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Mein Job heißt Mama

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Ich bin gerne Mutter, sehr gerne sogar. Trotzdem gibt es immer wieder diese Momente, in denen ich arbeiten möchte. Ich kann es selbst kaum verstehen, aber ich beneide den Vater, der in seinem stickigen Büro sitzt, der seine Aufgaben zu erledigen hat, der um 18 Uhr Feierabend macht, der am Ende des Monats einen Batzen Geld für seine Arbeit bekommt.

Aber immer wenn diese Arbeitsgelüste aufkommen, stellen sich ganz schnell auch Zweifel ein. Denn Arbeiten bedeutet, unseren kleinen Supermann in eine Betreuung zu geben. Dann fragen wir uns, ist er schon bereit, von einer anderen Person betreut zu werden?

Bevor ich Mutter wurde, stand für mich außer Frage, dass ich zwei Jahre voll und ganz für unser Baby da sein möchte. Möchte ich auch immer noch, aber ich möchte auch arbeiten. Beides geht aber irgendwie nicht. Zumindest habe ich für mich noch keinen Weg gefunden, wie das möglich wäre.

Auf der Suche nach der geeigneten Betreuung

Deswegen haben wir uns auf der Suche nach einer passenden Betreuung für unseren Sohn Kindertagesstätten und Tagesmütter angeschaut. Wir haben gute und weniger gute Betreuungseinrichtungen kennen gelernt. Doch letztlich haben wir eine Tagesmutter gefunden, die uns sehr sympathisch war, die viel Wert auf Natürlichkeit legt und die einen pädagogischen Ansatz verfolgt, mit dem wir uns identifizieren konnten. Eine bessere Betreuungsperson hätten wir für unseren Sohn nicht finden können, denn auch er fühlte sich auf Anhieb mehr als wohl.

Eigentlich hätten wir erleichtert sein sollen, waren wir aber nicht im Geringsten. Vielmehr ging es jetzt erst richtig los: Wollen wir wirklich, dass unser Sohn mehr Zeit mit einer „fremden" Person verbringt als mit uns, seinen Eltern? Wollen wir von der Tagesmutter hören, dass er nun schon wieder ein neues Wort gelernt hat? Wollen wir, dass jemand anderes außer uns die Grundsteine seiner Erziehung, seines Lebens legt? Können wir unseren Sohn schon loslassen? Kann ich als Mutter von Vollzeitmutter auf weniger als Teilzeitmutter umsteigen?

Unser Sohn würde mehr Zeit mit der Tagesmutter verbringen als mit uns. Uns zerreißt der Gedanke das Herz. Aber unsere Zweifel drehten sich nicht nur um unseren Sohn, sondern auch um uns Eltern. Würden wir als Paar auf der Strecke bleiben? Wären wir bereit, den Haushalt und unser Sportpensum ein wenig zu vernachlässigen? Würden wir der Doppelbelastung standhalten können oder würden wir überhaupt nicht mehr stressresistent sein und uns nur noch streiten?

Auf der Suche nach dem besten Job

Zum Glück oder auch zum Pech, gibt es keine geeigneten Teilzeitstellen für mich. Uns wurde die Entscheidung also abgenommen. Ich werde vorerst zu Hause bleiben mit unserem Sohn. Ich werde mich mit anderen Müttern auf Spielplätzen treffen, Musikkurse und Spielgruppen mit unserem Sohn besuchen und ihm seinen Weg ins Leben bereiten.

Ich werde meinen Platz als Mutter finden und hoffentlich werden die Momente immer weniger, in denen ich arbeiten möchte, denn die Jobsuche als junge Mutter ist zumindest in meinem Tätigkeitsfeld bislang frustrierend, ziemlich frustrierend. Und den Betreuungsplatz kann uns die Tagesmutter auch nicht ewig reservieren.

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Wenn ich hier so sitze und meine Gedanken niederschreibe, dann frage ich mich, welcher Teufel mich bloß reitet? Warum will ich lieber in einem Büro sitzen, wenn ich am See liegen kann. Warum will ich mich mit nervigen Chefs und Kollegen abgeben, wenn ich Zeit mit dem schönsten Geschenk auf der Welt, unserem Sohn, verbringen darf?

Warum beneide ich meinen Mann um seinen Feierabend, den er nie hat? Schließlich beginnt sein Vateralltag erst, wenn er sich von der Arbeit nach Hause begibt? Warum möchte ich gerne Geld verdienen, obwohl es nicht unbedingt notwendig ist?

Vielleicht weil ich mein altes Leben noch nicht los lassen kann. Vielleicht weil in meinem Kopf immer noch der Gedanke rumschwirrt, dass ich arbeiten und Geld verdienen muss. Vielleicht muss ich endlich lernen, dass Muttersein ein Vollzeitjob ist und wie jeder Job mehr oder weniger anstrengende Tage hat. Vielleicht weiß ich insgeheim schon, dass ich den schönsten Job der Welt habe. Vielleicht. Aber manchmal, da kommt die Wehmut durch, der Frust, die Sehnsucht nach dem, was ich nicht haben kann.

Dieser Beitrag ist zuerst auf tatsaechlich-familie.de erschienen.

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