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Ich habe eine Studentenwohnung gesucht und nur Absagen bekommen - bis ich ein Detail in der Bewerbung änderte

15/11/2017 17:28 CET | Aktualisiert 15/11/2017 17:28 CET
elenaleonova via Getty Images

In allen deutschen Uni-Städten ist die Wohnungssuche mühsam. Bei uns in Aachen ist es mittlerweile oft schwieriger, eine Unterkunft zu finden, als den Abschluss zu schaffen - vor allem, wenn man so heißt wie ich.

Mein Name ist Thaksan. Die Wurzeln meiner Familie reichen bis nach Sri Lanka zurück. Geboren bin ich allerdings im Sauerland. Nach meinem Abitur schrieb ich mich im circa 200 Kilometer entfernten Aachen für ein Wirtschaftsingenieursstudium ein.

Pendeln war keine Option, also machte ich mich auf Wohnungssuche. Niemals hätte ich gedacht, dass es so schwer werden würde - und das, obwohl, es damals noch genug Wohnungen in Aachen gab. Trotzdem endete meine Suche in einer Katastrophe. Der Grund? Mein Name.

Zuerst hatte ich ein gutes Gefühl

Es fing alles ganz harmlos an: Im Internet suchte ich nach Wohnungen und rief einige Vermieter an. Zuerst hatte ich ein gutes Gefühl. Meine Gesprächspartner waren anfangs immer freundlich und zuvorkommend.

Das änderte sich meistens jedoch schlagartig, sobald ich meinen Namen erwähnte. Denn wie mein Vorname klingt mein Nachname nicht besonders deutsch.

"Oh, ich sehe, es wird doch knapp mit den Besichtigungsterminen." "Heute klappt es leider doch nicht." "Die Wohnung ist inzwischen leider schon vergeben." Reaktionen wie diese hörte ich von Vermietern zuhauf.

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Fremde Menschen können meinen Namen häufig nicht einordnen. Sie haben keine Ahnung, woher der Name kommt. Dabei bin ich zunächst mal Deutscher. Die Angst vor unbekannten Kulturen und Menschen ist bei einigen meiner Mitbürger wohl ziemlich groß.

So bekam ich eine Absage nach der anderen - und die Zeit wurde langsam knapp. Ich brauchte dringend eine Wohnung. Irgendwann war ich so verzweifelt, dass ich am Telefon anfing, zu lügen. Ich gab mich nicht mehr als Thaksan, sondern als Peter aus. Und auf einmal klappte es.

Ich wurde zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen und bekam die Wohnung.

Wenn man jemanden einmal kennen gelernt hat, sind die ersten Vorurteile beseitigt

Natürlich erfuhr der Vermieter dann meinen richtigen Namen - ging aber davon aus, dass er sich vorher verhört oder mich verwechselt hatte.

Mir hat das gezeigt: Wenn man jemanden erst einmal kennengelernt hat, sind die ersten Vorurteile sofort beseitigt. Es ist schwieriger, einem Interessenten dann doch noch abzusagen.

Natürlich sind das alles nur meine Erfahrungen - und mit Sicherheit kann ich nicht sagen, dass die vielen Absagen nur an meinem Namen gelegen haben. Aber es ist doch sehr wahrscheinlich. Vor allem, weil ich nicht der Einzige bin, der diese Erfahrung gemacht hat.

Vielen meiner Kommilitonen, die ebenfalls einen nicht-deutschen Namen tragen, ging es ähnlich. Sobald sie ihren Namen erwähnten, lief das Telefonat auf einmal nicht mehr gut.

In Aachen kann man sich aufgrund der hohen Nachfrage seinen Traum-Mieter ganz einfach aussuchen. Wer Vorurteile hat, der vergibt seine Wohnung lieber an Peter als an Thaksan.

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Mogelt euch zur Wohnungsbesichtigung

Die Konkurrenz ist riesig. Laut den "Aachener Nachrichten" besuchten im Wintersemester 2010 noch 39.000 Studierende die Uni hier, im Wintersemester 2017 bereits 58.000. Um das auszugleichen, müssten jedes Jahr zusätzlich rund 1000 Wohneinheiten gebaut werden - tatsächlich sind es aber nicht einmal 800.

Ich kenne viele Aachener Studierende, die in Vororte ausweichen mussten. Einige von ihnen sind jetzt sogar hinter die Grenze gezogen - in die Niederlande. Dort sind die Mieten teilweise noch etwas billiger.

Mein Rat an meine deutschen Kommilitonen mit ausländischen Wurzeln ist also: Mogelt euch zur Wohnungsbesichtigung. Als Peter oder Anna.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Franziska Kiefl.

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