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Das Symptom von Depressionen, über das niemand spricht

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DEPRESSION
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Dieser Text erschien zuerst bei The Mighty.

Von Jenna B.

Ihr wisst sicher einiges über Depressionen.

Ihr wisst, dass Menschen mit Depressionen sich oft traurig und leer fühlen, keinen Appetit haben oder schlecht schlafen können. Dass sie müde sind und dass ihnen Dinge keine Freude mehr bereiten, die sie normalerweise lieben würden. Und dass sie vielleicht sogar an den Tod und ans Sterben denken.

Doch ein Symptom von Depressionen, von dem ihr wahrscheinlich noch nicht gehört habt und gleichzeitig eines, das mit am schwersten zu ertragen ist: Einsamkeit.

Das passierte mit einer Frau, die in einem Experiment 72 Stunden totaler Einsamkeit ausgesetzt war

Wir Menschen sehnen uns nach Nähe. Sogar die meisten Introvertierten wollen mit kleinen Gruppen oder einzelnen Personen in Interaktion treten.

Doch wenn ich mich depressiv fühle, kann ich mich selbst nicht dazu bringen, Verabredungen auszumachen oder einzuhalten. Manchmal kann ich nicht mal duschen und mich anziehen, geschweige denn das Haus verlassen.

Ich wünsche mir so sehr, dass jemand bei mir ist, dass es weh tut

Doch das bedeutet nicht, dass ich keine Gesellschaft möchte. Im Gegenteil: Ich wünsche mir so sehr, dass jemand bei mir ist, dass es weh tut. Doch ich habe Angst, jemanden zu fragen.

Ich weiß, dass ich andere damit belaste. Und ich weiß auch, dass es keinen Spaß macht, mit mir Zeit zu verbringen, weil ich immer traurig bin und es mir schwer fällt, die Dinge zu genießen, die ich früher gerne mochte.

Ich fühle mich schuldig, dass ich diese Gesellschaft möchte, dass ich jemanden in meiner Nähe brauche.

Wenn ich mich sehr schlimm niedergeschlagen fühle, sehne ich mich nach jemanden, mit dem ich sprechen kann und der mich versteht, ohne mich zu verurteilen. Doch ich bekomme meinen Mund nicht auf, um nach der Hilfe zu fragen, die ich brauche.

Je stärker meine Depression wird, desto isolierter fühle ich mich von der Außenwelt

Ich bin gefangen in meinem eigenen Kopf und ich kann mich innerlich schreien hören. Doch leider kann niemand meine Gedanken lesen.

Je stärker meine Depression wird, desto isolierter fühle ich mich von der Außenwelt und desto weniger Kraft habe ich, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Doch das ist genau der Zeitpunkt, an dem ich am meisten auf jemanden angewiesen bin, der sieht, was mit mir los ist.

Es ist traurig, dass die Symptome von Depressionen dafür sorgen, dass du so viele Freunde verlierst. Wegen des Stigmas, das der Krankheit anhaftet, oder weil sie nicht verstehen oder Angst haben oder nicht wissen, wie sie helfen sollen. Oder weil sie beschäftigt sind und nicht gestört werden wollen.

Denn manchmal ist der beste Weg, einem Freund oder geliebten Person mit Depressionen zu begegnen, einfach Zeit mit ihm zu verbringen und zu tun, wonach ihm ist.

Es ist so wichtig, mit ihm oder ihr Zeit zu verbringen

Auch wenn das nur ein Netflix-Abend auf der Couch ist oder ein gemeinsamer Kaffee oder ein Abendessen. Allein dadurch, dass du dich um deinen Freund oder deine Freundin kümmerst, hilft ihm oder ihr, sich besser zu fühlen.

Sogar wenn der Andere deine Worte der Beschwichtigung und des Trostes nicht zu hören scheint, kann deine Anwesenheit sehr wertvoll für ihn sein. Es tut immer gut zu wissen, dass jemand sich um dich sorgt und aufrichtige, liebevolle Worte zu hören.

Mir hilft das immer sehr, wenn ich depressiv bin. Es erinnert mich daran, dass ich diese Liebe verdient habe und hilft mir, an meiner Selbstliebe zu arbeiten, die mich aus der Depression herausziehen kann.

Wenn ihr also einen Freund oder Liebsten habt, der unter Depressionen leidet, erinnert euch bitte immer daran: Es ist so wichtig, mit ihm oder ihr Zeit zu verbringen. Depressionen sind eine Krankheit, die sehr einsam macht. Und Nähe zu anderen Menschen ist extrem wichtig bei der Genesung.

Mehr bei The Mighty:

Dieser Text erschien ursprünglich in der HuffPost USA und wurde von Lea Kosch aus dem Englischen übersetzt.

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(jg)