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Scheideweg zwischen Krieg und Frieden

27/11/2015 10:38 CET | Aktualisiert 27/11/2016 11:12 CET
EPA

Seit dem Terroranschlag von Paris dreht sich alles in vielen westlichen Medien über zwei Hauptachsen, 1. Islam und Muslime sind an allem Schuld. 2. Krieg muss die einzige Antwort sein.

Die Medien sind leider voll im Sog der Kriegs- und Kulturkampfrhetorik verfangen. Schlimmer noch als zu Zeiten der Anschläge vom 9.11.2001.

Bemerkenswert ist aber, dass diese mediale Aufregung nicht die Rolle der westlichen Politik in den aktuellen Weltkrisen fokussiert. Somit wurde die öffentliche Meinung manipuliert, um den Westen von jeder Schuld zu befreien.

Man soll eigentlich in diesem Kontext über die Kolonialisierung und deren schrecklichen Folgen sprechen, über die Überheblichkeit des Westens gegenüber Migranten und Asylsuchenden debattieren, über die Respektlosigkeit gegenüber Religionsminderheiten sprechen, über die bis heute andauernde Ausbeutung des Südens und die Unterstützung von Diktaturen Klartext reden.

Solche Diskussionen sollen keine Rechtfertigung für Terror sein, sondern das Gesamtbild darstellen und nicht nur auf die momentane Situation fokussieren.

Der Westen muss der Realität ins Auge blicken

Der Westen muss sich mit diesen grundlegenden historischen Realitäten auseinandersetzen, um diese Probleme gründlich zu lösen, anstatt Kriegsfronten zu öffnen und die Schuld zurückweisen.

Es ist eine Tatsache, dass Europa ihre muslimische Minderheit schlecht untergebracht, ausgegrenzt, diskriminiert, und zur Ghettoisierung gezwungen hat. Das Ergebnis war Spannung, Gewaltbreitschaft und Extremismus.

Es ist auch eine Tatsache, dass die Muslime in Europa kaum ihre Rechte gemäß Internationaler Pakt für bürgerliche und politische Rechte oder Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte genießen können.

Wenn man solche Faktoren genauer anschaut, dann kann man leicht verstehen, warum Länder wie Belgien oder Frankreich eine Zielscheibe von den Extremisten geworden sind oder warum viele junge muslimische Europäer lieber mit Terror Organisationen wie Daisch arbeiten als in Europa zu bleiben.

Starkes Bündnis gegen Terror

Natürlich braucht man eine starkes Bündnis gegen alle Formen von Terror, aber gleichzeitig muss Europa eine ehrliche Strategie entwickeln, wie sie mit ihrer kolonialen Vergangenheit und aktuelle Weltpolitik umgehen soll.

Jegliche Versuche den Islam zu dämonisieren und die Muslime zu zwingen sich von ihrem Glauben zum distanzieren - was man als Säkularisierung vom Islam nennt - wird scheitern und stürzt die Welt in mehr Chaos.

Eine differenziertere Antwort als totaler Krieg ist notwendig, um mit dem zugrunde liegenden Konfrontation umzugehen, denn ein Totaler Krieg züchtet Feindseligkeit, Instabilität, kulturelle und politische Konflikte. Die logische Folge ist dann Terror und zwar überall.

Die akute Weltkrisen, sei es, u.a. Flüchtlinge, Terrorismus, Armut, brauchen eine gemeinsame Arbeit und nicht eine sinnlose Konfrontation zwischen den Kulturen, die nur mehr Leid und Katastrophen führt, es wäre denn, dass der Westen die Welt in einer Sackgasse führen will.

Die Muslime weltweit entscheiden sich für den Frieden, Demokratie und Offenheit. Deshalb ist der Westen auf einem Scheideweg zwischen Krieg und Frieden. Abenteuerliche Risikos sind nicht mehr erlaubt.

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