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Keine Angst mehr vor Einparken: Ab jetzt übernimmt der Autopilot

01/11/2015 12:36 CET | Aktualisiert 01/11/2016 10:12 CET
Mark de Leeuw via Getty Images

Wie wir wissen, sind Frauen die schlechteren Autofahrer. Sie missachten häufiger den Vortritt als Männer (das belegen mehrere Statistiken), sie fahren technisch schlechter (weil sie die mechanischen Vorgänge im Auto nicht verstehen), sie fahren vorsichtiger (sie kriechen und produzieren Stau) und laut einer in der Schweizer Zeitung Blick publizierten Studie der Unfallversicherung Suva fahren sie, stressbedingt, morgens zwischen sieben und acht Uhr schlechter Auto als zu den übrigen Tageszeiten.

Und dann das Einparken... ganz spontan fallen mir 100 Damen ein, denen ich dafür einen Autopiloten empfehlen würde, damit die Übung wenigstens klappt, bevor sie pensioniert werden.

Diesen Autopiloten gibt es jetzt tatsächlich, seit vergangenem Wochenende können Fahrer des Elektroautos Tesla ihn weltweit, auch in Deutschland, nutzen.

Ein Auto, das alles selbständig erledigt, das Lenken, das Parken, das Denken, das klingt nach Beitrag zum Weltfrieden, zumindest fördert es die Harmonie zwischen Mann und Frau während der gemeinsamen Autofahrt, wo sie nichts lieber tut als seinen Fahrstil zu beklagen und er sie dafür liebend gerne zum Fenster hinaus befördern würde. Und ganz gewiss entspannt es das Verhältnis zwischen der Lenkerin und ihrem Gefährt selbst, das ja zuweilen eigenartig angestrengt ist.

Die grössten Vorzüge bietet der Autopilot unbestritten den von der Suva aufgespürten, gestressten Frauen im Morgenverkehr: Indem uns der Autopilot alle wesentlichen Aufgaben abnimmt, können wir uns während der Fahrt ungestört Schminken, anziehen, mit Freundinnen Smslen, Fingernägel anmalen - eine beispiellose Einsparung von Lebenszeit.

Man kann es noch vertiefen: Während wir die Einkäufe erledigen, rollt der Wagen selbständig in die Waschanlage, bringt die Kleider zur Reinigung, fährt den Hund Gassi, holt uns dann wieder zeitig vom Shoppen ab. Irgendwann, in nicht allzu ferner Zukunft, wird er sich noch unserer Steuererklärung annehmen, da bin ich mir sicher. Mit einem Teil der eingesparten Zeit bereiten wir unserem Liebsten, der uns den Autopiloten und das Blech drumherum ja gekauft hat, allmorgendlich ein gewaltiges Frühstück.

Weil das alles so wunderbar verlockend klingt, bin ich den Tesla S testgefahren. Alles, was geschrieben wurde, trifft zu: Das Teil fährt wirklich ganz von alleine, es erkennt passende Parklücken, regelt den Abstand zum vorderen Fahrzeug, wechselt die Spur automatisch (ich musste nur den Blinker setzen), bremst, bevor es knallt.

Der Schaltmechanismus wurde beim Tesla weggelassen, vermutlich, um zwischen den Vordersitzen genügend Platz für eine grosse Handtasche zu schaffen. Wo Elektroautos normalerweise den Chic eines Cordanzuges besitzen, erinnert mein 700 PS-Testmodell P85D an einen Maserati. Dank Ultrasensoren-Krimskrams kann er sogar die Geschwindigkeitstafeln lesen - fehlt leider noch, dass er seine Lenkerin bei deren Unterschreitung mit Stromschlägen traktiert.

Einige Manöver des Tesla S sind faszinierend unvorhersehbar. Gemäss Testberichten hat der Autopilot eine Abneigung gegen Autobahnen, er zweigt gerne mal selbständig bei einer Ausfahrt ab. Bei anderer Gelegenheit fährt er wie ein Betrunkener Richtung Strassengraben.

Aber was kümmern uns solche Nichtigkeiten, wenn wir dafür einen treuen Fahrsekretär haben, der uns eines Tages bestimmt auch noch das Schimpfen abnimmt und vortrittsmissachtende Schneckenmonster ganz ohne unser Zutun herunterputzt?

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Basler Zeitung.

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