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Nizza-Attentat: Wir dürfen uns keinen falschen Alltag aufzwingen lassen

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Pascal Rossignol / Reuters
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Nizza. Was soll jetzt gesagt werden, was nicht unzählige Male gesagt wurde. Die üblichen Forderungen bleiben nicht aus. Muslime sollen sich distanzieren, Imame sollen sich positionieren. Wieder. Und die Ausgangslage ist die gleiche. Als hätte alles zuvor nie stattgefunden.

Die Idee ist vollkommen unislamisch

Wir selbst sehen, dass Daesh ihren so genannten "Islamischen Staat" auch dann durchziehen, nachdem die ganze muslimische Welt ihnen verdeutlichte, wie unislamisch die Idee und alle mit ihr zusammenhängenden Aktionen sind.

Sie bleiben bei ihrer Ideologie auch dann, nachdem ihnen sämtliche öffentlich auftretenden muslimischen Gelehrten verdeutlichten, sich nie ihrem "Islamischen Staat" beugen zu werden. Sie bleiben in ihrem Wahn auch dann, nachdem in Deutschland nach dem Freitagsgebet in 2.000 Moscheen eine Protestaktion mit Friedensgebet stattfand.

Es interessiert sie schlichtweg nicht, wenn jedes Mal aufs Neue gefühlt jeder einzelne Muslim verdeutlicht, dass er sie verachtet und sie nicht ansatzweise etwas zu tun haben mit dem, was man als Islam kennt. Als ob das nicht reichte, müssen wir uns aber auch mit einer anderen Seite rumschlagen. Jenen, die danach wieder fordern. Völlig außer Acht lassen, dass sich Daesh von Muslimen nichts sagen lässt.

Eine Ideologie, die über Leichen geht

Dass vor allem Muslime ihre Zielscheibe sind, dass auch Muslime in Nizza starben. Weil Daesh eine ganz eigene Ideologie hat, die über Leichen geht. Auch über die der Muslime. Daesh wiederholt sich, die Forderer wiederholen sich. Wiederholen wir uns auch? Wir dürfen uns keinen falschen Alltag aufzwingen lassen. Angst, Spannung und Misstrauen dürfen nicht von Medien und Politik in die Köpfe gesetzt werden.

Wir sind eine verdammt gut funktionierende Gesellschaft. Gemeinsam. In solchen Zeiten brauchen Angehörige seelische Beruhigung, keinen Populismus und keine bloßen Floskeln der Anteilnahme. Wir müssen Seite an Seite verstehen, dass solche Angriffe unsere Gesellschaft entzweien sollen. Gewähren wir ihnen diesen Erfolg doch bitte nicht.

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