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Frauen ab 40: alte Heulsusen

16/01/2016 18:44 CET | Aktualisiert 16/01/2017 11:12 CET
Eyecandy Images via Getty Images

„Ich schenke mir eine Schönheits-OP im 2016." Meine Freundin ist 50. Ein Heer von Lachfältchen um die Augen deutet an, dass die Überschreitung der zwanzig weit gereift ist. Es ist unser erster gemeinsamer Kaffee im neuen Jahr. „Ach komm, du siehst für dein Alter doch ganz gut aus." Was soll man auch sagen? Wir sind beide etwas über die erste Frische hinaus, es ist ein Weilchen her, dass wir das Haus ganz ohne Makeup verlassen haben. Irgendwann kann man die Spuren einer 43- oder einer Fünfzigjährigen auch nicht mehr aus dem Gesicht wegpudern.

Älterwerden ist doch furchtbar. Zerknitterte Augenpartien oder das Absacken ganzer Fleischschichten vermiesen einem die Laune manchmal noch vor dem ersten Kaffee. Ja, ich gebe es zu, das mit dem „ich liebe meine Falten" ist nicht mein Ding. Meine Falten und ich haben kein sehr freundschaftliches Verhältnis.

Ich würde mich deswegen nicht gleich unters Messer legen, aber die Idee eines eigenen Surrogates reizt mich gewaltig, wie im Sci-Fi Film mit Bruce Willis, wo ich das Haus irgendwann nicht mehr selber verlasse, sondern ein von mir ferngesteuertes ewig-junges Alter-Ego die Nachrichten für mich moderiert.

„Ich fühle mich jedes Mal Scheisse, wenn ich morgens in den Spiegel gucke", sagt jetzt meine Freundin. Das klingt tröstlich. „Du brauchst dimmbare Beleuchtung", sage ich. "Deckenlicht ist besonders fies." -„Ach, Quatsch. Ich mach eine Lidstraffung. Ein kleiner Schnitt über dem Auge." Ich habe die Gesichter von Frauen gesehen, nachdem sie „etwas Kleines" haben machen lassen. Ihr Antlitz wirkte danach seltsam verzerrt, echsenhaft.

„Ich fühle mich jedes Mal Scheisse, wenn ich morgens in den Spiegel gucke", sagt jetzt meine Freundin.

Ist ja auch kein Wunder, wenn die Augenpartie dann fabrikneu wie die eines Babys daherkommt und der ganze Rest, Kinn, Hals und Hände eine grosse 50 auf dem Buckel haben. Bei einem Haus kann man ja auch nicht nur eine Wand oder die Vorderseite renovieren. Warum lässt sie sich nicht Fett absaugen, da kann sie wenigstens eine Hose überziehen, sollte der Eingriff in die Hose gehen. Ich schlage ihr das vor. -„Nein, ich will nicht schlanker wirken, sondern jünger!"

Dieser Wunsch ist ebenfalls nicht mehr taufrisch und weit verbreitet, wie eine auf Daily Mail publizierte Untersuchung aus dem Jahr 2014 zeigt: 60% der Britinnen ab 35 fassen es als allergrösstes Kompliment auf, wenn man ihr junges Aussehen lobt - und nicht etwa ihre schlanke Figur (Britinnen kann man als Beauty-Psycho-Massstab für fast alle Europäerinnen nehmen). Das Kompliment stärke ihr Selbstvertrauen am meisten.

Im Alter von 39,5 Jahren beschäftigen Frauen sich am häufigsten mit dem Aussehen - täglich. Als Hauptindikator fürs Älterwerden gelten für uns Falten, noch vor dem Verlieren unserer Zähne und dem Vergessen von Namen. Krähenfüsschen schlimmer als Greisen-Gebiss? Wir sind bemitleidenswert.

Wir verzehren jetzt mit Nachdruck Schwarzwäldertorte, weil irgendwo haben wir gelesen, dass ein volleres Gesicht die Gesichtshaut weniger erschlaffen lässt. Wir essen und lachen, über Surrogates und über Jennifer Aniston, die ihre 46-jährige faltenfreie Haut, wie sie sagt, „dem Trinken von viel Wasser" zu verdanken hat - und ganz nebenbei Werbebotschafterin einer Wasserfirma ist. Ach Gott, haben wir keine anderen Probleme? Wir lachen, bis unser Makeup verschmiert.

Übrigens, Frauen ab 55 sorgen sich am allerwenigsten um ihr Alter, besagt die Studie weiter. Es gibt also Hoffnung. Wenn nicht für unsere Furchen, so doch wenigstens für unsere Laune.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Basler Zeitung.

Video: Schön oder durchschnittlich? Dieses Video zeigt, wie sehr Frauen unter dem Schönheitsideal wirklich leiden

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