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Sehr geehrter AfD-Wähler, diese Partei ist das Gegenteil dessen, was Sie wollen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
AFD WAHLKAMPF
dpa
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Sehr geehrte AfD-Wähler,

in der Hoffnung, dass Sie meine Worte an Sie zu lesen bekommen; es scheint Sie nicht großartig davon abzuhalten, der AfD Ihre Stimme zu geben, wenn jetzt alle davor warnen, es könnten Nazis in die Bundestag ziehen. Irgendwie kann ich Sie dabei auch verstehen. Sie kommen sich bevormundet vor, oder?

Wenn ich es richtig verstehe, haben Sie genug von einer einheitlichen politischen Denkrichtung, die Sie fürs Klagen brandmarkt. Sie haben das Gefühl, die Politik würde nicht für Sie gemacht werden und Entscheidungen kämen über Ihre Kopfe hinweg zustande. Sie haben Angst um Ihre Rente, Angst um Ihre Ersparnisse. Oder leben bereits sogar am Minimum.

Sie wissen nicht, welche Pläne die Parteien für Deutschland haben, Sie fühlen sich durch Einwanderung überfordert. Da möchten Sie sicher nicht, dass Politiker Ihnen sagen, dass Sie sich über Anderes Sorgen machen sollten.

Deshalb wählen Sie die AfD. Eine neue Partei. Eine Partei, die definitiv anders zu sein scheint, mit Politikern, die wirken, als sei ihnen das politische Spiel egal, als ginge es ihnen nur um den Bürger, um Sie, den einfachen Mann, die einfache Frau aus der Mitte der Gesellschaft.

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Dass man Sie deshalb als Nazi oder Rechte bezeichnet nervt sie zwar, aber das nehmen Sie hin. Denn gegen genau das möchten Sie ja protestieren. Sie denken, dass diese Partei Sie nicht mehr bevormunden wird und dass andere Parteien sicher davon lernen werden.

Die AfD vergrößert Ihre realen Probleme

Sehen Sie, ich habe grundsätzlich kein Problem damit, Ihre Sorgen ernst zu nehmen und das Gespräch mit Ihnen zu suchen. Begegnung halten Sie doch sicher für genauso sinnvoll und wichtig, da kann man uns nicht bevormunden, richtig? Nur leider möchte die AfD genau das tun.

Auch wenn die AfD explizit Sie um Ihre Stimme bittet, richtet sie sich nicht wirklich an Sie. Nein, die AfD vertritt eine Politik, die Sie in Ihren realen Problemen weiter belasten würde. Die AfD will sie bevormunden. Indem sie Sie dazu drängt, in ein noch höheres Rentenalter reinzuarbeiten.

Indem sie Ihnen keine besseren Aussichten auf eine gute Rente ermöglicht. Indem sie Sie auch noch dafür bestraft, dass Sie alleinerziehend sind und Unterstützungen streicht. Indem sie Sie dazu zwingt, als Arbeitssuchende Jobs auszuführen, die Sie nicht in Würde ausführen können und wollen. Indem sie all die Opfer für das Wohl des Landes von Ihnen erwartet und die Reichen der Gesellschaft verschont. Die Probleme verbessern sich nicht, sie verschlechtern sich.

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Und auch möchte die AfD Sie bevormunden, indem sie Sie davon abhalten möchte, mit mir zu sprechen. Denn ich bin deutscher Muslim, der sich auch Sorgen um sein Land, Ihr Land, unser Land macht. Einer der Bürger, der herhalten muss dafür, dass die AfD keine guten Pläne für Sie hat.

AfD - Feindbilder statt Inhalte

Damit sie Ihnen das nicht erst sagen muss, steuert sie das Gespräch in eine andere Richtung. In eine Richtung, die Ihnen Angst macht. Angst vor dem vermeintlich Fremden, auch wenn wir uns eigentlich sehr ähnlich sein können. Ja, die AfD bevormundet Sie. Sie tut das, wovon Sie eigentlich genug haben.

2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.pngInside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten

Wird es die anderen Parteien beeinflussen? Nun, wir haben erlebt, wie viele Politiker aus anderen Parteien versuchten, Positionen und Rhetorik der AfD zu kopieren. Möchten Sie, dass die anderen Parteien endgültig den Weg der AfD gehen und Ihnen auch nur noch Feindbilder präsentieren, anstatt Inhalte?

Sie wissen, dass die AfD keine Alternative ist. Aber viel anderes bleibt auch nicht übrig, denken Sie. So banal es auch klingt, aber: Jede andere große Partei ist besser als die AfD. Und wenn Sie um jeden Willen mit Ihrer Wahl protestieren wollen, dann tun Sie das auch mit der Wahl einer anderen kleinen Partei oder einer ungültigen Wahl.

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Ich möchte Ihren Unmut nicht klein reden. Nur lassen Sie Ihre Gefühle nicht derartig ausnutzen, lassen Sie sich nicht bevormunden. Sie haben berechtigte Fragen und das Recht, dass Sie angehört werden.

Aber eine Partei, die ohne schlechtes Gewissen Politik gegen Muslime macht und Flüchtlinge, die unter anderen Umständen Ihre Familie sein könnten pauschalisiert und kriminalisiert, die die Nazi-Zeit, von der Sie sich ein Leben lang distanziert haben, romantisieren will und Antisemitismus duldet, die ökonomisch schwächere Bevölkerungsschichten belastet und Reiche entlastet, ist das Gegenteil von dem, was Sie eigentlich wollten.

Ich wähle den Dialog mit Ihnen, mit der Hoffnung auf eine gute Zukunft für Sie und mich. Denken Sie darüber nach, ob Sie hinter einer Partei stehen wollen, die das verhindern möchte.

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