musste der kleine Kämpfer auf der Intensivstation bleiben, bis ihn seine Eltern endlich mit nach Hause nehmen durften. "Bevor man selbst nicht in so eine Situation gerät, kann man sich nur schwer vorstellen, was Eltern von behinderten oder schwerkranken Kindern durchmachen müssen", sagt Stefan Russ nachdenklich. Und Kevin musste schon einiges an Operationen ertragen: Viermal wurde ein Shunt in den Kopf gesetzt, damit das überschüssige Wasser aus dem Kopf ablaufen kann. Dreimal musste er am Rücken wegen Fehlstellungen des Rückenmarks operiert werden und zweimal musste Kevin bereits wegen dem Arnold-Chiari-Syndrom behandelt werden. Dabei rutschen Teile des Kleinhirns in den Wirbelkanal. 

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Aber weil das, was die Eltern mit ihrem einzigen Kind durchstehen mussten, anscheinend noch nicht genug Ängste und Sorgen waren, wurde bei Kevins Mutter Maria Fernandes Russ im Jahr 2001 Brustkrebs diagnostiziert. Nach Chemotherapien und Bestrahlung musste ihr 2 Jahre später die Brust amputiert werden. Kevin war zum Zeitpunkt der Diagnose gerade erst einmal 5 Jahre! 

Stefan Russ kümmert sich seither aufopferungsvoll um Frau und Sohn, während er auch noch einer regulären Arbeit und einem Nebenjob nachgeht. "Aber Aufgeben geht nicht!", sagt Papa Russ fast ein wenig trotzig. Auch nicht als bei Kevin 2010 die Rückenmarksnerven gekappt wurden und der junge Mann seither komplett querschnittsgelähmt auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Bis zu diesem Zeitpunkt war es dem Jungen zumindest noch möglich mit Hilfe von Gehorthesen und Rollator zu laufen.

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Kevin ist wie viele junge Menschen in seinem Alter ein sportlicher junger Mann: Er schwimmt leidenschaftlich gerne, spielt erfolgreich Rollstuhlbasketball für die Hessenauswahl und feuert seine Lieblingsfussballmannschaft, den FC Bayern München, an. Ausserdem ist er Autonarr. Neben seiner Arbeit in einer Behindertenwerkstätte und dem Sport, verbringt Kevin auch gern Zeit am PC mit LKW Simulatoren. 

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Da Familie Fernandes Russ zudem noch auf einem Schuldenberg von ca. 45.000 Euro sitzt, hoffen sie auf Solidarität und Unterstützung ihrer Mitmenschen. Mutter Maria erhält nur eine kleine Erwerbsunfähigkeitsrente, Kevin einen Ausbildungszuschuss. Die ganze finanzielle Last trägt auch hier wieder Stefan Russ alleine auf seinen Schultern. Aber Not macht bekanntlich erfinderisch: Die Familie ist auf der Suche nach 45.000 Menschen, die ihnen nur einen Euro spenden, damit die Schuldenlast geringer wird. Seit Mai 2015 hat sich zumindest schon ein stattlicher Betrag von knapp über 3.000 Euro angesammelt. Auf Facebook finden Interessenten auf der Seite "Ein Euro für Kevin-Marcel Fernandes Russ" immer wieder Neuigkeiten zum Geschehen rund um Kevin. (www.facebook.com/EinEuroFuerKevin)

Zudem konnte vor kurzem ein prominenter Unterstützer gewonnen werden: Lou Bega, der Mann, der Ende der 90er Jahre der ganzen Welt einen Ohrwurm mit seinem Mambo No. 5 schenkte. Im Rahmen des Johannisfests in Mainz lernte Lou Bega Kevin und seine Eltern kennen und zeigte sich vom Schicksal und dem starken Zusammenhalt der Familie berührt. Lou Bega beteiligt sich mit einem Spendenaufruf und versteigert in Kürze einige seiner signierten Hüte sowie ein von David Alaba signiertes FC Bayern München Trikot. Mehr Informationen zur Versteigerung gibt es dazu bald auf seiner Facebook-Seite.

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Wer Familie Russ helfen und in Kontakt treten möchte, kann dies sehr gerne tun. Sehr gerne auch Menschen mit demselben oder ähnlichem Schicksal zum gegenseitigen Austausch.

Gespendet werden kann unter Angabe von Kontaktdaten auf das folgende Konto:

Kontoinhaber: Kevin Russ
IBAN: DE56 5504 0022 0114 8410 00
BIC: COBADEFFXXX
oder via Paypal: familie-bittet-um-hilfe@gmx.de

Spendenaufruf von Lou Bega auf Youtube