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Schicksalsfrage

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„Zwei Kinder wollen wir haben". „Mindestens", war die Meinung des Vaters. Mir reichten eigentlich zwei. Aber lieber drei als eins - ein Einzelkind kam nicht in Frage. So starteten wir in unsere Familienplanung. Jetzt haben wir ein Kind, einen quietschfidelen Sause-Jungen, der uns unfassbar glücklich macht, uns aber auch regelmäßig an die Grenzen des Belastbaren treibt.

Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team, haben unsere Rituale gefunden, unser Familienrhythmus funktioniert ziemlich gut. Die eine Woche mal besser, die andere mal schlechter - aber wir haben das Gefühl, wir sind angekommen als kleine Familie.

Unter der Woche haben wir alle drei unseren Alltag: Job, Kita, Familienleben. Wir bekommen das alles unter einen Hut. Der Vater muss ordentlich mit anpacken, damit es läuft - vor allem im Haushalt - aber es läuft.

Und jetzt, da stehen wir vor der Frage: Was ist mit unserer Familienplanung? Geht sie noch weiter? Bleibt sie so? Vertagen wir die Entscheidung? Bei den ersten Freunden wachsen die Babybäuche schon wieder, sie haben den zweiten Bauchbewohner und das Erstgeborene muss sich bald seinen Thron teilen.

Das erste Gefühl, dass sich bei uns einstellt, ist eine gewisse Form von Neid: Wir wollen auch. Aber ganz schnell schießt uns der Gedanke in den Kopf: Wollen wir das wirklich?

Alles auf Neustart

Ich habe keine Ahnung. Ein zweites Kind ist wieder ein Neuanfang. Klar wissen wir nun, wie das Leben mit Baby aussieht. Aber wir wären dann zu viert. Wir müssten uns neu sortieren, wir müssten unseren Weg neu definieren, uns als Familie wieder neu zusammenfinden. Wir würden das schaffen, ganz sicher.

Aber wollen wir das schaffen? Uns geht es allen drei gut, das sagt uns unser Gefühl - unser Sohn kann uns das ja noch nicht so konkret sagen. Würde es uns auch weiterhin so gut gehen, wenn wir noch ein Kind bekämen? Ich könnte nicht mehr arbeiten, müsste mich wieder stark umstellen, das wäre bestimmt toll, aber danach stände ich wieder vor vielen Fragezeichen.

Keine Ahnung, ob auch unser zweites Kind schon nach einem Jahr bereit wäre für die Kita. Keine Ahnung, ob ich in meinen jetzigen Job zurückkehren könnte, denn der ist befristet. Keine Ahnung, ob ich mit zwei Kindern überhaupt wieder arbeiten könnte.

Ich bin aber nicht die geborene Hausfrau und Mutter. Ich bin Mutter aus voller Überzeugung und ich liebe diese Rolle. Aber ich bin sehr gerne eine berufstätige Mutter, so geht es mir richtig gut. Und über allem schwebt auch die Angst, dass unser zweites Kind vielleicht nicht kerngesund sei, dass wir das Glück nicht überstrapazieren sollen.

Aber nicht nur ich, auch den Vater plagen Zweifel. Den Mann, der ganz klar drei Kinder haben wollte. Im letzten Jahr gab es ein paar Monate, die ihn an seine Grenzen getrieben haben. Der Job hat ihm einiges abgefordert, sein Sohn hatte eine anstrengende Phase und ich habe begonnen zu arbeiten.

Diesen Anforderungen fühlte er sich nicht gewachsen. Dabei war diese Phase nicht Besonderes, eine Phase, die immer wieder kommen wird. Er ist sich unsicher, ob er das schafft mit zwei Kindern.

Entscheidung vertagt

Da stehen wir nun mit unseren Gedanken an weiteren Nachwuchs. In unseren Herzen der Wunsch, einem weiteren Kind das Leben und unserem Sohn ein Geschwisterkind zu schenken. In unseren Köpfen viele Gedanken, Ängste und Sorgen.

Wir haben Respekt vor der Herausforderung. Genauso wissen wir, dass wir es irgendwie schaffen würden. Denn vor der Geburt unseres Sohnes haben wir und dieselben Fragen gestellt.

Und trotzdem wissen wir nicht: Ist für uns die dreiköpfige Familie das richtige Modell? Wäre unser Sohn mit einem Geschwisterkind glücklicher? Wird ihm ohne Geschwisterkind etwas fehlen? Ist es irgendwie verwerflich, nur ein Kind haben zu wollen?

Wir wissen es nicht. Wir können gerade auch keine Entscheidung treffen. Das müssen wir zum Glück auch nicht, aber die Gedanken sind da. Und sie werden nicht weniger oder leiser, je weiter wir die Entscheidung vertagen - ganz im Gegenteil.

Irgendwann wird es wohl das Schicksal entscheiden, der Zufall oder irgendeine andere glückliche Fügung.

Der Beitrag ist ursprünglich erschienen auf: www.tatsaechlich-familie.de

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