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Ist Ihr Boss ein Psychopath?

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BOSS PSYCHOPATH
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Vorgesetzte verbringen ja einen Großteil ihrer Arbeitszeit damit, Mitarbeitende mit ihren fragwĂŒrdigen Angewohnheiten in Erstaunen zu versetzen. Sie taxieren einem beispielsweise mit diesem stechenden Blick, wenn man sich im Gang kreuzt. Oder sie begrĂŒĂŸen einen mit so ĂŒbertriebener Begeisterung, dass der Schleim bis auf den Teppich tropft.

Sie brechen am Ende ihrer Witze in GelÀchter aus, mit dem sie jedes wiehernde Pferd in den Schatten stellen. WÀhrend wichtigen PrÀsentationen von Mitarbeitern tippen sie demonstrativ auf ihrem Smartphone herum, als lÀge das Ende des Syrien-Krieges in ihren HÀnden.

Haben Sie gerade ein Aha-Erlebnis, liebe Leser? Dann liefere ich Ihnen heute möglicherweise eine ErklÀrung: Falls sich zu diesem Verhalten noch Narzissmus oder Egoismus hinzugesellen - Eigenschaften, zu denen Vorgesetzte ja ein besonders inniges VerhÀltnis pflegen - könnte es sein, dass Sie es bei Ihrem Chef mit einem Psychopathen zu tun haben.

Einer von fĂŒnf Vorgesetzten ist Psychopath

Eine aktuelle Studie hat herausgefunden, dass 21 Prozent der CEOs einen "klinisch signifikanten Level" an psychopathischen ZĂŒgen aufweisen. Einer von fĂŒnf Vorgesetzten ist Psychopath - laut den Forschern ungefĂ€hr dieselbe Zahl wie unter GefĂ€ngnisinsassen (bei 1:100 liegt das Psycho-VerhĂ€ltnis in der normalen Bevölkerung).

Narzissmus, oberflĂ€chlicher Charme, mangelnde Empathie, Egoismus, manipulatives Verhalten - alles Anzeichen fĂŒr psychopatische ZĂŒge.

Mit ihrer Untersuchung wollen die Studienverfasser Arbeitgebern helfen einen Weg zu finden, um potentielle Psychopathen vor einer Anstellung herauszufiltern. Der Gerichtsmediziner Nathan Brooks, der die Studie mit den UniversitĂ€ten San Diego und Bond in Australien durchfĂŒhrte, empfiehlt Unternehmen, die Rekrutierung ihres Personals zu verbessern.

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Anstatt als erstes auf die JobfÀhigkeiten zu fokussieren, sollte man den Kandidaten einem psychologischen Persönlichkeitstest unterziehen.

Ich bin verwirrt. Haben die Wissenschaftler da nicht etwas durcheinandergebracht? Sind es in gewinnorientierten, börsenkotierten Betrieben nicht gerade Leute mit oben genannten Eigenschaften, die fĂŒr den Managerjob am ehesten in Frage kommen?

Wird von CEOs nicht verlangt, Leute zu entlassen ohne schlechtes Gewissen? Quartalszahlen um jeden Preis zu erreichen? Möglichkeiten fĂŒr Umsatzwachstum zu finden, auch wenn sie nicht immer lupenrein sind? FĂŒr geschĂ€ftliche Vorteile auch mal seine Moral ein bisschen zu strapazieren?

Chaos, mangelnde Empathie, oberflÀchlicher Charme und Egoismus

"Typische Psychopathen veranstalten viel Chaos und tendieren dazu, andere Leute gegeneinander auszuspielen", sagt Nathan Brooks weiter. ErklĂ€rt er damit nicht einen großen Teil von uns zu Psychopathen? Gerade erst habe ich nĂ€mlich ein paar wichtige GeschĂ€ftstermine komplett verwechselt (Chaos), weshalb mein Mann beim HundehĂŒten aushelfen musste.

Dass er deswegen genötigt war, seine eigene Agenda umzustellen, hielt ich fĂŒr irrelevant (mangelnde Empathie) - meine Jobperformance ist nun mal wichtiger (Egoismus).

Damit ich ihn mit dem sĂŒĂŸen Versprechen (oberflĂ€chlicher Charme) eines wilden Wochenendes (manipulatives Verhalten) um den Finger wickeln konnte, habe ich meine Planungsfehler einem Arbeitskollegen in die Schuhe geschoben (Leute gegeneinander ausspielen). Und weil ich der Überzeugung bin, dass mein methodisches Vorgehen Manager-QualitĂ€ten offenbart (Narzissmus), werde ich mich demnĂ€chst um eine hohe Kaderstelle bewerben.

Danke, Herr Brooks, fĂŒr die nĂŒtzliche Studie!

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Basler Zeitung.

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