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Die Angst hat mein Leben in den Würgegriff genommen - wie ich mich befreit habe

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MAN ANXIETY
David Gonzalez / EyeEm via Getty Images
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Ängste sind das am weitesten verbreitete Problem unserer Zeit. Sie können eine ganze Reihe unangenehmer Begleiterscheinungen mit sich bringen, wie beispielsweise Schlaflosigkeit, Depressionen, Süchte oder Selbstmord.

Es gibt mehrere Stufen von Ängsten, die von leichter Besorgtheit bis hin zu richtigen Panikattacken reichen können. Ängste sind jedoch einfach nur Ängste und deshalb solltest du sie aufhalten, bevor sie dich lähmen.

Ich habe fast mein ganzes Leben lang unter Ängsten gelitten. Ich habe mir über alles Mögliche den Kopf zerbrochen und mich in Dingen verbissen, die ich gar nicht kontrollieren konnte. Ich habe jeden Tag aufs Neue gegen das Universum angekämpft.

Ich habe versucht, meine Probleme durch ungesunde Ernährung und leichtsinniges Verhalten zu kompensieren und geriet aus dem Gleichgewicht. Mein Leben wurde zu einem einzigen Überlebenskampf, bei dem es nur noch um die Frage ging, ob ich gerade kämpfen oder fliehen sollte. Ich hatte Panik.

Das machte mich zu einem pessimistischen und wütenden Menschen. Ich war kein angenehmer Zeitgenosse. Ich konnte mich selbst nicht leiden. Doch ich wusste auch nicht, wie ich mein Leben ändern sollte. Ich habe es versucht, doch ich kam aus diesem Loch einfach nicht mehr heraus.

Ich sagte mir selbst immer wieder, dass ich mir keine Sorgen machen musste und dass ich mich nicht stressen sollte. Doch meine Ängste hatten mich komplett im Griff. Ich wurde zum Gefangenen meiner Angst.

Ich habe einen Weg heraus geschafft

Heute habe ich so wenig Angst wie nie zuvor. Der Weg dorthin dauerte jedoch fast zehn Jahre lang und ich musste mir dafür einige Strategien aneignen. Doch es ist möglich! Dein Leben muss sich nicht ständig nur um die Frage drehen, ob du lieber kämpfen oder fliehen solltest.

Du kannst es schaffen, deine Ängste bedeutend zu verringern und dadurch ein glücklicheres und zufriedeneres Leben führen. Denn erst dann kannst du wirklich leben, statt ständig nur Panik zu haben.

Im Folgenden zeige ich dir, welche Schritte ich unternommen habe, um meine Ängste in den Griff zu bekommen. Eines solltest du dabei jedoch nicht vergessen: Wenn du deine Ängste auflösen willst, musst du deine Gewohnheiten dauerhaft ändern.

Du musst täglich üben und dein ganzes Leben umstellen. Das ist nichts, was du einfach mal so nebenbei erledigen kannst. Da Veränderungen immer mit den eigenen Gedanken beginnen, solltest du auch genau damit anfangen.

Mach dir deine eigenen Gedanken bewusst und stärke dein positives Denken

Dies ist die wahrscheinlich hilfreichste, allerdings jedoch auch die schwierigste Veränderung. Durch die Dinge, mit denen wir uns gedanklich am meisten beschäftigen, entwickeln wir mit der Zeit fest verwurzelte Muster, die wir unser Leben lang wiederholen.

Durch unsere Gedanken entstehen automatische Impulse, die unsere allgemeine Stimmungslage beeinflussen und die sich direkt auf unser tägliches Leben auswirken.

Die meisten Menschen sind sich ihrer eigenen Gedanken gar nicht bewusst und lassen sie wie kaputte Schallplatten immer weiter vor sich hinlaufen. Zu 90 Prozent haben wir an den meisten Tagen genau die gleichen Gedanken wie am Vortag. Und die meisten davon sind negativ und drehen sich um Gefühle, die Ängste erzeugen, wie beispielsweise um Sorgen, Stress, Schuldgefühle und Reue.

Durch diesen Prozess verstärkt man seine Ängste jedoch immer mehr, wie wenn man ein fest verschlossenes Haus immer weiter mit Tränengas befüllt. Irgendwann werden deine Gedanken zu einem giftigen Nebel, der dein ganzes Gehirn einhüllt.

Du kannst nicht mehr klar denken. Du gerätst unter immer stärkeren Stress. Du kannst kaum mehr atmen. An diesem Punkt lebst du nicht mehr wirklich. Du leidest nur noch.

Sobald du dir jedoch deine eigenen Gedanken bewusst machst und sie gezielt in eine bestimmte Richtung lenkst, kannst du auch deine Gefühle kontrollieren. Du hast die Wahl, ob du deine momentanen Gedanken weiter füttern willst oder nicht.

Viele Menschen können das nicht glauben, weil ihre Gedanken so stark und erdrückend sind. Mit etwas Übung kannst du es jedoch schaffen, deine Gedanken in den Griff zu bekommen.

Denn wenn du dich nicht bewusst für etwas entscheidest, wird irgendwann dein Schicksal deine Entscheidungen übernehmen. Durch dieses Versäumnis wirst du früher oder später in deine alten Denkmuster zurückfallen, die sich einzig und allein auf deine Sorgen konzentrieren.

Und dann können sich deine Ängste wie ein Lauffeuer ausbreiten.

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Also hör auf, deine alten Gedanken immer weiter zu füttern und erschaffe stattdessen lieber neue. Ganz einfach erklärt solltest du deine Gedanken von jetzt an in zwei Kategorien unterteilen: Positive Gedanken bedeuten leben, negative Gedanken bedeuten leiden.

Mit positiven Gedanken erzeugst du Ermutigung, Hoffnung, Gelassenheit und eine neue Sicht der Dinge. Mit negativen Gedanken erzeugst du Angst, Panik, Sorgen, Furcht und du bestärkst damit deine alte Denkweise.

Doch wie sollst du deine positiven Gedanken fördern, wenn du keine positive Einstellung hast? Du brauchst keine Gefühle, um bestimmte Gedanken zu erzeugen. Wenn wir uns mit unseren alltäglichen Gefühlen einfach abfinden würden, würden wir in ständiger Sorge leben.

Doch du kannst deine Gefühle lenken, indem du auf deine Gedanken achtest. Dies erfordert jedoch etwas Übung. Du solltest am besten jeden Tag üben und erst einmal mit kleinen Schritten anfangen, bis du die neue Denkweise irgendwann fest in deinem Leben verankert hast.

Das Ganze ist vergleichbar mit körperlicher Beweglichkeit. Je mehr Dehnübungen du machst, desto gelenkiger wirst du. Wenn du jedoch die Kontrolle über deine Gedanken wieder verlierst, fällst du wieder zurück in dein altes Denkmuster.

Du solltest also permanent an deiner geistigen Beweglichkeit arbeiten, indem du dir stets über deine eigenen Gedanken bewusst bist. Anstatt negative Gedanken weiter zu füttern, solltest du lieber deine positiven Gedanken fördern. Unser Gehirn ist formbar. Je mehr du dich darin übst, deine Gedanken zu kontrollieren, desto leichter wird es dir fallen. So lange, bis du die neue Denkweise komplett verinnerlicht hast.

Wenn du eine bessere Figur bekommen willst, brauchst du Ausdauer und Zeit. Genau so viel Ausdauer und Zeit brauchst du jedoch auch, um deine innere Einstellung zu verändern und dir eine neue Denkweise anzueignen.

Schließlich musst du die automatischen Reaktionen und erlernten Verhaltensweisen
umprogrammieren, die du dir über Jahre hinweg angeeignet hast.

Lebe im Hier und Jetzt

Die meisten Menschen verbringen ihr Leben in einer Zeitmaschine. Sie stecken entweder in der Vergangenheit fest oder sie machen sich Sorgen über die Zukunft. Dies führt dazu, dass wir uns einfach nur durch das Auf und Ab unseres Alltags treiben lassen.

Im Hier und Jetzt gibt es jedoch keine Angst. Ängste existieren lediglich in der Vergangenheit und in der Zukunft. Also solltest du versuchen, in die Gegenwart zurückzukehren. Nämlich dorthin, wo das Leben wirklich gerade spielt.

Ein Tipp: Konzentriere dich und versuche, genau zu beschreiben, was du gerade siehst. So lernst du, achtsam zu sein, anstatt nachzudenken. Gebrauche all deine Sinne.

Mehr zum Thema: Das bedeutet es wirklich, wenn ich sage "Ich habe Angst"

Was riechst du? Was fühlst du? Nimm den Stuhl wahr, auf dem du gerade sitzt. Spüre die Luft, das Licht und den Himmel. Nimm die Energie der Menschen um dich herum wahr. Komm ins Sein. Schalte deine Gedanken ab und schaue, wie lang du diesen Zustand aushältst, so als würdest du unter Wasser die Luft anhalten. Atme jedoch weiter. So lange, bis du zu einem Fisch wirst und in dieser Umgebung herumschwimmen kannst.

Meditiere jeden Tag

Ich weiß, ich weiß. Diesen Tipp kennst du bereits. Er ist schließlich auch nicht wirklich neu. Doch meditierst du auch jeden Tag? Denn ich tue es leider nicht, obwohl ich weiß, wie gut es mir geht, wenn ich es jeden Tag mache.

Das Geheimnis von Meditation ist es, es so oft zu tun, dass es sich gar nicht mehr wie eine lästige Pflicht anfühlt, sondern wie etwas, auf das man sich freut. Wenn du einmal über diesen Punkt hinaus bist, wirst du das Gefühl haben, dass dir ohne deine tägliche Meditation etwas fehlt.

Du musst also einmal durch diese Brandung hindurch schwimmen. Anfangs wird es dir schwerfallen, dir jeden Tag Zeit für eine Meditation einzuräumen, doch irgendwann geht es ganz leicht. Fang also ganz klein mit 10 Minuten pro Tag an und verurteile dich nicht dafür. Mach es einfach. Und zwar jeden Tag.

Streiche das Wort "ich" aus deinen Sätzen

Ich habe gelernt, dass man am schnellsten loslässt, wenn man anfängt, an eine höhere Macht zu glauben. Und dabei ist es völlig egal, wie diese "höhere Macht" für dich aussieht. Du kannst an Gott, an das Universum, an Außerirdische oder an Bäume glauben.

Du kannst auch einfach nur daran glauben, dass hinter deinem eigenen Weg etwas steckt, das größer ist als du selbst.

Ich habe festgestellt, dass Angst vor allem dann entsteht, wenn wir häufig das Wort "ich" verwenden. Wenn sich immer alles nur um uns selbst dreht. Um unsere Wünsche. Um die Dinge, die wir einfach nicht erreichen. Um das, was uns fehlt.

Wenn wir uns ständig mit uns selbst beschäftigen und es einmal nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen, bekommen wir sofort Angst, weil unsere Vorstellungen sich nicht mit der Realität decken.

Stell dir also lieber vor, dass eine höhere Macht für dich am Werk ist, die dir dabei hilft, deine Talente voll auszuschöpfen und andere mitzureißen. Und bringe dir selbst und den Menschen, denen du begegnest, bei, was Liebe, Leben und unser Dasein wirklich bedeuten.

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Hör auf, dich immer nur um dich selbst zu drehen. Beschäftige dich stattdessen lieber mit uns, mit der Welt. Diese Einstellung wird dir dabei helfen, immer weiter zu wachsen, statt dir selbst im Weg zu stehen.

Und so wirst du damit anfangen, deine Ängste loszulassen. Diese ganzen Kleinigkeiten, die in deinem Kopf so unglaublich viel Raum einnehmen, werden irgendwann an Bedeutung verlieren.

Du wirst ruhiger und gelassener werden. Gib es ab. Lass los. Nimm die Dinge an. Und vor allem:

Sei einfach.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei Medium und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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