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KinderWunsch ÜberlebensTraining

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KINDERWUNSCH
iStock
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Wenn frau sich ein Baby wünscht und es mit dem SchwangerWerden nicht sofort klappt, dann kann die KinderWunschZeit zur Belastungsprobe werden. Nicht selten macht sich schon fast eine depressive Stimmung breit, wenn das lang ersehnte Baby anscheinend nicht kommen möchte. Die KinderwunschZeit war auch für mich nicht einfach, ich hab sie nie wirklich richtig gemocht. Irgendwann hatte ich genug davon, frustriert auf mein Baby zu warten und so hab ich mir dann ein ÜberlebensTraining für diese anstrengende Zeit zusammen gestellt.

Im AusnahmeZustand

Ganz ehrlich? Mitten in dieser Zeit, als ich gerne schwanger geworden wäre und es über Monate nicht geklappt hat, fühlte ich mich wie im AusnahmeZustand. Ich merkte förmlich, wie ich immer verspannter wurde, meinen Körper mehr und mehr in Frage stellte und die alte Tanja, die einfach nur das Leben genoss, vermisste.

Ich fing an, meine Basaltemperatur zu messen und meine Eisprünge auszurechnen. In einem Wettbewerb habe ich einen Monitor gewonnen, in den man Pinkelstreifen einsetzt, damit er die fruchtbaren Tage ausrechnen kann. Woooow. Im Nachhinein betrachtet war das alles der blanke Horror für mich. Denn ich bin ein Mensch, der die Leichtigkeit des Lebens mag, ich mag keine Strukturen und Regeln.

In meiner KinderWunschphase hab ich mir zu viele Regeln und Strukturen auferlegt. Ich hab aufgehört zu geniessen.

Nur eine Frage drängt sich mir immer wieder auf: Kann frau diese Zeit überhaupt geniessen? Ist das möglich? Ich weiss, wie stark sich dieses Gefühl anfühlen kann, wenn man sich so sehnlichst ein Baby wünscht. Der letzte Gedanke am Tag, wenn man zu Bett geht ist der, dass man gerne ein Baby hätte. Am Morgen wacht man dann auf mit dem Gedanken: ach wär ich doch nur schon schwanger.

Hier meine persönlichen KinderWunschÜberlebensTraining Tips:

Weg vom MangelGedanken

Das ist wahrscheinlich etwas vom schwierigsten in dieser Zeit, denn jede Schwangere Frau, jedes kleine Baby das uns begegnet erinnert zwangsweise daran, dass wir das auch gerne hätten. Das ist hart, ich weiss. Aber den Kopf in den Sand zu stecken bringt in diesem Augenblick nichts. Im Gegenteil. Ich dachte mir dann immer, mein Kind sucht sich sicher keine unglückliche, schmollende Mama aus.

Also versuchte ich mich für diese Frauen zu freuen, ich verstand, dass für sie genau der richtige Zeitpunkt gekommen war, schwanger zu werden und ein Kind zu empfangen.

Ich hab angefangen, meine Gedanken umzuprogrammieren. Denn "Ich will endlich schwanger sein" hat mich immer wieder daran erinnert, dass ich es nicht bin. Dieser Satz fühlte sich unglaublich schwer an. Also schrieb ich irgendwann mal alle diese schweren Sätze auf und hab angefangen, sie umzupolen, so, dass sie eine positive Message bekommen haben und mich nicht mehr an meinen Mangel erinnerten.

So wurde aus "Ich will endlich schwanger sein" "ich bin zum richtigen Zeitpunkt bereit ein Kind zu empfangen" und so wurde meine Liste von AffirmationsSätzen immer länger und länger. Ich las jeden Tag meine persönliche Liste durch, um mein MindSet auf positiv zu programmieren.

So kam es, wenn ich am Morgen aufwachte und mich dabei ertappte, dass mein erster Gedanke "ich will schwanger sein" war, ich meine Liste hervor nahm und anfing, positive Affirmationen zu lesen. Das waren Sätze wie etwa:

Ich vertraue darauf, dass mein Kind zum richtigen Zeitpunkt zu uns kommt

Mein Körper ist entspannt und bereit, ein Baby zu empfangen

Ich heisse mein Kind willkommen

Mein Körper funktioniert einwandfrei, ich liebe meinen Körper

etc.

Zur Ruhe kommen

Ich war so super angespannt, dass mich das fast verrückt gemacht hat. Und ich wusste, dass das für mich Gift war. Also hab ich nach einer Möglichkeit gesucht, mich zu entspannen, gelassen zu werden. Da ich Meditationen sehr mag und es liebe zu meditieren, hab ich mich immer wieder hin gelegt und bin auf MeditationsReisen gegangen. Eine hat mir ganz besonders gut gefallen, sie war aus dem Buch von Birgit Zart "gelassen durch die Kinderwunschzeit". In dieser Reise hat man sich bewusst mit dem Baby verbunden, auch wenn es noch nicht da war. Genau dieser Gedanke hat mir so gefallen. Er hat so einiges mehr ausgelöst, mich inspiriert.

In Verbindung gehen

Von wo kommen wir und wohin gehen wir? Was passiert, wenn wir schwanger werden mit der Seele von unserem Kind? Wo ist die Seele, bevor wir schwanger werden? Irgendwo? Nirgendwo? Ich bin ein ziemlich spiritueller Mensch und hab mir immer wieder über diese Fragen Gedanken gemacht. Und ich bin mir sicher, unsere Kinder existieren schon, bevor wir schwanger sind. In einer anderen Form. Und wenn sie doch schon da sind, wieso tun wir dann immer so, als wären sie nicht da? Wieso dreht sich dann jeder Gedanke darum, dass wir kein Kind haben?

Ich hab angefangen, mich mit meinem Kind zu verbinden, dieser Seele. Und ich hab angefangen, mit ihr zu kommunizieren. Ja. Vielleicht habt ihr jetzt das Gefühl ich sei verrückt oder so was, aber mir hat es gut getan.

Denn es hat mich vom MangelGedanken wieder weg gebracht in die Fülle. Mein Kind war da. Einfach auf einer anderen Ebene.

So hab ich mir immer wieder Zeit genommen, um einen kleinen Brief zu schreiben oder einen kleinen Schwatz zu führen. Manchmal war ich auch sauer und hab meinem Frust freien Lauf gelassen. Ich hab angefangen, auf mein Kind zu vertrauen, dass es genau weiss, wann der richtige Zeitpunkt da ist, um zu uns zu kommen. Nur weil das nicht in meinen Plan passt, gibt es keinen Grund, ungeduldig zu werden. (Kinder machen vieles, dass den Erwachsenen nicht so in den Plan passt, daran kann man sich schon mal gewöhnen)

Ich hab eine kleine Kiste eingerichtet, in die ich alles gepackt hab, all meine Wünsche, Dinge, die mir zufielen, die mich irgendwie an diese Seele erinnerten. (oft waren es Federn). Ich hab meinem Kind einen kleinen Raum gegeben.

Versöhnung mit meinem Körper

Ich war lange Zeit viel zu streng zu meinem Körper. Und irgendwann war ich sauer auf ihn, weil ich das Gefühl hatte, dass er nicht richtig funktioniert, ich nicht richtig funktioniere. Mir wurde bewusst, dass das genau die falsche Haltung war. Denn ich wurde verspannt, angespannt und ich hatte das Gefühl, alle meine Zellen waren zusammen gezogen. So fing ich an, mich mit meinen Körper zu verwöhnen, ihm zu sagen, dass er ganz toll funktioniert und sein bestes gibt.

Ich hab aufgehört, ihn zu kontrollieren. Aufgehört, über Pinkelstreifen zu pinkeln und Temperaturkurven zu führen. Und ich hab meinem Körper immer wieder gesagt, dass er das gut macht.

Ich hab aufgehört, in ein Loch zu fallen, wenn meine Menstruation einsetzte. Statt dessen hab ich angefangen dafür dankbar zu sein, dass mein Körper richtig funktioniert, ich einen regelmässigen Zyklus habe.

Und ich hab angefangen, Sex wieder zu geniessen. Liebe anstatt ein Kind auf Biegen und Brechen zu machen. (Und es hat unglaublich viel Spass gemacht, chch)

Los lassen

Wahrscheinlich ist genau das Loslassen das Schwierigste in dieser Zeit. Aber es macht unglaublich frei. Irgendwann hab ich jeden destruktiven Gedanken erkannt. Genau das hat mir das Loslassen leichter gemacht. Ich hab gemerkt, ach das bringt mich jetzt nicht mehr wirklich weiter, also lassen wir diesen Gedanken sein.

So hab ich mich Stück für Stück frei gemacht von diesem selbst auferlegten Gefängnis. Ich konnte wieder etwas freier Atmen, mein Leben führen.

So konnte ich mich immer mehr vom KinderWunschZeitFrust befreien, hab mein Leben wieder genossen. Und irgendwann, ja irgendwann wurde ich dann schwanger.

Heute gibt es verschiedene Coachings für Frauen mit Kinderwunsch, sie helfen, die Situation aus Distanz zu betrachten, Druck zu nehmen, an sich selber zu arbeiten. Ich mag diese Arbeitsweise sehr.

Dieser Beitrag wurde zuerst auf www.herzbauchwerk.ch veröffentlicht.

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