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Was ich werdenden Papas sagen will, die bei der Geburt dabei sind

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DAD BABY
Gettystock
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Noch vor nicht allzu langer Zeit waren Papas bei der Geburt unerwünscht. Heute gehört es schon zum guten Ton, bei der Geburts-Reise Frau und Baby zu begleiten. Doch nicht jeder werdende Vater freut sich auf die bevorstehende Reise, traut sich sich aber oft nicht, das zu kommunizieren.

Ich erlebe viele Männer, die nach außen ziemlich cool wirken, wenn man sie auf die bevorstehende Geburt ihres Nachwuchses anspricht. In einem lockeren Ton lassen sie mich oft wissen, dass sie alles im Griff haben und die im Krankenhaus ja dann schon wissen, was zu tun und zu lassen sei, schließlich sind die Profis. Nur das, was ich in meinem Gegenüber drin spür ist eine Hose, randvoll gefüllt mit Angstkacke. (Sorry lieber lesender Mann, wenn ich jetzt so direkt und gemein über euch Männer schreibe, aber hei, es ist im Fall voll ok, Ängste zu haben!)

Was wäre aus mir geworden, wenn mein Mann mich nicht in den Schwangerschaften, den Geburten und im Wochenbett umsorgt hätte? Klar, ich hätte die Zeit überstanden. Auf meine Art und Weise. Dennoch bin ich ihm extrem dankbar dafür, dass er für uns da war. Ich bin dankbar dafür, dass er sich meine Wünsche und Sorgen angehört hat.

Ich bin dankbar dafür, dass auch er sich mit seinen Ängsten auseinandergesetzt hat. Auch wenn das für uns manchmal bedeutete, dass wir zusammen die etwas unangenehmeren Gespräche führen mussten, denn manchmal hörten wir vom Gegenüber nicht das, was wir gerne von ihm gehört hätten. Aber es hat uns als Paar weitergebracht, es hat uns zusammengebracht.

Fakt ist: Gebären ist reine Frauensache. Aber ich finde es wichtig, sich vor der Geburt Gedanken darüber zu machen, welche Rolle der Partner dabei spielen soll. Eine aktive? Eine passive? Soll er mich massieren, mich umsorgen, oder mag ich das lieber nicht, möchte ich lieber für mich ganz alleine sein? Was will mein Partner? Kann er mit schreienden Frauen, Köpfen, die aus Vaginas treten und Plazentas umgehen?

Kann mir mein Mann in die Augen sehen, meine Hände halten während die Wehen durch meinen Körper gehen? Brauch ich seine Nähe überhaupt? Einer Geburt als Mann beizuwohnen kann manchmal genau so falsch sein, wie sie zu begleiten.

Denn: Gebären passiert nicht einfach so nebenbei. Gebären unter "hoffentlich bald überstanden" abzulegen kann ziemlich gefährlich werden. Gebären ist etwas, das sich in Hirne einbrennt, unvergesslich ist, für beide Parteien. Mamas und Papas. Viele Mütter bereiten sich heute auf die Geburt mit Hypnobirthing vor, sie visualisieren sich ein positives, schmerzarmes Geburtserlebnis. Ich finde es unbedingt wichtig, dass auch der Partner darin einbezogen wird, damit er ganz genau weiß, wie sich die Mutter ihre Geburt vorstellt.

Ich fand es total wichtig, dass mein Mann wusste, was es bedeutete, wenn ich zu meinem Baby atmete. Es war wichtig für mich, dass er wusste, dass ich sehr seeeeeehr laut werde unter der Geburt, das aber nichts Schlimmes ist. Er wusste, dass irgendwann mal der Zeitpunkt kommt, in dem ich fluchen werde. Er wusste, dass wir die Nabelschnur auspulsieren lassen wollten, er wusste, dass ich die Plazenta ganz genau ansehen und fotografieren wollte.

Gebären passiert nicht nebenbei

Er war sich also bewusst dessen, was auf ihn zukommen würde. Und mir war es wichtig, dass für ihn das alles ok war, sonst hätte er nicht dabei sein müssen. (das ist jetzt nicht bös oder abwertend gemeint.)

Je nachdem, wo und wie Frau gebiert ist es etwas einfacher oder schwieriger, diesen Geburtsraum, den man sich wünscht und aufbauen möchte, zu wahren. Mein Mann war der Wächter meines Geburtsraums. Und er hat es sehr gut gemacht. Er musste nicht viel tun. Er musste einfach nur da sein, bei mir, ganz ruhig und entspannt.

Genau dieses "nur da sein" war es, das ihm bei der ersten Geburt so viel Mühe bereitet hat. Er konnte nichts machen. Er fühlte sich verloren. Er fand das ziemlich unfair. Zum Glück konnte er mir vertrauen, zum Glück wusste er, dass alles, was mit meinem Körper zu tun hat, meine Entscheidung war, und hat sich nicht eingemischt.

Männer sind Problemlöser. Die wollen aktiv etwas verändern. Bei einer Geburt sind ihnen oft die Hände gebunden, sie dürfen nur zusehn (wie ihre armen Frauen leiden müssen). Da ist mancher Mann froh, wenn endlich ein Arzt kommt, der die Sache im Griff hat und das Problem löst. Mit welchen Mitteln auch immer.

Genau dieses Dilemma wollte ich unbedingt vermeiden. Ich wünschte mir jemanden an meiner Seite, der mich unter der Geburt stärkt, der meine Wünsche und Bedürfnisse kennt und für sie einstehen konnte. Jemand, der mit meiner Geburtskraft mitgehen konnte, der keine Angst davor hatte.

Zum Glück konnte mein Mann diese Kriterien erfüllen, die für mich so wichtig waren. Hätte er das nicht gekonnt, dann hätte ich mir wahrscheinlich jemand anderen gesucht, der mich zur Geburt begleitet hätte, zum Beispiel eine Doula. Und auch das wär nicht schlimm gewesen, sondern für alle Beteiligten wahrscheinlich die bessere Lösung.

Um herauszufinden, ob mein Mann auch der richtige Geburtspartner für mich war, galt es, einige Dinge zu klären:

Die Sache mit den Hormon-Tsunamis

Bei manchen Schwangeren sind sie größer, bei manchen etwas kleiner. Die Hormon-Tsunamis. Als ich schwanger war, war ich sehr empfindlich, nah am Wasser gebaut und brauchte extrem viel Schmus. Es gab Momente, da wurde mir vor allem in der dritten Schwangerschaft mit zwei kleinen Kindern, die zu umsorgen waren, alles zu viel.

Dann übernahmen manchmal die Hormone das Ruder und brachen wie eine riesige Tsunami-Welle über mich ein. Ich bin heute dankbar dafür, dass mein Mann in diesen Situationen ruhig geblieben ist und die Welle nicht auch über sich zusammenbrechen ließ. Er übernahm die Kinder und ließ mir den nötigen, ruhigen Raum, damit ich wieder in meine Mitte kommen konnte.

So habe ich immer wieder zu mir gefunden, konnte in mich hineinspüren und herausfinden, was meine Bedürfnisse sind.

Geburtswünsche

In jeder Schwangerschaft haben wir zusammen besprochen, wie die Geburt verlaufen sollte, was wir uns wünschten. Ich schrieb mir jedes Mal ein Geburtsdrehbuch, in dem stand, wie ich mir meine Wunschgeburt vorstellte. Im Badezimmer hingen alle meine Power-Affirmationssätze für die Geburt, die ich jeden Morgen und Abend beim Zähneputzen las. Ich habe diese Sätze bewusst so "öffentlich" platziert, damit auch mein Mann mal ab und zu ein Auge darauf werfen konnte, um in meinen Geburts-Vibe zu kommen.

Zusammen haben wir Geburtsvideos geschaut, er hat Männer gesehen, die ihre Frauen ganz liebevoll und ruhig durch die Geburt begleitet haben. Männer, die präsent waren, die sich voll und ganz in die Situation hineingeben konnten und für ihre Frauen eine Stütze waren.

Es war mir wichtig, dass mein Mann wusste, wie ich mir die Geburt meines Kindes vorstelle, es war mir wichtig, dass er mein Ziel kannte, auch er sollte wissen, in welche Richtung ich hin arbeitete.

Wer begleitet uns während der Schwangerschaft und zur Geburt? Wie und wo wollen wir gebären?

In meiner letzten Schwangerschaft ließ ich mich von einer wunderbar tollen Hebamme begleiten. Mein Wunsch war es, zu Hause zu gebären. Meinem Mann war das zu viel. Wir hatten einige hitzige Diskussionen deswegen aber in zwei Punkten musste ich ihm recht geben:

1. Hätte ich zu Hause geboren und mein Wochenbett in den eigenen vier Wänden angetreten, hätte ich mich nie so erholen können wie in meinem Wellnessurlaub im Geburtshaus. Weil da schon zwei Kinder waren. Und ein Haushalt (klar, den ich nicht machen musste, aber da war er trotzdem)

2. Mein Mann wäre zu Hause nie so entspannt gewesen wie im Geburtshaus. Er brauchte eine räumliche Trennung. Er sagte zu mir, er bräuchte auch einen Rückzugsort, wollte nach der Geburt nach hause gehen können, um für sich alleine alles Revue passieren lassen zu können und zu verarbeiten. Mein Mann ist ein introvertierter Mensch, und für mich galt es, dieses Bedürfnis auch zu respektieren.

Ich bin ganz ehrlich, das Thema Geburtsort war eine ziemliche Knacknuss für uns beide und es war nicht leicht, einen Kompromiss zu finden, es hat uns immer wieder aneinander geraten lassen. Aber es war wichtig, und es hatte für uns beide und unsere Beziehung sehr viel Heilsames. Weil irgendwann mal mein Mann offen auch seine Bedürfnisse und Wünsche für die Geburt seines Kindes kommuniziert hat. Und ich konnte diese Wünsche akzeptieren. (Hätte er auf eine Geburt im Krankenhaus bestanden, hätte die Sache sicher anders ausgesehen)

Welche Rolle will der Papa bei der Geburt einnehmen, welche sind zu vergeben?

Ich denke, das ist eine sehr wichtige Frage. Jeder Mensch hat seinen eigenen Charakter. Manche Frauen mögen einen starken Mann an ihrer Seite, der sie durchs Leben coacht, andere wollen lieber ganz eigenständig durchs Leben gehen. Und beides ist ok. Ich glaube es ist einfach wichtig, vorgängig zusammen abzusprechen, welche Rolle der Partner unter der Geburt einnehmen soll und was die gos und nogos für jeden der Beteiligten sind.

Aus einer eher ruhigen, zurückhaltenden Person wird auch unter einer Geburt kein anfeuernder Fussballtrainer-Typ.

Geburt - ein Extremzustand

Geburt ist eine Extremsituation, das kann niemand bestreiten. Es ist ein tiefgreifendes Ereignis für alle Beteiligten. Für mich persönlich geht in diesem Augenblick ein Tor auf in eine ganz eigene, ganz spezielle Welt. Ich finde mich selber in einem ganz neuen Bewusstseinszustand. Und den genieß ich dann auch. Aber: Die Geburts-Flash-Tanja ist eine ganz andere als die Alltags-Tanja. Und die lässt sich nur sehr ungern in ihrem Flash stören.

Geburten können sehr extatisch sein, sie können aber auch traumatisch sein.

Ich finde es ganz ganz wichtig, dass man als Paar nach diesem Erlebnis miteinander darüber redet. Vor allem dann, wenn die Geburt nicht so verlaufen ist, wie man sich das vorgestellt hat. Es ist wichtig, sich den Raum zu geben, das Erlebte zu verarbeiten.

Bitte, liebe Papas, hört eurer Partnerin ganz genau zu, wenn sie von der Geburt spricht und erzählt auch selber von euren Gefühlen und Empfindungen. Ich finde, es gibt nichts Schlimmeres, als vom eigenen Partner mit dem Satz: "aber jetzt haben wir ja zum Glück ein gesundes Baby und alles ist gut" abgespeist zu werden!

Das Familienzimmer

Ich wollte nach jeder meiner Geburten meine Ruhe. Und wie. Deshalb hab ich mir und meinem Baby immer ein Privatzimmer gegönnt. Wir hatten unsere "eigenen vier Wände" und mussten auf niemanden Rücksicht nehmen.

Wenn mein Baby in der Nacht geschrien hat, dann hat es geschrien, das hab nur ich gehört. Da war keine Bettnachbarin, die wir hätten in ihrem Schlaf stören können. Mein Mann, das Baby und ich, wir haben stundenlang gekuschelt, sind angekommen. Im Geburtshaus gab es die Möglichkeit, dass der Papa den ganzen Aufenthalt durch mit der Mama und dem Baby das Wochenbett teilen durfte, ich fand das wunderschön und so wertvoll.

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Ich bin ein großer Fan von Familienzimmern, um in Ruhe als Familie anzukommen. Wir wollten auch keinen Besuch, nur die ganz engen Familienangehörigen durften uns im Spital oder Geburtshaus "hallo" sagen.

Das haben wir alles vorgängig so miteinander besprochen und geplant.

Das Wochenbett - in Ruhe ankommen

Das Wochenbett ist für mich eine ganz magische Zeit. Ich kann mich noch so gut daran erinnern, als wir mit unserem ersten Kind nach Hause gekommen sind. Mein Mann und ich fanden die Situation so schräg: zu zweit sind wir gegangen und zurück kommen wir zu dritt. Da ist nun dieses kleine, süße Baby, und jetzt? Keiner sagt dir, wann gewickelt, gebadet oder gefüttert werden muss... Schau einfach mal.

Ich wollte im Wochenbett keinen großen Rummel um mich. Geschweige denn Besuch. Ich weiß, Besuch fern zu halten kann ziemlich schwierig sein, wenn Familie und Freunde in dieser Baby-Euphorie schweben, aber hei; das Baby gibts in zwei Monaten hoffentlich auch noch! Und dann ist es genau so süß wie jetzt! Ich war sehr froh, dass mein Mann das ganze Koordinieren und Organisieren von diesen Besuchen für uns übernommen hat, und ganz klar unsere Wünsche kommuniziert hat.

In der Schweiz hat eine Mutter 14 Wochen Mutterschaftsurlaub, ein Mann bekommt vom Arbeitgeber zwei Tage frei wenn das Baby auf die Welt kommt. Vaterschaftsurlaub existiert bei uns nur in großen Firmen und auf freiwilliger Basis. Die meisten frisch gebackenen Papas nehmen eine oder zwei Wochen Urlaub um die Mama zu unterstützen.

Als unser Sohn auf die Welt kam, hat mein Mann sieben Wochen frei genommen. Und es war das größte und beste Geschenk, dass er uns machen konnte. Das hat allen Beteiligten extrem gut getan, ich bin ihm heute noch dafür dankbar, dass er so lange für uns da war und das Wochenbett mit uns verbracht hat.

Liebe Männer, ich wünsch euch eine ganz wundervolle Geburts-Reise mit euren Frauen, genießt es!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf herzbauchwerk.



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