BLOG

7 Dinge, die eine Kellnerin ihren Gästen gerne mal sagen würde

06/03/2015 16:25 CET | Aktualisiert 06/05/2015 11:12 CEST
Thinkstock

Liebe Gäste,

eigentlich bediene ich euch ja gerne. Das kleine Wirtshaus in Berlin Kreuzberg, in dem ich neben meinem Studium kellnere, gefällt mir genauso gut wie euch.

Aber nicht nur das Wirtshaus an sich gefällt mir - auch das Kellnern macht mir Spaß. Grund dafür seid ihr, die Gäste. Ich höre mir gerne eure ulkigen Geschichten an. Ich notiere geduldig eure irrwitzigsten Extrawünsche, weil sie oft die liebenswürdigsten Macken über euch verraten. Es macht mir Spaß, euch mit Namen zu begrüßen, wenn ihr öfter kommt.

Und ich gebe mir auch wirklich viel Mühe, eine gute Kellnerin zu sein, mit der ihr zufrieden seid. Sehe ich, dass euer Glas leer ist, versuche ich so bald wie möglich bei euch zu sein. Kleine Extrawünsche, wie mehr Brot oder Bratensoße, bringe ich euch, ohne alles gleich penibel abzurechnen. Wenn mein Tag mal schlecht lief, gebe ich mir trotzdem Mühe so fröhlich wie möglich zu sein.

Doch manchmal beschwert ihr euch über Dinge, die mich regelmäßig fast zum Ausrasten bringen. Dann verspüre ich den starken Drang, meine Schürze in die nächste Ecke zu pfeffern, euch den Stinkefinger zu zeigen und dann einfach das Lokal zu verlassen.

Damit es nicht so weit kommt, habe ich euch eine kleine Liste zusammengestellt: Solltet ihr euch je in einer diesen Situationen wiederfinden, dann erinnert euch kurz an sie, atmet tief durch und denkt noch einmal kurz über eure Beschwerde nach.

1. Überlegt euch doch kurz, ob ihr in den nächsten fünf Minuten auch ein neues Getränk brauchen könntet, wenn einer eurer Tischgenossen sich gerade etwas bestellt.

Ich weiß, ihr seid hier um Abzuschalten, ihr hattet einen anstrengenden Arbeitstag und wollt euer Gehirn am liebsten an der Garderobe abgeben. Aber wenn ihr am hintersten Tisch im vollen Restaurant sitzt, und gerade einer eurer Kumpanen ein neues Getränk ordert, dann überlegt doch ganz kurz: Werde ich in den nächsten fünf Minuten auch ein Neues brauchen?

Könnt ihr diese Frage mit „Ja" beantworten, dann bestellt doch einfach direkt mit. Denn es ist tatsächlich anstrengend und äußerst frustrierend, ständig für jeweils ein Getränk hin und her zu rennen.

2. Nein, bei uns gibt es nicht alle Speisen auch vegan oder vegetarisch und laktose- beziehungsweise glutenfrei.

Ich verstehe ja, dass das Leben als gluten- und laktoseintoleranter Hardcore-Veganer nicht leicht ist. Aber ihr seid hier in einem bayrischen Wirtshaus. Ward ihr schon mal in Bayern? Leute, die kein Fleisch außer Geflügel essen, gelten dort als Veganer.

Also nein, wir haben keine Sojamilch, den Schweinebraten gibt es nicht auch ohne Fleisch, die Brezel ist nicht aus glutenfreiem Mehl gebacken. Und Augenverdrehen und mit der Zunge schnalzen bringen euch da leider auch nicht weiter.

3. Spielt euch bei dreißig Cent Trinkgeld nicht wie der großzügige Helfer der Armen und Schwachen auf.

Natürlich freue ich mich über Trinkgeld, egal wie hoch es ist. Aber bei dreißig Cent gönnerhaft mit den Augen zu zwinkern, ist ein bisschen am Leben vorbei. Ihr erinnert mich immer an meinen Opa, der mir als Kind oft ein paar Euro zugesteckt hat, aber mir riet, „nicht gleich alles für Süßigkeiten auszugeben".

4. Wenn gerade Hochbetrieb herrscht, habe ich leider keine Zeit, mir eure Lebensgeschichte anzuhören.

Im Grunde liebe ich die Gäste, die am Tresen rumlungern und mich mit ulkigen Geschichten und etwas gewöhnungsbedürftigem Humor unterhalten. Aber wenn alle Tische gerade belegt sind und ich mit hochrotem Gesicht zwischen Küche und Tresen hin und her hetze, dann habe ich tatsächlich gerade keine Zeit mir eure Gefühle zum Jahrestag des Mauerfalls anzuhören.

Nach 23 Uhr, wenn sich das Wirtshaus langsam leert, könnt ihr mir gerne davon erzählen, dass wenn es nach euch gegangen wäre, die Mauer immer noch stehen würde.

5. Ja, manchmal bekommen andere Gäste, die nach euch bestellt haben, trotzdem ihr Essen zuerst.

Ich lasse euch nicht extra lange warten, weil ich euch nicht mag, oder mir eure Nase nicht gefällt, oder ich finde, dass euer Verhungern weniger wahrscheinlich ist, als das des anderes Gasts. Im Grunde bin ich meistens nicht mal dafür verantwortlich, wer welche Speise wann wo zuerst bekommt. Der Koch hat hier die Rolle des göttlichen Entscheiders inne - ich trage nur sein Schaffen an euren Tisch.

6. Wenn ihr am Verdursten seid, dann bestellt kein aufwändiges Getränk.

Am liebsten sind mir hier die, „kräuterleichten Bionademuttis": Sie bestellen ernsthaft in einem brechend vollen bayrischen Wirtshaus eine selbstgemachte Limonade - und beschweren sich, wenn es zu lange dauert, bis sie kommt.

Wenn ihr kurz vor dem Verdursten seid und unbedingt gleich jetzt sofort das Getränk serviert bekommen wollt, dann bestellt nichts, dessen Zubereitung auch ohne Stress schon fünf Minuten dauern würde. Natürlich könnt ihr es trotzdem tun. Aber dann dauert es eben etwas länger.

7. Beschwert euch nicht, wenn ich eure Klischees einer Bedienung erfülle.

Ich habe Neuigkeiten für euch: Kellner sind zuerst mal Menschen. Sie sind keine Leibeigenen, die alles tun müssen, was ihr wollt. Besonders liebe ich deswegen die Gäste, die erwarten, dass ich jeden Wunsch, jede Beschwerde unterwürfig und kriecherisch annehme.

Oder Gäste, die sich darüber beschweren, dass ich nicht ihrem Bild von einer Kellnerin in einem bayrischen Wirtshaus entspreche: Mein Bayrisch nicht nach dem eines niederbayrischen Landwirts klingt und dass ich nicht im Mini-Dirndl rumlaufe. Wer diese Anforderungen hat, der suche doch bitte das nächste Hofbräuhaus auf.


Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite

Video: 10000 Dollar Schaden: Frau randaliert halbnackt in McDonalds

Sponsored by Knappschaft